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Der Bundestrainer als Zuschauer in der BayArena – früher war das eine große Motivation für die deutschen Nationalspieler im Leverkusener Trikot. Derzeit ist es keine. Denn zuletzt stand trotz XXL-Kader kein einziger Bayer-Profi im DFB-Aufgebot. Auch Jürgen Klopp hatte am Sonntag wenig Auswahl. In der Startelf der Hausherren stand erneut niemand, der für den DFB spielberechtigt ist – auch nicht der Spieler des Spiels: Ibrahim Maza. Der gebürtige Berliner hat sich längst für Algerien entschieden. Das dürfte Klopp ärgern. Der Mann mit der Nummer 30 ist eine Augenweide.
Mit einem Tor und einem sehenswerten Assist entschied er zusammen mit dem ebenfalls sehr gut aufgelegten Patrik Schick das Spitzenspiel gegen den Tabellenführer SC Freiburg. Für Leverkusen ist das 2:1 (1:1) der fünfte Pflichtspielsieg in Serie. Der Meister von 2024 liegt nur noch einen Punkt hinter dem neuen Tabellenführer FC Bayern. „Ich glaube, wir können diese Saison ganz vorne mitspielen“, befand Maza. Trainer Carles Martínez sagte: „Für mich bedeutet der Sieg sehr viel, weil Freiburg derzeit eines der besten Teams der Liga ist.“
Mit je einem Tor an den ersten sechs Spieltagen hält Schick nun einen alleinigen Klubrekord bei Bayer 04. Doch bevor Maza und Schick zauberten, dauerte es etwas. Der mit reichlich Selbstvertrauen ausgestattete Gegner startete deutlich besser. Freiburg bot gleich sieben deutsche Spieler auf, die Jürgen Klopp genau beobachten konnte. Der Bundestrainer nahm neben Rudi Völler Platz, Co-Trainer Sven Bender war ebenfalls an seiner Seite. Eine der Entdeckungen Klopps aus seiner ersten Länderspielphase sorgte für den ersten Höhepunkt: Derry Scherhant. Der 23-Jährige schob den Ball durch die Beine von Mark Flekken zur Freiburger Führung. Die linke Leverkusener Seite war zu weit aufgerückt, ließ sich überspielen und kam nicht mehr hinterher. Der Freiburger Block jubelte.
Wenige Minuten zuvor hatte SCF-Trainer Julian Schuster noch wild in Richtung der Fans gestikuliert. Die Anhänger aus dem Breisgau hatten Tennisbälle auf den Rasen geworfen und so eine rund fünfminütige Spielunterbrechung ausgelöst. Der Grund war die Leverkusener Sicherheitspolitik für Gästefans. „Fankultur eingeschränkt – Spielbetrieb unterbrochen – Gegen Materialverbote“ stand auf einem Banner vor dem Freiburger Block. Auch die Leverkusener Nordkurve unterstützte den Protest mit einem Spruchband: „Bayer 04-Verbotspolitik stoppen.“ Seit mehreren Jahren wird in der BayArena über den Umgang mit Gästefans gestritten. „Ich bin maximal offen für Proteste. Ich höre gerne zu und kann Verständnis entwickeln“, sagte Schuster, „worüber ich kein Verständnis entwickeln kann, ist Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Das geht für mich zu weit, und das ist nicht in Ordnung.“
Erst nach der Unterbrechung und der Freiburger Führung fand die Werkself zu mehr Entschlossenheit. „Das Gute war, dass wir kurz Zeit hatten, miteinander zu sprechen und unser Pressing besser zu organisieren“, sagte Martínez. Der Lohn war ein hervorragend herausgespielter Ausgleich. Freiburgs Matthias Ginter ließ einen hohen Ball von Aleix García durchspringen. Diaby legte quer auf Schick, der den Ball mit der Hacke für Maza prallen ließ. Maza traf mit dem Außenrist flach ins linke Eck. Das Spiel war nun offen, und Leverkusen übernahm nach und nach die Kontrolle.
Auch nach der Pause drängte Bayer 04 nach vorne. Alles lief auf den großen Moment von Ibrahim Maza hinaus. Der 20-Jährige verarbeitete einen hohen Ball nahe der Eckfahne mit herausragender Technik. Unter Druck tunnelte er den ersten Freiburger und legte mit dem nächsten Beinschuss für Schick quer. Dieser musste nur noch den Fuß hinhalten - 2:1, eine Viertelstunde vor Schluss.
In der Folge hätte die Werkself ihre zahlreichen Konterchancen dringend nutzen müssen. Stattdessen forderte sie das Glück heraus: In der Nachspielzeit setzte der eingewechselte Freiburger Lucas Höler einen Flugkopfball aus kurzer Distanz neben das Tor. Direkt danach ertönte der erlösende Schlusspfiff. „Einige Dinge haben wir heute auch noch falsch gemacht. Aber wenn man keine Fehler macht, ist man nicht mutig genug oder nicht gut genug“, ordnete Maza die Phase nach dem 2:1 ein.
Chancen, um es noch besser zu machen, kommen in den kommenden Wochen genug. Mitte der Woche reist die Werkself erneut international. Am Donnerstag steht das Europa-League-Spiel bei OFI Kreta an (18.45 Uhr, RTL+) an. In der Liga geht es am Sonntag bei der TSG Hoffenheim weiter (15.30 Uhr).