Zurück
Ein geschichtlicher Exkurs zu einem spezifischen Schlag:
Tennis wurde in seinen Anfängen immer einhändig gespielt. Über eine episch lange Zeitspanne hinweg war die entweder mit links oder rechts geschlagene Rückhand unumstritten – und zwar bis tief ins letzte Jahrhundert. Zwar schon Ende der 1930er-Jahren wagten zwei Australier die Revolution: Vivian McGrath und John Bromwich spielten die Backhand mit beiden Händen am Racket. Ziemlich erfolgreich (Bromwich stand 1948 im Wimbledon-Final und hatte davor zweimal in seiner Heimat die Australian Open gewonnen), aber gleichwohl noch allein auf weiter Flur.
Den endgültigen Durchbruch schaffte die beidhändige Rückhand Jahre später. 1974 gewann Jimmy Connors mit der neuen Technik 3 Grand-Slam-Turniere. Das 4. ging an Björn Borg, auch er spielte die Backhand zweihändig.
Es zogen immer mehr Profis nach, auch weil man durch diese Art mehr Kraft hinter den Ball bringt. Heute ist wahlweise von einem Auslaufmodell oder sogar vom Aussterben der einhändigen Rückhand die Rede. Es ist davon auszugehen, dass Ende Jahr erstmals überhaupt kein einhändiger Rückhand-Spieler mehr unter den besten 10 Spielern gelistet ist.
So ist die einhändige Rückhand seit Einführung des ATP-Rankings in den Top 10 vertreten:
| Jahr | Anzahl | Prominente Beispiele |
|---|---|---|
| 1973 | 9 | Ilie Nastase, Rod Laver, Arthur Ashe |
| 1983 | 7 | John McEnroe, Ivan Lendl, Yannick Noah |
| 1993 | 5 | Pete Sampras, Michael Stich, Stefan Edberg |
| 2003 | 2 | Roger Federer, Mark Philippoussis |
| 2013 | 3 | Roger Federer, Stan Wawrinka, Richard Gasquet |
| 2023 | 1 | Stefanos Tsitsipas |
| 2026* |
Stichtag jeweils zum Jahresende
* Stand per 2. November 2026 – aktuell ist der bestklassierte Spieler mit einhändiger Rückhand Lorenzo Musetti (ITA) an ATP-Position 24.
Der letzte Woche in Basel abgetretene Stan Wawrinka war ein Virtuose in dieser Beziehung. Es handelte sich um den Paradeschlag des Waadtländers. Fast schon um eine Wunderwaffe, die Wawrinka in der Blüte seiner Karriere in Perfektion zelebrierte.
Weil schon Roger Federer die Rückhand auf die gleiche Art geschlagen hat, schwingt hierzulande Nostalgie mit bei diesem Thema. Und auch so etwas wie neue Hoffnung: Denn Henry Bernet, Doppelfinalist an den Swiss Indoors, steht seinen hoch dekorierten Landsmännern in nichts nach und spielt die Rückhand ebenfalls nur mit einer Hand. Der 19-Jährige erklärt: «Ich liess mich von meinen Vorbildern inspirieren. Manchmal kann man damit ein Überraschungsmoment schaffen, weil sich der Gegner diese Spielweise nicht mehr gewöhnt ist.»