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Die Nidderauerin Sarah Bormann gewann in Karlsruhe gegen die zuvor ungeschlagene Spanierin Chaima Bounour. Bormanns Team verhandelt bereits über einen Titelkampf in den USA.
Hanau – Wie eine strahlende Siegerin schaute Sarah Bormann nun wirklich nicht aus, nachdem sie in Karlsruhe zur Gewinnerin gekürt worden war. Die Faust hatte die für die TG Hanau boxende Nidderauerin zwar nach oben gestreckt, den Kopf aber gesenkt. Das Gesicht von „Babyface“, so ihr Kampfname, war in diesem Moment nicht zu sehen. Kurz darauf ging der Blick aber nach oben und Bormann rang sich ein etwas gequält wirkendes Lächeln ab. Der intensive Kampf hatte Spuren hinterlassen und die waren gut sichtbar. Die 36-Jährige musste diesmal viel einstecken, vermutlich so viel wie noch nie. Aber es hatte sich gelohnt: Bormann ist weiterhin Weltmeisterin der World Boxing Association (WBA) sowie der World Boxing Organisation (WBO) im Minimumgewicht und darf nun von einem Titelkampf in Übersee träumen. Das wäre ein weiteres Highlight in ihrer Karriere.
„Wir sind erstmal froh, dass Sarah diese Pflichtverteidigung gestemmt hat und es uns gelungen ist, diesen Kampf auf einer Fremdveranstaltung in Karlsruhe einzubringen“, sagte Bormanns langjähriger Wegbegleiter Rainer Gottwald nach dem Duell mit der bis dahin ungeschlagenen Spanierin Chaima Bounour. Der umtriebige Boxfunktionär war extra aus seiner Wahlheimat Thailand angereist, obwohl Bormann in Piergiulio Ruhe inzwischen einen anderen Manager und Promoter hat. Gottwald fungiert eigener Aussage zufolge nur noch als „externer Berater“, der zwar keine Entscheidungen mehr treffe, aber weiterhin zu vielen Dingen befragt werde. „Als Mentor werde ich meine Meinung sagen, wenn Sarah mich darum bittet“, betonte der blonde Zwei-Meter-Hüne mit der markanten Sonnenbrille.
Bormann sei beim „Team Ruhe“ in guten Händen. „Wir brauchen junge Leute wie Piergiulio Ruhe, um den Boxsport hierzulande voranzubringen.“ Aber auch alte Haudegen wie Gottwald haben noch ihren Wert. „Ich bin nach Deutschland geflogen, um Sarah beizustehen und ihr die Daumen zu drücken“, berichtet der 60-Jährige. „Manchmal ist es gut, wenn die Verbände sehen, dass eine erfahrene Autoritätsperson da ist, die nicht dulden wird, dass Schmu mit Sarah getrieben wird.“
Benachteiligt wurde Bormann nun wirklich nicht. Wie schon bei der letzten Pflichtverteidigung gegen die Japanerin Yuko Kuroki vor einem Jahr gab es eine sogenannte „Split decision“. Bedeutet: Es gab kein einstimmiges Ergebnis. Aber zwei der drei Punktrichter sahen Bormann vorne.
„Es war ein Kampf auf Augenhöhe“, gab Gottwald zu. „Aber das ist bei Sarah ja immer so. Sie muss immer gegen die Besten kämpfen und die sind oft ungeschlagen. Das ist wie George Foreman gegen Muhammad Ali. Es war eine harte Sache, ein echt brutaler Kampf. Beide waren mit Cuts übersät, wurden gepflastert, geklammert und genäht. „Die etwas kleinere Spanierin ist ein paar Mal mit dem Kopf voraus in Sarah rein und hat deshalb Punktabzüge bekommen.“
Letztlich war Gottwald „sehr stolz auf Sarah, weil sie abgeliefert hat gegen eine wahnsinnig gute und junge Spanierin, die viele, die sich im Boxen auskennen, vorne gesehen haben“. Die Zeit der Pflichtverteidigungen ist nun aber erst mal vorbei für die boxende Bäckerei-Fachverkäuferin. „Jetzt kommen die großen Kämpfe“, kündigte ihr Mentor an. Das Team Ruhe führe im Hintergrund schon länger Verhandlungen mit Most Valuable Promotions (MVP) um Influencer Jake Paul über einen „Superkampf“. Dann soll es in den USA um den Titel des World Boxing Councils (WBC) gehen. Dass sich das Team Ruhe so engagiere, sei nicht selbstverständlich, weil Frauenboxen ein schwieriges Geschäft sei, in dem sich nicht viel verdienen lasse. „Hätte Sarah zu den Zeiten von Regina Halmich geboxt, wäre sie jetzt Multimillionärin und überall bekannt, weil sie bei ‚Wetten, dass...?‘ auf der Couch gesessen hätte. Aber die Zeiten haben sich leider geändert.“