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Zu Ehren von Zlatan Ibrahimović wurde einst der Neologismus „zlatanera“, zu deutsch zlatanieren, ins schwedische Wörterbuch aufgenommen. Das Verb kann verwendet werden, wenn jemand stark dominiert oder einen Konkurrenten durch überragendes Können schamlos deklassiert. Lars Ritzka ist lang genug beim FC St. Pauli dabei und verdienstvoll genug, um ihm mindestens ein sprachliches Denkmal zu setzen.
Doch wie könnte das lauten? Ritzkieren? Die Verwendung ist indes sofort klar. Um selbst emotionsgeladene Themen mit staubtrockener Sachlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Es scheint so, als könne den 28-Jährigen nichts und niemand aus der Ruhe bringen.
Ganz aktuell hätte er über eine Schiedsrichterentscheidung in Hannover (1:1) wüten können, als Referee Felix Prigan eine minimale Ballberührung des Innenverteidigers als „gezieltes Zuspiel“ auf den im Abseits stehenden 96-Stürmer Husseyn Chakroun wertete, der nur dadurch regelkonform zum Ausgleich treffen konnte. Ärger aufseiten des gebürtigen Hannoveraners? Fehlanzeige.
„Ich stocher da irgendwie rein und wüsste nicht, wen ich hätte anspielen können. Am Ende beurteilt aber der Schiedsrichter die Situation. Das ist immer ein bisschen subjektiv. Vielleicht hatten wir da Pech, aber wir müssen es akzeptieren“, so Ritzka, der längst seinen Frieden mit der Situation gemacht hatte.
Nächster Versuch: Seit seinem Wechsel vom SC Verl im Jahr 2021 fristete der Linksfuß in den meisten Phasen seiner Kiezkicker-Karriere das Dasein des Ersatzspielers. Das muss doch nerven, oder? „Wir sind alle Profis. Uns ist klar, dass es auch mal solche Zeiten gibt“, kontert Ritzka. Eine hohe Eigenmotivation, die er in sich trage, sei hilfreich. „Wenn man sich im Training verbessern will, wird man am Ende belohnt.“
Das ist bei Ritzka der Fall. Durch die Gelb-Rot-Sperre von Tomoya Ando war er vor zwei Spieltagen in die Startelf gerutscht und erledigte seinen Job gut. Gegen den Karlsruher SC traf Ritzka nach einem Freistoß sogar und handelte seinem Trainerteam eine „Geldstrafe“ ein. „Wir wissen, dass Standards ein wichtiger Faktor sind. Wenn wir aus einem ruhenden Ball ein Tor kassieren, müssen wir zahlen. Wenn wir selbst treffen, zahlen die Trainer“, verriet er anschließend am NDR-Mikrofon.
Ritzka, der bis 2020 Sport und Mathematik für Lehramt studierte, ruht auf eine angenehm ausstrahlende Weise in sich. Auch in der Kabine gebe es wenig Gründe für ihn, härtere Töne anzuschlagen. „Wir haben ein gutes Gefüge“, sagt Ritzka. Eines, dem er dem Vernehmen nach auch gern über den kommenden Sommer hinaus angehören würde.
Dann läuft sein Vertrag nach Abendblatt-Informationen aus. Gespräche über eine Verlängerung haben anscheinend bislang nicht stattgefunden, was jedoch überhaupt nichts über ein Gelingen oder Scheitern von Verhandlungen aussagt. Ritzka, so ließ sich zwischen den Zeilen erfahren, habe alle Ruhe der Welt. Wie sollte es auch anders sein?