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Lag es an der personell angespannten Ausgangslage oder war es eine Überraschungstaktik? Sogar Bundestrainer Jürgen Klopp rätselte am Mittwochabend über die Herangehensweise des FC Bayern München im Duell mit Arsenal London (2:2). Trainer Vincent Kompany wollte nicht aufklären.
Mal führte ein Innenverteidiger (Kim oder Tah) das Gegenpressing an, mal stand Stürmer Harry Kane in der letzten Abwehrkette oder führte einen (!) Abstoß auf Außenstürmer Alphonso Davies aus, der beinahe das Führungstor durch Serge Gnabry gebracht hätte (21. Minute). Viele der 75.000 Zuschauer in der (ausverkauften) Allianz Arena und Millionen Fans an den Bildschirmen dürften an diesem Champions-League-Abend über das Spiel der Bayern gestaunt haben. „Das war Mann gegen Mann über den ganzen Platz“, berichtete Gästestürmer Kai Havertz hinterher.
Sogar Bundestrainer Jürgen Klopp zeigte sich verwirrt und gestand: „Ich bin nicht Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen. Aber abschließend dahinter gestiegen bin ich auch nicht“, gestand der DFB-Coach in der Halbzeitpause beim Streamingdienst DAZN. Klopp konnte Bayerns-Taktik im Spiel gegen den Ball und insbesondere die Rolle von Harry Kane – wahrscheinlich wie die meisten Zuschauer – nicht ganz verstehen. Tatsächlich wirkte es bisweilen eigenartig, wie die Münchner gegen den Topclub aus der Premier League verteidigten und arbeiteten.
Das war Mann gegen Mann über den ganzen Platz.
Aber Kompanys Taktik wäre fast aufgegangen, denn die Londoner, die den Ball oft kontrollierten, standen in der zweiten Halbzeit mit dem Rücken zur Wand: Nach Eberechi Ezes Führungstor (25.) erzielte Davies – nach genialem Steckpass von Harry Kane – den Ausgleichstreffer (35.) und Bayerns mit Abstand bester Spieler und englischer Nationalmannschaftskapitän traf per Elfmeter zum 2:1 (61./HE). Doch in der 82. Minute konnten die Münchner Declan Rice nicht aufhalten und der wiedergenesene Manuel Neuer seinen wuchtigen Schuss nicht abwehren – 2:2. Ein unterm Strich gerechtes Ergebnis an einem spannenden Königsklassen-Abend, der selbst den Bundestrainer rätselnd hinterließ.
Die Münchner mussten zwangsläufig ihre Taktik anpassen, denn mit Joshua Kimmich fehlte der Spielgestalter. Außerdem musste Kompany nicht nur auf Jamal Musiala verzichten, sondern ließ auch den angeschlagenen Luis Diaz zunächst auf der Bank. Seinen Plan verriet der Trainer des FC Bayern zur Geisterstunde übrigens nicht, als ihn Journalisten auf die Aussagen von Bundestrainer Klopp ansprachen. Aber er ordnete die 90 Minuten vielsagend ein: „Wir haben es schon in der vergangenen Saison im Viertelfinale und Halbfinale gesehen: Zwischen diesen Mannschaften gibt es fast keinen Unterschied. Natürlich kannst du am Ende auch deutlich gewinnen, aber meistens entscheiden die Details. Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, der Gegner, die eigene Mannschaft und manchmal auch der Schiedsrichter. Der war heute übrigens top. Auf diesem Niveau, bei dieser Qualität, ist einfach jedes Detail wichtig.“
Den nächsten Anschauungsunterricht in Sachen Taktik auf diesem Niveau werden die Bayern-Fans am Samstag, 31. Oktober, 18 Uhr, im Heimspiel gegen Borussia Dortmund oder drei Tage später im nächsten Auswärtsspiel der Champions League bei Atletico Madrid (3. November, 21 Uhr) erleben.
dpa/mgb