Zurück
Natürlich gab es auch am späten Samstagnachmittag in Dortmund sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Geschehene. Über Fußball lässt sich ja vortrefflich diskutieren, und der 2:1-Heimsieg von Borussia Dortmund gegen die SV Elversberg bildete da keine Ausnahme. Es fand sich zwar niemand, der das Glas als halbleer bezeichnet hätte, das wäre auch ziemlicher Blödsinn gewesen. Der BVB ist in der Liga punktgleich mit Tabellenführer Bayern München auf dem zweiten Platz, er ist im DFB-Pokal noch im Rennen und in der Champions League auch einigermaßen im Soll. Was also will man mehr?
Überzeugende Siege, würden die kritisch eingestellten Geister nun sagen, und dazu konstante Leistungen über 90 Minuten. Denn auch gegen den Aufsteiger Elversberg reichte eine 2:0-Führung nicht, um das Spiel einigermaßen entspannt über die Zeit zu bringen. 90 Minuten Spielkontrolle blieben erneut ein frommer Wunsch, wieder musste bis zum Schlusspfiff gezittert werden. Das kann nicht immer gut gehen, sagen die Kritiker, außerdem kostet es unnötig Kraft, wenn bis zum Ende Vollgas gegeben werden muss.
Andererseits weisen die Dortmunder mit einigem Recht darauf hin, dass es eben doch fast immer gut geht und dass es ja auch eine Qualität ist, derart verlässlich die engen Spiele für sich zu entscheiden. Und das tut der BVB in beeindruckender Regelmäßigkeit. Er hat die irrwitzige Serie von neun Spielen in 29 Tagen einigermaßen schadlos überstanden und anders als in so manchem Jahr zuvor ist bislang auch keine Herbstkrise in Sicht. Und deswegen wird der Traum von einem spannenden Meisterschaftskampf immer realistischer.
Natürlich, der FC Bayern München bleibt der große Favorit. Er hat den deutlich höheren Etat, seine Spieler haben die deutlich höhere individuelle Qualität. Aber was nützt das, wenn zahlreiche dieser Spieler verletzt fehlen? Wenn zudem der Trainer wochenlang ausfällt? Ein stabiler BVB, dazu ein Branchenführer mit Problemen in einer geradezu absurden Ballung, der zudem als wichtigstes Ziel den Triumph in der Champions League und nicht die drölfzigste Deutsche Meisterschaft anpeilt – selten standen die Sterne so gut, den Rekordmeister von seinem Thron zu kippen, oder ihm zumindest ein bis zum Ende enges Rennen zu liefern.
Nur: Bislang tun die Bayern der Konkurrenz trotz aller Schwierigkeiten kaum einmal den Gefallen, Punkte liegenzulassen. Daher gilt, was immer gilt: Ob es einen anderen Meister geben kann, entscheiden allein die Bayern. Sie müssten schon eine ausgeprägte Schwächephase erwischen. Und der BVB kann nicht mehr tun, als sich für einen solchen Fall in eine ausgezeichnete Ausgangsposition zu bringen.