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Nur ein NBA-Star wirft noch schlechter als er! Warum Franz Wagner in der Krise steckt - und trotzdem Rekorde knackt

Die Orlando Magic haben nach der Pleite gegen die Boston Celtics ihre ersten drei Heimspiele allesamt verloren. Franz Wagner stellt dabei einen neuen Bestwert auf, offenbart jedoch erneut besorgniserregende Probleme.

Jalen Johnson. Das war's. Der einzige Name, der in der Liste noch vor Wagner stand. Es ist eine Liste des Horrors, ein Zahlenspiel des Grauens, das kurz nach Halloween durch die sozialen Medien geisterte und offenkundig verriet, wer in der NBA aktuell am schlechtesten wirft. Unter den 100 Spielern, die bis Ende Oktober am häufigsten per Sprungwurf abdrückten, traf Johnson am schlechtesten (0,60 Punkte pro Wurf). Wagner war mit 0,67 Punkten pro Jumper bisher kaum besser und sicherte sich zum Saisonstart damit den unrühmlichen zweiten Platz.

Eine NBA-Saison wird bekanntlich noch nicht im Oktober entschieden und einige wenige Spiele diktieren in einer 82 Partien umfassenden Regular Season natürlich nicht schon die endgültigen Statistiken und Tabellen. Doch Wagners Novemberauftakt war dann direkt das nächste Sinnbild für all die Schwächen und Sorgen, die den Welt- und Europameister und die Magic schon seit Jahren plagen: Gegen die Celtics traf Wagner nur fünf seiner 20 Würfe und nur einen seiner vier Dreier. Das Traurige: Damit traf er sogar besser von Downtown als im Saisonschnitt (19,4 3FG%).

Im Anschluss nahmen ihn die Magic nach dem nächsten Backsteinfestival in Schutz: "Wir müssen ihm bessere Spots mit mehr Platz verschaffen", erklärte Sean Sweeney auf der Pressekonferenz, als er gefragt wurde, wie man denn Franz besser ins Spiel bekommen würde. "Wir müssen einen besseren Job machen, um ihm leichte Würfe zu ermöglichen", blies Mitspieler Anthony Black in exakt dasselbe Horn.

So geht es sonst nur Giannis, Doncic und Brown: Sonderbewachung für Wagner ohne Co-Stars

Wagner hat aktuell schlichtweg einen schweren Stand. Mit Paolo Banchero (mal wieder) und Jalen Suggs (mal wieder) fehlen ihm derzeit seine beiden Co-Stars an seiner Seite. Die gegnerischen Defensiven können sich überwiegend auf den deutschen Forward konzentrieren. Die Statistiken geben Sweeney und Black absolut recht: Wagner hat keinen Platz.

Wie der All NBA Podcast berechnete, wurde der 25-Jährige bei Ballbesitz im Frontcourt bisher mehr als jedes fünfte Mal gedoppelt. Nur vier Spieler mussten sich noch häufiger besonderer Bewachung ausgesetzt sehen: Giannis Antetokounmpo, Anthony Edwards, Luka Doncic und Jaylen Brown. Nette Gesellschaft, die verrät, welchen Stellenwert Wagner in der Liga mittlerweile grundsätzlich genießt.

Dass gegnerische Coaches ihr Augenmerk auf Franz legen, sorgt dafür, dass er noch mehr in die Rolle gezwungen wird, die Sweeney sowieso schon für seinen Schützling vorgesehen hat: Er agiert als verkappter Spielmacher. Schon in der Preseason hatte sich angedeutet, dass Wagner immer wieder den Ball als primärer Playmaker nach vorne bringen sollte. Suggs, nach dessen Ausfall Wagner noch einmal mehr in die Rolle schlüpft, hatte während der Vorbereitung von seinem "Vertreter" geschwärmt und ihn für seine Cleverness und "sein elitäres" Ballhandling gelobt.

Damit hatte der nominelle Point Guard gleichermaßen Recht und Unrecht. Wagner ist unter den aktuellen Umständen tatsächlich der beste Playmaker seines Teams, aber sollte das nicht vor allem im Half Court sein. Dass die Magic dabei eigentlich einen "richtigen" Spielmacher bräuchten, ist nicht erst seit dieser Saison ein offenes Geheimnis. Ebenfalls kein Geheimnis: Wagners Qualitäten kommen vor allem dann zur Geltung, wenn er in Transition das Ballhandling übernimmt. Hier ist er "elitär", sonst nicht.

Orlando Magic v Toronto Raptors

Große Turnoverprobleme: Wagner mit Wachstumsschmerzen in neuer Rolle

Er kann es natürlich noch werden. Aber die Wachstumsschmerzen sind derzeit für alle sichtbar. Er muss sich noch an die Rolle gewöhnen. Bei der 30-Punkte-Schlappe gegen die Toronto Raptors erlaubte er sich in der ersten Halbzeit in nur 16 Minuten 7 Ballverluste. Das geht einfach nicht. In der zweiten Hälfte kam dann allerdings kein einziger dazu. Insgesamt hatte er jedoch noch keine einzige Partie, in der er dem Gegner nicht mindestens dreimal den Ball schenkte.

Entschuldigend muss man dazu sagen: Er hätte zu Beginn auch kaum eine schwierigere Lehre durchlaufen können. In den ersten sechs Partien spielte Orlando ein einziges Mal gegen eine dem Defensive Rating nach unterdurchschnittliche Defense: die Atlanta Hawks, die auf Platz 16 liegen.

Sonst musste sich Wagner bisher mit den Knicks (14.), den Celtics (6.), den Timberwolves (4.) und zweimal mit den Raptors (5.) rumschlagen. Dass die Raptors überhaupt keinen Spaß machen und "bei jedem Angriff" den ballführenden Spieler foulen, beklagte zuletzt auch JJ Redick, Head Coach der Los Angeles Lakers.

"Müssen einen besseren Job machen": Wie die Orlando Magic Franz Wagner helfen wollen

Die Celtics, die eklige Kettenhunde in groß (Paul George) und klein (Payton Pritchard, Derrick White) auf Wagner jagen konnten, hatten dann auch noch einen ganz klaren Matchplan gegen ihn ausgetüftelt: "Sie haben ihm immer eine ganze Schar entgegengeworfen. Egal, wann und wo er den Ball hatte", erklärte Sweeney, wie seinem Schützling das Leben schwer gemacht wurde. "Sie haben versucht, uns den Weg zum Korb abzuschneiden." Eben den Weg, den Wagner am liebsten nimmt.

So blieb ihm häufig nur der Kick nach draußen, was ab und an auch Erfolg hatte. Insgesamt verteilte Wagner bei der Heimniederlage gegen Boston 12 Assists - ein neuer persönlicher Rekord. In dieser Spielzeit steht er bisher bei 7,8 APG. Über eine Saison hinweg hat er erst einmal mehr als vier Vorlagen pro Spiel verteilt. Nur werden ihm zugleich seine liebsten eigenen Abschlüsse weggenommen. Gegen die Celtics hatte er zur Pause mehr Assists (8) als versuchte Würfe (6) auf dem Konto.

"Wir müssen einen besseren Job dabei machen, ihm Downhill mehr Platz zu verschaffen, damit er seinen Mann besser attackieren kann", forderte daher auch Black. So war gegen Boston zu sehen, dass die Zone gegen Wagner stets vollgestopft war. Wenn er überhaupt mal in Korbnähe kam, dann für äußerst schwierige Abschlüsse, bei denen er mitunter auch einfach weggeblockt wurde.

Franz, der in der Saisonvorbereitung auch noch mit Schulterproblemen zu kämpfen hatte, war in seiner Karriere noch nie als überdurchschnittlicher Shooter in Erscheinung getreten (32,1 3FG%), doch in seiner aktuellen Verfassung strahlt er noch weniger Gefahr per Jumper aus und muss daher von der Defense kaum respektiert werden.

Orlando Magic v New York Knicks

Selbstvertrauen weg und maximal erschöpft: Wagners sinnbildliche Probleme gegen die Celtics

Als er im dritten Viertel alle seine sechs Versuche verfehlte, ging ihm dabei dann auch noch sein Selbstvertrauen zwischenzeitlich völlig verloren. Sinnbildlich, wie er aus guter Position nicht abdrückte und den Ball stattdessen ins Aus passte. Sweeney nahm ihn dann unüblich schnell raus, um ihm auf der Bank eine Denkpause zu verschaffen.

Im vierten Viertel wollte Wagner die Partie dann unbedingt an sich reißen, doch der Tank war einfach leer. Gleich zweimal wurde er in der Schlussphase von Neemias Queta unter dem Korb einfach abgeräumt. Kaum verwunderlich, ist doch bisher kein Magic-Spieler in der Saison mehr gelaufen als Wagner, der sich zugleich in der Offensive durchschnittlich mit dem höchsten Speed des gesamten Teams bewegt.

Es existieren viele (berechtigte) Entschuldigungen für den komplizierten Saisonstart von Wagner und den Magic, die nun ihre ersten drei Heimspiele im Kia Center allesamt verloren haben und insgesamt erst bei zwei Siegen aus sechs Partien stehen. Der Spielplan wird zu ihrem Glück in Zukunft leichter. Wagner wird zudem nicht immer dermaßen schlecht werfen und zeigte unter anderem gegen die Knicks, wie resilient er ist, als er lange abtauchte, aber dann im vierten Viertel explodierte. Er wird sich auch immer mehr an seine neue Rolle gewöhnen und Banchero sowie Suggs werden eines Tages (vielleicht) zurückkehren.

Nur muss all das ungewöhnlich schnell geschehen. Sonst bleiben die Magic wieder einmal im Mittelmaß stecken und dürfen sich spätestens zur Trade Deadline im Februar wieder einmal eine altbekannte Frage stellen, nämlich ob man das Star-Duo um Banchero und Wagner nicht endlich auflösen muss.

NBA: Die Statistiken von Franz Wagner zum Saisonstart

Gegner

MIN

PTS

FG

3FG

FT

REB

AST

STL

BLK

TO

Celtics

40

14

5/20

1/4

3/4

6

12

0

0

3

@Raptors

39

26

8/18

2/7

8/9

5

11

1

0

4

@Raptors

34

15

4/11

0/3

7/8

4

5

2

0

7

@Knicks

37

23

9/23

0/3

5/5

13

9

0

0

3

Timberwolves

33

18

7/14

1/6

3/6

6

5

1

0

6

Hakws

29

22

9/20

2/8

2/4

6

5

1

3

35,5

19,7

39,6

19,4

77,8

6,7

7,8

0,8

0,0

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