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FC Gießen gastiert beim Spitzenreiter – und hat eine Statistik auf seiner Seite
Melvin Curtis Njontie und sein FC Gießen werden heute beim Spitzenreiter vorstellig.
Melvin Curtis Njontie und sein FC Gießen werden heute beim Spitzenreiter vorstellig. © Oliver Vogler

Das Schlusslicht FC Gießen trifft am Samstag auf Ligaprimus Eintracht Stadtallendorf. In Stadtallendorf haben die Gießener noch nie verloren.

Es ist eine Statistik des Internetportals „transfermarkt“, die die prekäre Lage von Tabellenschlusslicht FC Gießen in der Fußball-Hessenliga untermauert. Die Corona-Spielzeiten angesichts des Abbruchs 2020 und der zweigeteilten Liga 2021/22 einmal ausgeklammert, gelang in der Saison 2009/10 mit dem OSC Vellmar letztmalig einem Klub der Klassenerhalt, der nach 13 Spieltagen Rangletzter war.

Tabellarisch gesehen könnte der Kontrast nicht größer sein, das stimmt.

Umso bedeutsamer war es, dass Melvin Curtis Njontie mit seinem Last-Minute-Elfmetertor am vergangenen Samstag zum 2:1-Erfolg über den SV Hummetroth essenzielle drei Punkte sicherte. Die Mannschaft von Trainer Marcel Niesner konnte damit den Rückstand auf Rang 15 (Hessen Kassel II), der nach derzeitigem Stand die Teilnahme an der Relegation „nach unten“ bedeuten würde, auf fünf Zähler verkürzen. Von Erleichterung möchte Niesner nach diesem Sieg im „Kellerduell“ mit dem Vorletzten gleichwohl nicht sprechen: „Erleichterung ist nicht das richtige Wort. Wir waren einfach froh, dass wir das Spiel gezogen haben. Es gab jetzt keinen Grund, irgendwie erleichtert zu sein, sondern wir wussten, dass wir das schaffen können – auch nach dem 0:1-Rückstand zur Pause.“ Die Stimmung in der Trainingswoche sei daraufhin selbstredend gut gewesen, aber „das war nach den Niederlagen davor nicht großartig anders“, so Niesner, der weiter erklärt: „Aber es war natürlich einfach wichtig zu sehen für die Köpfe, für den Prozess, für die Schritte, die wir gehen wollen, dass wir eben auch diese Spiele dann mal für uns entscheiden können.“

Für die anvisierte Aufholjagd werden die Gießener auch Zählbares benötigen gegen Teams, die im Vorderfeld des Klassements angesiedelt sind. Und da bietet der Spielplan den größtmöglichen Gegensatz und zugleich die größte Herausforderung im Vergleich zum Hummetroth-Match, denn der FCG gastiert am Samstag (14 Uhr) bei Spitzenreiter Eintracht Stadtallendorf. „Tabellarisch gesehen könnte der Kontrast nicht größer sein, das stimmt“, sagt Marcel Niesner, der gleich im nächsten Satz allerdings einschränkt: „Von der Herangehensweise ändert sich aber, ehrlich gesagt, gar nicht so viel. Es ist egal, ob wir gegen den Ersten oder 17. spielen: Wir wollen unser Spiel durchdrücken. Klar, kleine Anpassungen wird es geben. Wir sind ja nicht naiv oder so, das definitiv nicht. Aber wir freuen uns einfach auf das Spiel, auch in dem schönen Stadion.“

Yilmaz-Einsatz mehr als fraglich

Nachdem Stadtallendorf unter dem langjährigen Gießener Gino Parson bereits in der Restrunde der Vorsaison aufgetrumpft hatte, setzt die Eintracht in dieser Spielzeit unter dem neuen Trainer-Duo Steffen Schäfer und Clemens Drescher noch einen drauf. Nach fünf Siegen am Stück grüßen Liga-Toptorjäger Jacob Pistor (14 Treffer) und Co. als Klassenprimus. „Wenn man sich den Kader anschaut, ist es folgerichtig, dass sie da oben mit dabei sind“, ist diese Entwicklung für Marcel Niesner keine Überraschung. Das Offensiv-Duo Pistor und Loris Weiss hat mit insgesamt 23 Toren sechs Treffer mehr als alle Gießener Spieler zusammen erzielt. Da tut es den Gästen weh, dass sie aller Voraussicht nach auf Abwehrchef Furkan Yilmaz verzichten müssen. Yilmaz, der erst vor zwei Wochen in die Startelf zurückgekehrt war, musste gegen Hummetroth nach den ersten 45 Minuten ausgetauscht werden und hat sich vermutlich eine Zerrung zugezogen.

Unverwundbar sind die Stadtallendorfer derweil nicht. Nach einhelliger Meinung waren sie jüngst beim 1:0 beim FC Turabdin/Babylon auch mit Fortuna im Bunde. „Da mussten sie zur Halbzeit 0:2, 0:3 hinten liegen“, erinnert sich Niesner: „Wenn du vorn drinstehst und bist im Flow, dann gewinnst du halt solche Spiele noch. Und das darf man nicht kleinreden, das ist auch eine Qualität. Und dementsprechend erwarten wir da erneut eine extreme Wucht auch.“ Glaube, Überzeugung, Effizienz, Kaltschnäuzigkeit, Mut und eine stabile Abwehrleistung: Das sind wichtige Schlagworte für Niesner, um beim Spitzenreiter zu bestehen. Trotz eindeutiger Außenseiterrolle versucht Gießens Chefcoach, Zuversicht auszustrahlen: „Es ist nicht so, dass wir einen perfekten Tag brauchen und der Gegner einen ganz schlechten.“

Reichenbächer wieder dabei

Im Hinblick auf Personal ist bei Gießen Lennox Reichenbächer nach abgesessener Sperre wieder dabei. Verletzt fehlen nach wie vor Joel Gerezgiher, Jovan Petkovic und Ege Budda, Cihan Celik und Kritsana Pummarrin sind krank. Zakaria Daaou, Mussie Beraky und Arda Sirin befinden sich im Aufbautraining. Der FCG muss also auf mehr als ein halbes Dutzend Spieler verzichten und hat viele Zahlen und Fakten gegen sich. Eine Statistik spricht aber für den FCG: Die Gießener haben bei drei Auftritten noch nie in Stadtallendorf verloren.

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