Zurück
Berlin · Sie tragen öffentlich einen Disput aus, doch eines ist auch klar: Für Boris Becker sitzt Alexander Zverev verdientermaßen auf dem Tennis-Thron.
Ungeachtet gewisser Meinungsverschiedenheiten hält Boris Becker den deutschen Tennisprofi Alexander Zverev für eine verdiente Nummer 1. „Sascha Zverev arbeitet vielleicht härter als jeder andere Tennisspieler. Das ist der Grund seiner Erfolge, und das kann man nicht oft genug erwähnen“, sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner im Interview der „Main-Post“.
Seit Zverev die Weltranglistenführung übernommen hat, wird in der Tennis-Szene diskutiert, ob der Gewinner der French Open und US Open verdientermaßen ganz oben steht. Darüber hatte sich Zverev nach seinem frühen Aus beim Masters in Paris beklagt. Seine größten Rivalen Jannik Sinner (Italien) und Carlos Alcaraz (Spanien) konnten verletzungsbedingt monatelang nicht spielen, außerdem weist der Hamburger in diesem Jahr eine negative Bilanz gegen Top-Ten-Spieler auf.
„Wenn Spieler wie Sinner oder Alcaraz ein Jahr wegen Verletzungen nicht vollständig spielen können, ist das nicht sein Fehler. Deswegen: Glückwunsch! Es ist das Beste, was dem deutschen Tennis passieren konnte, dass Sascha Zverev die Nummer eins geworden ist“, sagte Becker.
Auf die Frage, warum es 35 Jahre gedauert habe, bis ihm ein deutscher Tennisspieler als Weltranglistenerster folgen konnte, sagte Becker: „Möglicherweise ist die Leistungsbereitschaft der Jugend nicht mehr so ausgeprägt wie vor 20 Jahren. Erfolg kommt nicht zufällig. Dazu braucht es sehr viel Arbeit, Fleiß und Willen. Das konnten wir in Deutschland in allen Bereichen schon einmal besser.“
Bei Talenten müsse wieder „eine größere Bereitschaft entstehen, sich dem Tennissport unterzuordnen“, forderte der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger. Er sieht in erster Linie kein Strukturproblem innerhalb des Deutschen Tennis-Bundes, „sondern ein Mentalitätsproblem“.