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Alexander Zverev und Boris Becker: Die Chronologie ihres Streits

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Zverev vs. Becker? Tennis-Boss spricht über Clinch

Videoclip • 02:17 Min

Boris Becker und Alexander Zverev sind die einzigen Deutschen, die im Herren-Tennis Platz 1 der Weltrangliste erobert haben. Doch beide tragen immer wieder öffentlich ihre Unstimmigkeiten aus. ran erzählt die Chronologie der Streitigkeiten.

Der öffentliche Streit zwischen Boris Becker und Alexander Zverev findet kein Ende. Kurz nachdem Zverev die Nummer 1 der Weltrangliste erklommen hat, kritisiert Becker dessen Außendarstellung. "Wenn ihm wichtig ist, dass er mehr respektiert wird und vielleicht sogar geliebt, vor allem in seinem Heimatland Deutschland, dann muss er etwas dafür tun", sagte er in einem Interview mit dem "Spiegel".

Auf die Frage, wieso Zverev bisher nicht so die Herzen zufliegen, brachte der 58-Jährige einige Vermutungen vor: "Seine Eltern kommen aus Russland, er spricht auf dem Platz russisch mit seiner Box", sagte Becker. Zudem äußere sich Zverev politisch nicht zum Krieg in der Ukraine. Persönlich könne Becker dies verstehen. "Aber es kommt natürlich nicht so gut an." Zudem wäre er im Umgang mit deutschen Journalisten eher schroff.

Zverev reagierte darauf scharf. "Ich glaube, dass er wie immer relativ viel Blödsinn erzählt", sagte er auf der Pressekonferenz nach seinem Ausscheiden beim ATP-Masters in Paris: "Ich weiß nicht, was bei ihm gerade vorgeht, aber ich habe das Gefühl, dass er alles kommentieren muss, was ich mache. Wenn er der Meinung ist, dass er das braucht, dann soll er das machen."

Der Zoff zwischen Becker und Zverev hat eine lange Vorgeschichte. ran blickt auf die Chronologie ihrer Streitigkeiten zurück.

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September 2019: Becker kritisiert Zverevs mangelnde Entwicklung

Nachdem Alexander Zverev bei den US Open im Achtelfinale gescheitert war, kritisierte Becker die Spielweise von dem damals 22-Jährigen. "Insgesamt ist das Spiel ein bisschen zu eindimensional, zu sehr lesbar für den Gegner", sagte Becker, der damals bei den US Open in New York vor Ort gewesen ist.

"Er ist motiviert, ist fleißig, er hat ein gutes Umfeld, aber er hat sich nicht weiterentwickelt. Der Gegner schläft nicht." Mangelnde Entwicklung wurde auch in den folgenden Jahren immer wieder von Becker als Kritikpunkt vorgebracht.

Januar 2020: Becker fordert einen neuen Trainer für Zverev

Nachdem die Leistungen von Zverev weiterhin enttäuschend waren, schlug Becker im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einen Trainerwechsel für Zverev vor: "In den nächsten zwei Wochen wahrscheinlich nicht, aber vielleicht im Februar, und dass er dann auch mal Zeit mit dem Trainer alleine verbringt."

Zverev wurde damals - wie auch noch heute - von seinem Vater trainiert, was laut Becker Probleme mit sich bringt: "Ich glaube, solange der Vater so eine dominante Rolle auf dem Trainingsplatz spielt, wird es letztendlich immer nach seinem Kopf gehen."

Januar 2023: Becker kritisiert Zverevs Einsatz bei den Australian Open

Zverev gehörte zwar bereits damals zu den besten Tennisspielern der Welt, wartete aber weiterhin vergeblich auf einen Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier.

Nach dessen Achtelfinal-Aus bei den Australien Open kritisierte Becker seinen Landsmann bei "Eurosport" scharf: "Ich habe Zverev sehr lange nicht mehr so passiv gesehen. Man kann verlieren und schlecht spielen, aber man kann sich immer anstrengen und die Seele auf dem Platz lassen. Das haben wir heute vermisst"

Das Verhältnis zwischen Boris Becker und Alexander Zverev ist stark abgekühlt Bild: picture-alliance/dpa/SID/Harald Tittel

Juni 2025: Der erste offene Schlagabtausch

Die Entwicklung von Zverev stockte. Nachdem er bei den French Open 2025 im Viertelfinale scheiterte, äußerte Becker erneut Kritik am Trainerteam von Zverev. "Man hat den Eindruck, dass er gegen die Topspieler im selben Trott spielt und darauf hofft, dass das Ergebnis gut wird", sagte Becker. "Der Vater und der Bruder haben das hervorragend gemacht, aber für den letzten Schritt war das noch nicht gut genug."

Diesmal schlug Zverev verbal zurück: "Ich glaube, wenn es bei mir gut läuft, dann mache ich immer alles richtig. Und wenn es bei mir schlecht läuft, dann sind alle immer sehr, sehr schlau. Da gehört Boris leider dazu."

Juni 2025: Zverev wirft Becker mangelnde Aufrichtigkeit vor

Gegenüber "Sky" legte Zverev noch einmal nach. Er kritisierte, Becker wäre nicht aufrichtig und würde sich in der Öffentlichkeit anders äußern als in persönlichen Gesprächen. "Das ist interessant, weil die Gespräche, die ich mit Boris persönlich führe, sind ganz anders. Vielleicht möchte er auch eine andere Maske aufsetzen, wenn er vor der Kamera steht und irgendwie anders dastehen. Solche Gespräche hatte ich mit ihm noch nie."

Kurz darauf kritisierte Zverev, dass Becker nicht das persönliche Gespräch zu ihm suche. "Er hat mir nicht geschrieben, kein Kontakt, gar nichts", sagte er. Dabei wäre Becker beim Turnier in Stuttgart, an dem Zverev teilnahm, vor Ort gewesen. "Sehr überraschend auch aus meiner Sicht", bewertete er das Verhalten von Becker.

Juni 2025: Becker auf Versöhnungskurs

Nachdem der verbale Schlagabtausch zwischen Becker und Zverev für viele Schlagzeilen sorgte, versuchte Becker, die Wogen zu glätten. "Ich bin ja auf seiner Seite. Ich will ja, dass er gewinnt", sagte er in seinem gemeinsamen Podcast mit Andrea Petkovic und fügte hinzu: "Es sind ja auch nur Verbesserungsmöglichkeiten oder Hinweise."

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Juli 2025: Annäherung zwischen Becker und Zverev

Nach seinem Erstrunden-Aus in Wimbledon sprach Zverev offen über seine psychische Verfassung und darüber, dass er sich außerhalb des Tennisplatzes nur schwer freuen könne.

Becker berichtet daraufhin im Podcast mit Andrea Petkovic, dass ihn diese Pressekonferenz emotional sehr berührt habe. "Ich habe mich natürlich sofort bei ihm gemeldet und geguckt, ob alles so weit okay ist“, sagte der 57-Jährige in seinem Podcast. Zverev habe ihm daraufhin "Daumen hoch" geschickt.

Oktober 2025: Der Streit flammt nach den US Open wieder auf

Alexander Zverev steckte weiterhin in der Formkrise. Bei den US Open scheiterte er in der 3. Runde. "Weltspitze sieht anders aus", so Beckers Kritik in seinem Podcast. Gerade im Vergleich mit den aktuell dominierenden Spielern Carlos Alcaraz und Jannik Sinner könne Zverev nicht mithalten. "Ich dachte wirklich, er klopft an die Tür von Sinner und Alcaraz, er ist die drittstärkste Kraft im Welttennis. Die ist jetzt Djoković, mit 38, und Sascha rennt seiner Form wirklich hinterher."

Zverev reagierte kurz darauf in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". "Ich glaube, dass er sich relativ wenig Sorgen um mich macht, um ehrlich zu sein. Ich glaube, dass er so ein bisschen nach Aufmerksamkeit sucht und die bekommt er über mich", sagte der Hamburger. "Das ist leider so. Aber das ist mir inzwischen latte."

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November 2025: Verhältnis zwischen Becker und Zverev ist abgekühlt

Durch die öffentliche Kritik ist der Kontakt zwischen Becker und Zverev abgekühlt, aber noch nicht komplett abgebrochen. "Wir texten uns immer mal wieder. Momentan ist es eher etwas kühler in der Beziehung, aber das ist okay, er soll sich auf seine Spiele konzentrieren", sagte Becker bei "Sky".

Die von ihm geäußerte Kritik hänge mit seiner Funktion als TV-Experte zusammen: "Ich sage halt schon mal, 'er macht einen Doppelfehler', wenn er einen macht. Das ist meine Aufgabe - ich muss meinen Job professionell machen."

Grundsätzlich aber habe er großen Respekt vor Zverev: "Ich kenne ihn seit 20 Jahren und bin im Herzen sein größter Fan, aber ich muss ihn ab und zu ein bisschen kritisieren."

November 2025: Zverev reagiert genervt auf erneute Becker-Kritik

Nach dem verpassten Halbfinale bei den ATP-Finals wurde Alexander Zverev bei der Pressekonferenz mit der nächsten Kritik von Boris Becker konfrontiert. Dieser attestierte ihm, mit der Erwartungshaltung nicht klargekommen zu sein. "Wenn das seine Meinung ist", sagte Zverev genervt. "Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr auf seine Kommentare."

September 2026: Becker verteidigt Zverev gegen Kritiker

2026 wurde das Jahr von Alexander Zverev. Bei den French Open gewann er das erste Grand-Slam-Turnier seiner Karriere, erreichte daraufhin in Wimbledon das Finale und gewann die US Open. Doch nicht alle freuten sich uneingeschränkt für Zverev. Gerade in den sozialen Netzwerken wurde gerne behauptet, er hätte lediglich von den Verletzungen der Konkurrenz profitiert.

Becker stärkte Zverev in seinem Podcast den Rücken. "Ich fand es ein bisschen schade, dass danach wieder die Kritiker kamen und sagten: Er hat nur gewonnen, weil Alcaraz und Sinner nicht mitgespielt haben. Oder Alcaraz hat mitgespielt und Sinner war verletzt. Oder, er hatte eine leichte Auslosung"", sagte Becker. "Ich finde es eigentlich eine bodenlose Frechheit und eine unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber seiner Leistung"

Das zeigt, dass Becker nicht nur kritisch gegenüber Zverev eingestellt ist. Und doch ist das Verhältnis durch die öffentlich ausgetragenen verbalen Streitigkeiten stark beschädigt.

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