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Vor Bären und Wölfen gewarnt: Warum ein Hammer trotzdem durchs türkische Hochgebirge läuft
Hoch hinaus ging es für Viktor Nachtigall beim Ultratrail im Nordosten der Türkei. Für den Hammer war es eine außergewöhnliche Erfahrung.
Hoch hinaus ging es für Viktor Nachtigall beim Ultratrail im Nordosten der Türkei. Für den Hammer war es eine außergewöhnliche Erfahrung. © privat

Viktor Nachtigall aus Pelkum lief 54 von 82 Kilometern durch das türkische Kaçkar-Gebirge – dann verpasste er das Zeitlimit um 30 Minuten.

Pelkum – Die einen denken an Urlaub, andere an ihre Heimat. Ganz spezielle Erinnerungen an die Türkei hat Viktor Nachtigall. Als einer von rund 2500 Sportlern hat der bekannte Architekt im Nordosten des riesigen Landes, nicht weit von der Schwarzmeerküste und der Grenze zu Georgien entfernt, an einem Ultratrail im Kaçkar-Gebirge teilgenommen – 82 Kilometer und 5600 Höhenmeter binnen eines Tages. Geschafft hat er diese Herausforderung an Körper und Geist nicht ganz: Nach 54 Kilometern mussten Nachtigall und sein Laufpartner aufhören. Es sei die härteste Herausforderung in seinem Leben gewesen. Und: „Ich war vom Kopf her nicht ganz vorbereitet“, sagt er.

Wenige Wochen zuvor hatte der 57-Jährige an einer ähnlichen Veranstaltung in Deutschland teilgenommen. Beim Ultratrail auf der Zugspitze mussten die Läufer 107 Kilometer und knapp 5300 Höhenmeter absolvieren. Das Zeitlimit betrug 27 Stunden, Nachtigall benötigte laut der offiziellen Ergebnisliste knapp 15. „Während wir in Deutschland auf befestigten Wegen laufen konnten, ging es in der Türkei querfeldein über Stock und Stein.“ Teilweise sei das Gelände glitschig gewesen.

Ultratrail: Den Geist „auf die Probe gestellt“

Bei der offiziellen Begrüßung in der Türkei wurden die Läufer vom Veranstalter UTMB mit militärischen GPS-Sendern ausgestattet. „Damit man uns findet, falls etwas passiert.“ Überrascht sei er von dem Hinweis gewesen, dass die Läufer im Gebirge Wölfen und Bären begegnen könnten. Das gebe einem schon zu denken. „Es wurden nicht nur Ausdauer und Kondition, sondern auch der Geist auf die Probe gestellt.“

Ultratrail Nachtigall
Mitten in der Nacht brachten Viktor Nachtigall (rechts) und sein 16 Jahre jüngerer Laufpartner in ein neues Lauf-Abenteuer auf. © privat

Der Start erfolgte in 1800 Meter Höhe. Während des Ultratrails passierten die Läufer hohe Bergrücken, durchquerten abgelegene Täler und durchliefen mehrere Bergdörfer. „Es ging rauf bis auf 3800 Meter.“ Vom Skifahren her kenne er zwar solche Höhen. Laufen sei aber noch einmal eine ganz andere Nummer, so Nachtigall, der an der Großen Werlstraße ein Architekturbüro betreibt. Neben der dünnen Luft seien auch die intensive Sonneneinstrahlung und der hohe Flüssigkeitsverlust eine Herausforderung gewesen.

Ultratrail: Stockbruch nach acht Kilometern

Zu dem Sport gehört es auch, dass Läufer stürzen. Das sei meistens kein Problem gewesen, sagt er. „Problematisch wurde es jedoch bei Kilometer 8, als meine Karbonstöcke brachen.“ Nicht nur, dass sie wichtig fürs Gleichgewicht seien. Durch den Ausfall habe er 20 Prozent Muskelkraft auf seine Beine übertragen müssen. Zwar habe ihm sein Laufpartner seine Stöcke immer wieder geliehen. „Am Ende haben wir aber beide mehr Energie verbraucht als am Anfang geplant.“

Und das spürten sie schon bald: Alle acht bis 15 Kilometer gab es eine Verpflegungsstelle, die in einer bestimmten Zeit erreicht werden musste. Bei 40 Kilometern sei man noch knapp innerhalb der Zeit gewesen. Der nächste Punkt sei dann bei 54 Kilometern gewesen. „Wir kamen 30 Minuten zu spät und haben das Limit verpasst.“

Ultratrail: Disziplin als Erfolgsgeheimnis

Nachtigall und sein Laufpartner hätten zwar die Möglichkeit gehabt, auf eigene Faust weiterzulaufen. Allerdings hätten sie ihre GPS-Sender abgeben müssen. „Und dann waren da auch noch die Wölfe und Bären.“ Also habe man sich dazu entschieden, den Lauf nicht fortzusetzen. Wenig später sei man mit Jeeps ins Tal gebracht worden. An der einen oder anderen Stelle habe er gedacht, dass er besser gelaufen wäre, so der 57-Jährige vielsagend.

Ultratrail Nachtigall
Über Stock und Stein ging es für die Extremläufer während des Ultratrails in der Türkei. © ,privat

Sein frühzeitiges Ausscheiden empfindet er aber nicht als Niederlage. Im Gegenteil: Er habe wertvolle Erfahrungen sammeln können und werde sich beim nächsten Mal einfach noch besser vorbereiten. „Ich werde unter anderem ein zweites Paar Laufstöcke mitnehmen und noch mehr im Sauerland und auf unseren Halden trainieren.“ Und: Motivation allein reiche nicht aus, um das Ziel zu erreichen. „Das Wichtigste ist Disziplin.“

Ultratrail: Neue Ziele

Bevor er jedoch im Frühherbst 2027 zum nächsten Ultratrail in die Türkei geht, warten zwei andere Herausforderungen auf den Hammer: Im Juni nimmt Nachtigall erneut am Ultratrail auf der Zugspitze teil. Gebucht ist auch schon die Besteigung des höchsten Bergs in der Türkei: Zusammen mit drei Bekannten und einem Bergführer möchte er den rund 5100 Meter hohen Ararat besteigen. Kurze Zeit später gehe es dann zum Ultratrail.

Ob er an der langen oder der kürzeren Version von knapp 50 Kilometern teilnimmt, werde er erst nach der Bergbesteigung entscheiden, so Nachtigall, der nebenbei auch ein begeisterter Marathonläufer ist. Seine Bestzeit liegt bei 3 Stunden und 32 Minuten. Aufgrund seines Alters werde er die allerdings kaum noch steigern können. Also suche er sich eine neue Herausforderung: Berge. Altersbedingt werden seine Erholungszeiten zwar auch hier immer länger. Dafür könne er aber seine Erfahrungen nutzen, um solche Herausforderungen zu meistern.

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