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Zukunftsmarkt: Mit Frauen-Power Richtung Fußball-Bundesliga: Wie der KSC seine weibliche Sparte professionalisiert

Zukunftsmarkt

Der Karlsruher SC hat auch mit seinen Frauenteams Großes vor. Die Vision von Geschäftsführer Michael Beckers auch hier: Bundesligafußball!

Die KSC-Frauen hatten in dieser Saison schon einigen Grund, um mit ihren Fans im Carl-Kaufmann-Stadion Siege zu bejubeln. Das klare Ziel ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Die KSC-Frauen hatten in dieser Saison schon einigen Grund, um mit ihren Fans im Carl-Kaufmann-Stadion Siege zu bejubeln. Das klare Ziel ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Der Karlsruher SC pusht seine Frauen-Power und schafft für die weibliche Sparte professionelle Strukturen. Damit folgt er dem Beispiel anderer Traditionsclubs. Der Kurs bildet sich bald auch im Internetauftritt des Vereins ab. Gesichter und Themen des Frauenteams sollen auf ksc.de an Sichtbarkeit gewinnen.

Was die mediale Präsenz, das Zuschauerinteresse und Strukturen anbelangt, habe sich das Frauenthema in diesem Jahrzehnt „rasant entwickelt“, erklärt KSC-Geschäftsführer Michael Becker. Der Blick in die Mitgliederstatistik des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) für die Saison 2025/2026 mit ihrem historischen Hoch von 8,2 Millionen Mitgliedschaften unterstreicht das: Der weibliche Bereich erweist sich als zentraler Wachstumstreiber.

Internationaler Boom und neue Liga-Strukturen

International wirkt diese Dynamik schon länger. In den USA oder auch in Frankreich und England treiben Investorenprojekte wie die London City Lionesses den Markt an. Das führt in der Spitze zu Verdrängungseffekten, sichtbar auch in der deutschen Nationalmannschaft: Im jüngsten Aufgebot von Bundestrainer Christian Wück standen zuletzt neun Spielerinnen, die aktuell im Ausland ihr Geld verdienen.

Die Frauen-Bundesliga reagiert auf die Entwicklung nun mit einem Schritt, wie ihn vor einem Vierteljahrhundert die Männer gegangen sind. Zum 1. Juli 2027 spaltet sich die höchste Spielklasse offiziell vom DFB ab und wird vom neu gegründeten, eigenständigen Ligaverband FBL e.V. übernommen. Die FBL gründet hierzu eine eigene operative GmbH. Sie übernimmt die komplette Eigenvermarktung der Liga. Eine ihrer Hauptaufgaben wird in den kommenden Jahren darin liegen, dafür zu sorgen, dass sich die TV-Gelder bei den Frauen weiterentwickeln.

Die 14 Clubs der Bundesliga, darunter der SC Freiburg und TSG Hoffenheim mit ihren Millionenetats, planen Größeres. Über die nächsten acht Jahre wollen sie 700 bis 800 Millionen Euro in die Professionalisierung und Infrastruktur der Liga investieren.

KSC denkt sportlich und wirtschaftlich größer

Der KSC möchte die Entwicklung nicht verschlafen. Dessen Verantwortliche sehen im Frauenfußball unerschlossene Potenziale. Dass zum Länderspiel zwischen Deutschland und Australien kürzlich 26.000 Besucher ins Wildparkstadion kamen, bestätigte sie in dieser Sicht. Langfristig möchte der KSC mit seinen Männern und mit den Frauen in der Bundesliga spielen, sagt Becker.

Der organisatorische Fahrplan für die Professionalisierung steht: Gelingt der von Christopher Holzer trainierten ersten Frauenmannschaft im Mai der Aufstieg in die 2. Bundesliga soll deren Spielbetrieb unter dem Dach der Kapitalgesellschaft organisiert werden. Mitgliederversammlung (e.V.) und Hauptversammlung (KGaA) müssten die Herauslösung aus dem Verein und die Überführung in die KSC GmbH & Co. KGaA im Herbst 2027 rückwirkend zum 1. Juli beschließen.

Die Karlsruherin Ann-Sophie Braun behauptet sich gegen ihre Gegenspielerin von der SpVgg Greuther Fürth.
Die Karlsruherin Ann-Sophie Braun behauptet sich gegen ihre Gegenspielerin von der SpVgg Greuther Fürth.

Der KSC verbindet mit seinem Vorhaben nicht nur sportliche Ziele, sondern auch wirtschaftliche Hoffnungen. Der Frauenfußball erschließe neue Zielgruppen und zusätzliche Partnermodelle, erläutert Becker. Schon jetzt registrierte man verstärkt Anfragen von Sponsoren, die nicht nur im Männer-, sondern auch im Frauenbereich sichtbar sein wollen. Becker verweist außerdem darauf, dass der weibliche Zuschaueranteil im Wildpark unter dem Ligaschnitt liege – auch hier sieht der Club erhebliches Potenzial.

Leitungsstelle, Anschubfinanzierung und Vermarktung

Ausgeschrieben ist zwischenzeitlich eine hauptamtliche Leitungsstelle. Die sportliche und kaufmännische Verantwortung soll in dieser Leitung gebündelt sein. Klar ist: Vorerst bleibt die Frauensparte ein Zuschussgeschäft. Mit einem niedrigen bis mittleren sechsstelligen Betrag rechnet Becker für die 2. Frauen-Bundesliga als Anschubfinanzierung pro Jahr. „Perspektivisch soll sich das Projekt stärker selbst tragen – vor allem über Sponsoring, Ticketing und mögliche Transfererlöse. Aber auch die TV-Gelder müssen gesteigert werden.“

Die Infrastruktur-Problematik hatte der Verein in diesem Jahr gelöst. Die Frauenmannschaft trägt ihre Heimspiele im städtischen Carl-Kaufmann-Stadion standortnah aus und nicht länger fern des Wildparks im Bruchsaler Sportzentrum. Rund 500 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Partien des Teams um Selina Häfele und Giulina Kimmig.

Club strebt langfristige Pacht für das Carl-Kaufmann-Stadion an

Im Augenblick ist die Lösung auf ein Jahr angelegt. Der KSC strebt aber einen langfristigen Pachtvertrag an. Erst dann, so Becker, lohne es sich für die Blau-Weißen, in Flutlicht, Catering, Kabinen und in weitere Verbesserungen zu investieren. In diesem Zusammenhang rücken die World Games 2029 in den Blick. Der KSC hofft auf Synergien, damit nicht nur provisorische Bauten entstehen, sondern nachhaltige Aufwertungen, von denen dann auch der Frauenfußball langfristig profitieren würde.

Giuliana Kimmig hält vor einem Regionalligaspiel des Karlsruher SC eine Ansprache im Mannschaftskreis.
Giuliana Kimmig hält vor einem Regionalligaspiel des Karlsruher SC eine Ansprache im Mannschaftskreis.

Auch die Trainingsbedingungen werden angepasst. Derzeit trainiert die Mannschaft noch in Bruchsal, ab dem kommenden Jahr soll Hohenwettersbach die neue Basis werden. Dort wird investiert, ein Kunstrasenplatz kommt hinzu, ebenso Nebenanlagen und ein kleiner Fitnessbereich. Für einen Club, der den Frauenfußball auf ein neues Niveau heben will, ist das ein wichtiger Baustein.

Neue Plattform für die hiesige Wirtschaft

Aber auch dem Sponsoring kommt große Bedeutung zu. Hier glaubt der KSC, mit dem Frauenfußball neue Plattformen für die hiesige Wirtschaft bieten zu können. Auch für Akteure, die im Wildpark noch gar nicht präsent sind. Der dm-Drogeriekonzern, der in Karlsruhe seinen Hauptsitz hat, ist so einer. Der Big Player engagiert sich seit drei Jahren als Premium-Partner beim Bundesligisten 1. FC Nürnberg. Warum also nicht auch an seinem Hauptstandort in Karlsruhe?

Das fragt sich auch Becker. Aus Gesprächen mit der Konzernspitze weiß er, dass das Engagement beim „Glubb“ bei dm als lokaler Sonderfall angesehen wird. „Dass sich das Unternehmen nicht lokal engagiert, finden wir sehr schade“, bedauert Becker. „Da geht es ja nicht nur um Fußball. Das Beispiel von SAP in der Rhein-Neckar-Region zeigt doch, welch gigantische Möglichkeiten ein solch Riesenunternehmen und dessen Gründer besitzen, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“ Unausgesprochen: Das Engagement der SAP machte Hoffenheims Fußballerinnen erstklassig.

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