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FC Bayern und BVB: Zwei Klubs in völlig verschiedenen Welten
Remis im Topspiel :
Zwei Klubs in komplett unterschiedlichen Gefühlswelten

Das Remis im Spitzenduell fördert deutliche Unterschiede zutage: Während sich der FC Bayern früh in der Saison durch emotionale Extreme bewegt, gibt es in Dortmund eine lange ungekannte Situation.

Wenn Menschen aufeinandertreffen, deren Gedanken und Emotionen kaum noch Schnittmengen aufweisen, wird gerne von Parallelwelten gesprochen, von einem Zustand der Entfremdung. Insofern scheint es widersprüchlich, dass die zunehmenden Unterschiede zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern im Wettbewerb zu einer bemerkenswerten Annäherung führen. Jedenfalls in der Tabelle.

Hier sind die Bayern, deren Gedanken um ihren erkrankten Trainer kreisen. Auch der viel zu frühe Tod von Joshua Kimmichs Vater steckt dem Team in den Knochen und bewegt offenkundig große Teile der Mannschaft. Sportchef Max Eberl hat immerhin die vage Hoffnung, dass diese „gravierenden Dinge“ den Zusammenhalt stärken. Ob das Team daraus tatsächlich eine zusätzliche Stärke ziehen kann, ist aber zutiefst ungewiss.

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Am Samstag mussten sich außerdem Ismael Saibari, Serge Gnabry und Michael Olise auswechseln lassen, etliche andere sind schon länger verletzt. Und Harry Kane ist zwar glücklich, bildet aber ebenfalls ein Sonderthema, weil er den Ballon d’Or gewonnen hat. Die Bayern bewegen sich früh in der Saison durch emotionale Extreme, während die Dortmunder als größter Konkurrent an der Tabellenspitze einen Zustand erreicht haben, um den sie ihre Münchner Rivalen in der jüngeren Vergangenheit oft beneiden konnten: Es geht um Fußball beim BVB.

Zum Beispiel um die Viererkette, mit der Trainer Niko Kovač sein Team erstmals seit rund eineinhalb Jahren in der Bundesliga verteidigen ließ. Es ging um den Reifeprozess von Spielern wie Jobe Bellingham oder Carney Chukwuemeka, um den Mut in einem Auswärtsduell, an das etliche Dortmunder traumatische Erinnerungen haben, weil sie hier schon schwer gedemütigt worden sind.

Nun sei die Mannschaft voller „Respekt“ nach München gereist, aber „ohne Ehrfurcht“, sagt Nico Schlotterbeck. Weil alle die Stabilität spüren, nachdem der Trainer trotz der Kritik an der mitunter unspektakulären Spielweise einfach beharrlich an seinen Fachthemen gearbeitet hat: Fitness, Spielansatz, individuelle Entwicklung, Belastungssteuerung. Fußball eben.

In der Vergangenheit traf viel zu oft eine von Aufregungen und Konflikten aufgerüttelte BVB-Blase auf ultrasouveräne Münchner, die ihre ganze Überlegenheit unter diesen Umständen besonders genussvoll zur Geltung bringen konnten. Die Duelle hinterließen meist auch tiefe Spuren in den Köpfen. Das ist jetzt anders.

Die Welt der Bayern ist gerade hochkomplex, herausfordernd und geprägt von großen unbeantworteten Zukunftsfragen, während Borussia Dortmund sich in einem Zustand befindet, den sich auch die protestierenden Jugendlichen draußen auf den Straßen herbeisehnen: Die Dinge sind bestens sortiert, der eingeschlagene Weg und die Zukunftschancen sind gut erkennbar. Der BVB ist angstfrei und „mutig“, wie etliche Spieler nach dem 2:2 von München betonen.

Das Meisterschaftsrennen kann zwar trotzdem eintönig werden, denn der Rekordmeister ist weiterhin besser besetzt und hätte auch dieses Spiel gewinnen können. Aber in den Köpfen verändert sich gerade etwas. Und auf der Ebene der sogenannten „Basics“ agieren die Dortmunder derzeit schlicht meisterhaft, während bei den Bayern im Moment gar nichts einfach ist.

Es ist nicht schön, dass dabei auch tragische Dinge im Spiel sind, aber für die Spannung in der Bundesliga sind die gegensätzlichen Zustände der beiden Klubs sehr förderlich. Auf dem Rasen begegnen sich Bayern München und Borussia Dortmund im Moment beinahe auf Augenhöhe.

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