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(Motorsport-Total.com) - "Die Qualität der Fahrer im hinteren Drittel des Feldes ist schlichtweg extrem niedrig": Mit diesem Statement hat Fernando Alonso nach dem Grand Prix der USA in Austin in ein Wespennest gestochen. Während Alonso seine Aussagen diese Woche in Mexiko nochmals bestätigt und Alexander Albon negativ hervorgehoben hat, haben sich viele Kollegen für den Williams-Fahrer ausgesprochen.
Fernando Alonso hat mit seiner Kritik am Fahrerfeld für Aufsehen gesorgt Zoom
"Wir haben hier keine Pay-Driver mehr", so Albon selbst zum Thema. "Wenn überhaupt würde ich sagen, dass das Fahrerfeld so stark ist, wie schon lange nicht mehr."
Die Frage dessen, wann ein Fahrer es "verdient" hat, in der Formel 1 zu sein, ist weitaus komplexer, als es zunächst scheint. Großes Budget und Talent auf der Rennstrecke stehen sich beileibe nicht diametral gegenüber.
Sergio Perez hilft Cadillac beispielsweise durch seine finanzstarken Sponsoren, doch seine Leistungen in diesem Jahr zeigen durchaus, dass er sich seinen Status (und seine Vertragsverlängerung) verdient hat.
Auf Nachfrage rund um diese Diskussion betont Liam Lawson, dass die Budget-Frage vor allem in den Junior-Kategorien des Monoposto-Motorsports eine deutlich größere Rolle spielt. "Das Problem liegt einfach darin, dass es zu schwer ist, in die Formel 1 zu kommen", erklärt er.
"Wenn du heute aufwächst, dann ist das einfach zu teuer. Es gibt so viele Fahrer, die niemals die Chance bekommen werden, zu zeigen, was sie in einem Rennauto eigentlich draufhaben."
"Über die Jahre haben viele Leute eine Chance bekommen, die sie vermutlich nicht ansatzweise so sehr verdient hatten, wie andere Piloten. So war es in der Formel 1 schon immer. Ehrlich gesagt fühlt es sich so an, als würden wir uns mehr und mehr in diese Richtung bewegen."
"Es ist", so Lawson, "einfach zu schwierig. Der Zugang ist wirklich, wirklich schwierig. Natürlich ist es super, dass es jetzt zwei Cockpits mehr im Feld gibt, aber es bleibt ein Sport, für den es weltweit nur 22 Sitze gibt. Da hineinzukommen ist sehr, sehr schwierig. Natürlich wird das immer schwierig bleiben, und das ist vermutlich das größere Problem."
Die Bedenken, die Lawson hier schildert, sind in vielerlei Hinsicht plausibel. In Zeiten der Budgetobergrenzen haben sich die Teams abgeschottet und sind ihrerseits zu wirklich wertvollen Franchises geworden.
Teams wie Haas oder Williams stehen zwar grundsätzlich ein kleineres Budget oder weniger technische Infrastruktur zur Verfügung (unter anderem als Ergebnis der letzten Generation), doch hier muss man nicht mehr von Rennen zu Rennen jeden Cent umdrehen. Ein Fahrer mit beträchtlichem Budget ist zwar ein netter Bonus, aber keine Notwendigkeit.
In der Vergangenheit haben die Teams an der Spitze immer die nachhaltigsten Sponsoren angezogen. Schließlich gab es vorne die meiste Aufmerksamkeit zu ergattern, wodurch die Hinterbänkler oftmals auf Pay-Driver mit fragwürdigen Fähigkeiten angewiesen waren. Das war ein offenes Geheimnis.
Es gibt aus dieser Zeit eine ikonische Geschichte rund um Ricardo Rosset. Der Tyrrell-Fahrer war oftmals am unteren Ende des Klassements zu finden. Folglich tauschten die Mechaniker die Buchstaben "T" und "R" seines Nachnamens auf dem Auto aus, sodass plötzlich der Begriff "Tosser" zu sehen war, zu Deutsch "Vollidiot" oder "Wichser".
Trotz der 107-%-Regel im Qualifying, die man seitens der FIA in den 90ern eingeführt hatte, waren die Hinterbänkler bis in die 2000er hinein auf Pay-Driver angewiesen. Die politische Gemengelage des Sports hatte ihre Position schließlich keineswegs verbessert.
Die "Teile und herrsche"-Mentalität eines Bernie Ecclestone führte immer wieder dazu, dass das Concorde-Agreement, also der kommerzielle Vertrag zwischen den Teams, der Formel 1 und der FIA, den Topteams in die Karten spielte. Gerade das Preisgeld stand dabei im Fokus.
Die Formel 1 selbst besitzt auf dieser Ebene inzwischen deutlich ebenbürtige Voraussetzungen. Doch die Junior-Kategorien bleiben weiterhin extrem kostspielig. Der Weg in die Formel 1 lässt sich daher am besten mit einem Mengendiagramm skizzieren, in dem sich äußerst reiche Eltern, gute Beziehungen zu potenziellen Sponsoren und/oder die Unterstützung eines Formel-1-Teams überschneiden.
Sogar Esteban Ocon wurde von Lotus und Mercedes unterstützt. Dabei hatte sein Vater in den Mülltonnen zahlreicher Kartstrecken nach Reifen gesucht, die reichere Teams zuvor weggeschmissen hatten. Nicht jeder kann im jungen Alter als Supertalent ausgemacht werden.
"Über das Niveau des Fahrerfeldes habe ich mir in diesem Jahr keine Gedanken gemacht", so Lawson, "oder wer es verdient, hier zu sein."
"Aber ich denke, der Sport muss zugänglicher werden. Sogar das Kartfahren ist inzwischen einfach unfassbar teuer. [...] Als Kind in Neuseeland hatte ich da noch Glück. Ich wurde von sehr großzügigen Leuten unterstützt. Aber das fängt halt schon ganz früh im Kartsport an, wenn ein Kind sechs oder sieben Motoren zur Verfügung hat und ein anderes nicht einmal testen oder neue Reifen nutzen kann."
"Es ist", so Lawson, "immer ein Nachteil. Es ist ein Sport, in dem die Ausrüstung einen großen Unterschied ausmacht."