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Der erste Gipfel bleibt für immer in Erinnerung, auch wenn er schon vor einem halben Jahrhundert erklommen worden ist. In diesem Sinne wird der FC Bayern München immer frohen Herzens gegen Atlético Madrid antreten. Das ist nicht selbstverständlich, denn niemand spielt im europäischen Fußballzirkus wirklich gern gegen Atlético, diese von verwegener Guerilla-Grandezza gezeichnete Mannschaft des Argentiniers Diego Simeone. Bei Atlético triumphiert die Zweckmäßigkeit über das Erhabene.
Zirkus Europa
Früher schlicht Pokal der Landesmeister, heute Champions League: ein inszeniertes Spektakel und Gelddruckmaschine des Fußballs. Sven Goldmann blickt auf den kommenden Spieltag.
In München wird dieser Straßenkampf in kurzen Hosen überlagert von der Erinnerung an 1974, an den ersten Sieg im Europapokal der Landesmeister, im Endspiel von Brüssel. Genau genommen waren es ja zwei Endspiele. Im ersten sah Atlético schon wie der sichere Sieger aus, bis Katsche Schwarzenbeck in der Schlussminute noch zum 1:1 traf. Im Wiederholungsspiel siegten die Bayern 4:0. Seitdem sind Duelle mit Atlético für die Münchner Anhängerschaft Zusammenkünfte besinnlicher Art. Am Dienstag treffen sich die Abordnungen aus München und Madrid am vierten Spieltag der Ligaphase. Das Finale ist noch weit weg und doch schon sehr nah: Es steigt im kommenden Juni, auch im Wanda Metropolitano, der neuen Heimat von Atlético.
Das Stadion war einst für Olympische Spiele geplant, aber damit hat es in Madrid in der jüngeren Vergangenheit ebenso wenig geklappt wie zuletzt in Berlin. Das Wanda Metropolitano ist groß und schick, was so gar nicht zum Mythos Atlético Madrid passt. Der Klub der kleinen Leute spielte ein halbes Jahrhundert lang mitten in der Stadt, im Estadio Vicente Calderón, einem Stadion aus einer anderen Zeit. Am Fluss die frei stehende Tribüne, untertunnelt von der Autobahn. Gegenüber erhob sich ein Hufeisen aus Beton für das gemeine Volk, das bei den Spielen so viel Lärm machte wie nirgendwo sonst in Spanien.
Das erste Tor dort schoss Luis Aragonés, der Klubheilige, den sie alle nur Luis nannten. Luis diente Atlético als Spieler und später als Trainer. Im wilden Argentinier Diego Simeone fand er einen späten und würdigen Nachfolger. Wenn Simeone mit den Armen in Richtung Publikum ruderte und es zum Hüpfen animierte, stand es nicht gut um die Statik der Betontraversen.
So war es auch vor gut zehn Jahren, als der FC Bayern zum ersten und einzigen Mal im Vicente Calderón gastierte. Ein blau-weiß-roter Sturm tobte durch das Calderón. Als er nach zehn Minuten endlich ein wenig abflaute, schlug es doch noch im Münchner Tor ein. Saúl Ñíguez ließ Thiago, Juan Bernat und Xabi Alonso stehen, wand sich auch noch um David Alaba und zirkelte den Ball mit dem linken Fuß zum 1:0-Sieg ins Tor.
Am Ende zog Atlético ins Endspiel von Mailand ein, wo es gegen den stadtinternen Lieblingsfeind Real nur zu Platz zwei reichte. Für die Bayern war es der dritte Halbfinal-K.-o. in Folge gegen eine spanische Mannschaft. Dieser Hattrick der unangenehmen Art steht bis heute als Menetekel für Pep Guardiolas Zeit in München. Dreimal hat Guardiola die Champions League gewonnen, aber nie einen internationalen Gipfel mit den Bayern erklommen.