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Es sind aber eben auch immer nur ein paar Minuten, im schlimmsten Fall fünf, meistens zwei. Fliegt ein Spieler dauerhaft raus, darf er ersetzt werden. Nur wenige Sportarten sind da so strikt wie der Fußball. Wenn es da eine Rote Karte gibt, dann muss der Spieler nicht nur vom Feld, sondern seine Mannschaft muss eben bis zum Schluss in Unterzahl spielen.
Auch im Fußball sind Mannschaften darauf vorbereitet, wenn auch sicher nicht so intensiv wie beim Eishockey, wo Über- oder Unterzahlspiel an der Tagesordnung ist. Im Fußball ist das im Vergleich sehr selten. Beim MSV Duisburg kam es in der vergangenen Saison lediglich zweimal vor: Einmal kassierte der Gegner der Zebras Rot, einmal die Meidericher selbst.
In dieser Spielzeit ist das aber anders – an den bisherigen zwölf Spieltagen der 3. Liga hat es bereits in sechs Spielen mit MSV-Beteiligung Platzverweise gegeben. Und dass so etwas nicht zwingend gut sein muss für das Team in Überzahl, war auch zweimal zu sehen. In Regensburg gewann der MSV zu zehnt trotz 0:1-Rückstand noch. Und in Ingolstadt verloren die Duisburger in Überzahl, beim Platzverweis hatte es noch 1:1 gestanden.
Diese Roten Karten sorgen unter dem Strich dafür, dass die Spiele an Wertigkeit in der Analyse verlieren. Beispielhaft sei das 2:1 des MSV gegen Havelse genannt: Es stand 0:1, als ein Spieler des Gegners Gelb-Rot sah. Erst danach konnten die Zebras nachhaltig Druck auf des Gegners Tor ausüben und ein wenig glücklich noch gewinnen (oder den Sieg erzwingen, je nach Erzählweise). Beide Trainer sprachen im Anschluss davon, dass das Spiel nach dem Platzverweis „inhaltlich nicht mehr zu bewerten“ gewesen sei.
Drei der sechs Platzverweise in den MSV-Spielen kamen in der ersten Hälfte zustande, einer in der 48. Minute und auch der besagte von Havelse in der 64. hatte wie erwähnt eine große Wirkung auf die Partie. Nur die Rote Karte gegen den SV Wehen Wiesbaden war ziemlich egal – der MSV führte da ohnehin schon 4:1.
Heißt das nun, dass diese sechs Spiele keine große Aussagekraft haben? Aus der Vogelperspektive eher nicht: Denn sowohl in den Spielen mit Platzverweisen als auch ohne hat der MSV jeweils vier Mal gewonnen, ein Mal Unentschieden gespielt und eine Niederlage kassiert. Zudem gleicht sich wie gesagt sogar die Tatsache aus, dass die Zebras sowohl in Unterzahl gewonnen als auch in Überzahl verloren haben. Denkbar also, dass der MSV unter dem Strich auch ohne die ganzen Platzverweise 26 Punkte auf dem Konto hätte.
In den jeweiligen Einzelfällen ist das eine andere Geschichte. Hätte der MSV in Verl auch noch gewonnen, wäre nicht ein SC-Spieler beim Stand von 2:0 für die Hausherren vom Platz geflogen? Und hätten die Zebras andersherum die 3:0-Führung gegen Stuttgart II auch verspielt, wenn Tobias Fleckstein die Notbremse nicht gezogen hätte? Unmöglich zu beantworten, doch sicher wären die Spiele anders verlaufen und man könnte im Nachhinein anders über sie sprechen.
Zuletzt jedenfalls waren Platzverweise zweimal in Folge nicht hilfreich für den MSV. Und gerade durch das 3:3 gegen den VfB-Nachwuchs müssen sich die Duisburger nun anhören, dass sie beim Verteidigen der Führung nicht clever genug agiert hätten.
Vielleicht ist es angesichts der vielen Roten Karten in der Hälfte aller Spiele an der Zeit, das Über- und Unterzahlspiel zu verfeinern. Die Eishalle der Füchse Duisburg für ein paar Tipps ist ja nicht weit weg.