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Bei „Gelächter mit Wächter“: Peter Neururer über sein Leben und den Fußball von heute
Spricht über seine Trainerstationen, aber auch über persönliche Erlebnisse: Peter Neururer war bei Tino Wächters Talk-Format „Gelächter mit Wächter“ zu Gast.
Kult-Trainer und immer für einen Spruch gut: Peter Neururer (l.) im Gespräch mit Moderator Tino Wächter. © Harald Friedrich

Kult-Trainer Neururer war zu Gast bei Tino Wächter in der Schiffenberger Talstation. Was er über sein Privatleben und seine Haltung zur Entwicklung des deutschen Fußballs verrät.

„Ich war überragend in der Schule. Nur die Noten haben nicht gestimmt.“ Mit seiner direkten und humorvollen Art kam Kult-Trainer Peter Neururer bei „Gelächter mit Wächter“ beim Gießener Publikum gut an.

Am Freitagabend versammelten sich in der Schiffenberger Talstation zahlreiche Fußballfans, um insbesondere persönliche Geschichten von dem Mann zu hören, der im deutschen Profifußball über Jahrzehnte präsent war. Moderator Tino Wächter sorgte mit seinen aneckenden Fragen für gelöste Stimmung im Publikum.

Torwart Mike Buß vom SC Waldgirmes spricht mit Tino Wächter unter anderem über seine eigens kreierte Handschuhmarke.
Torwart Maik Buss vom SC Waldgirmes spricht mit Tino Wächter unter anderem über seine eigens kreierte Handschuhmarke. © Harald Friedrich

Auch Torwart vom Fußballverbandsligisten zu Gast

So auch die Frage, ob der Vertreter des heimischen Fußballs mit seinen eigens kreierten Torwarthandschuhen auch besser halten würde, schließlich sei er mit seinem Verein abgestiegen. Die Rede ist von Maik Buss (28) aus Wetzlar, der beim SC Waldgirmes in der Verbandsliga Mitte zwischen den Pfosten steht und auf seinem Instagramkanal „Keepermaik“ mit einer Kamera im Tor regelmäßig Spielszenen und Trainingsinhalte veröffentlicht. Buss nahm die Frage mit Humor auf und antwortete: „Entscheidend sind die Fähigkeiten des Torhüters, nicht allein die Handschuhe.“

Die Spielerkarriere des eigentlichen Hauptgastes Peter Neururer verlief kürzer als erwartet. Bei einem Probetraining in Gütersloh, bei dem der damals 17-Jährige sich laut eigener Aussage als einen „unglaublich talentierten Fußballer“ bezeichnete, nahmen ihm seine Mitspieler sein riesengroßes Selbstvertrauen so übel, dass das Probetraining und seine Spielerlaufbahn mit mehreren Fuß- und Beinbrüchen nach hartem Einsteigen endeten.

Die Begeisterung für den Fußball hatte für den gebürtigen Marler bereits in der Kindheit begonnen. Als Siebenjähriger sah er den 1. FC Köln in weißen Trikots spielen und war von der technischen Qualität der Mannschaft beeindruckt. Zehn Jahre lebte er später in Köln, wo er Sport studieren wollte. Bis er Trainer wurde, sei er sein Leben lang FC-Fan gewesen.

Prägende und besondere Erlebnisse

An diesem Abend wurde jedoch nicht nur über Taktiken und Tabellen gesprochen, sondern auch über den Menschen hinter dem Trainer. Besonders emotional wurde Neururer, als er von seiner Frau erzählte, die er in seiner schwierigsten Zeit kennengelernt hatte. Er spielte und machte Verluste in Casinos. „Wenn du 500 verlierst, musst du beim nächsten Mal 1000 einsetzen“, lautete eine seiner bitter-komischen Zusammenfassungen dieser Zeit.

Neururer beschrieb sich als ausgeprägten Pünktlichkeitsfanatiker. Unentschuldigt zu spät zu kommen, sei für ihn undenkbar. Selbst beim Heiratsantrag habe dies eine entscheidende Rolle gespielt. „Wäre meine Frau an dem Tag zu spät gewesen, hätte ich den Antrag nicht gemacht“, sagte er.

Es kam jedoch anders. Und so erfüllte ihm seine Frau einen seiner größten Lebensträume: „Einmal mit einer Harley-Davidson über die Golden Gate Bridge in San Francisco zu fahren.“ Als seine Frau ihn eines Tages mit dem Motorrad überraschte, fehlte allerdings noch eine Kleinigkeit – der Motorradführerschein. Den machte Neururer innerhalb einer Woche. Anschließend ging es mit einer Gruppe von sechs Personen in die USA. Mit seinen Freunden bereiste er über die Jahre alle US-Staaten.

Die besten Trainer sind diejenigen, die junge Spieler entwickeln.

Der Wendepunkt in seinem beruflichen Leben kam durch Horst Hrubesch. Neururer saß mit seiner Frau und den Kindern im Garten, als das Telefon klingelte. Hrubesch meldete sich und machte ihm ein Angebot, das sein Leben verändern sollte: Wenn er Lust habe, könne er am nächsten Tag als sein Co-Trainer bei Rot-Weiss Essen anfangen. Damit kam er seinem anderen Traum, Bundesliga-Trainer zu werden, ein großes Stück näher.

Später trainierte Neururer als Chef unter anderem den FC Schalke 04, Fortuna Düsseldorf und den 1. FC Köln. Die sportlich emotionalste Trainerstation verbindet Neururer mit dem VfL Bochum. Mit dem Verein stieg er in die Bundesliga auf und führte ihn später in den UEFA-Pokal.

Besonders wichtig ist ihm die Nachwuchsarbeit. „Die besten Trainer sind diejenigen, die junge Spieler entwickeln und ihnen den Weg in den Profifußball ermöglichen.“ Auch kleinere Spielfelder im Kinder- und Jugendfußball befürwortet er, weil sie mehr Eins-gegen-eins-Situationen schaffen. Das Leistungsprinzip dürfe dabei jedoch nicht verloren gehen.

Deutliche Worte fand Neururer auch zur deutschen Nationalmannschaft. Sportlich sieht er sie so schwach wie seit Jahren nicht mehr, traut ihr aber weiterhin zu, jede andere Mannschaft zu schlagen. Entscheidend sei, wieder konsequenter nach Leistung aufzustellen. „Spieler, die in ihren Vereinen keine Leistungsträger sind, dürfen nicht automatisch für die Nationalmannschaft infrage kommen“, betonte Neururer.

Klare Meinungen und Kritik am DFB

Jürgen Klopp hält Neururer grundsätzlich für den richtigen Mann für eine solche Aufgabe, sowohl in der fachlichen Kompetenz als auch im (kommunikativen) Umgang mit Spielern. Doch die öffentliche Austragung des Deutschen Fußball-Bundes bei den Vertragsverhandlungen während der WM in den USA kritisierte er scharf. Zugleich betonte er: „Ein Bundestrainer hat deutlich weniger Einfluss auf seine Spieler als ein Vereinstrainer, der täglich mit der Mannschaft arbeitet.“

In der abschließenden Fragerunde ging es unter anderem um den besten Spieler, den Neururer je trainiert hat. Eindeutig beantworten konnte er dies nicht: „Einen Torhüter kann man schließlich nicht mit einem Stürmer vergleichen“, sagte er. Namen wie Jens Lehmann, Robert Enke, Per Mertesacker und Leon Goretzka zeigen dennoch die Bandbreite der Akteure, mit denen er in seiner Trainerlaufbahn gearbeitet hat.

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