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"Das ist mir in meinen ganzen 32 Jahren als Schiedsrichter noch nie passiert!" Bahar Özhan ist immer noch fassungslos über die heftige Attacke eines Spielers gegen ihn bei einem Amateurfußballspiel Anfang September in Siegen.
Schiedsrichter Bahar Özhan wurde Opfer einer fiesen Attacke während eines Fußball-Kreisligaspiels.
Bildquelle: WDR/privatDer 50-jährige Bahar Özhan ist ein erfahrener Schiedsrichter, seit 1994 dabei. Ohne Menschen wie ihn geht es nicht. Er pfeift Jugend- und Bezirksligaspiele, im letzten Jahr waren es 118, sagt er stolz: "Ich rede viel mit Spielern, greife nicht sofort zur Karte." Doch hier blieb ihm keine andere Wahl.
Zuerst habe der Spieler des Siegener SC, der sich unfair behandelt fühlte, Bahar Özhan beleidigt. Als er für die Beleidigung die Rote Karte kassierte, hat er völlig die Fassung verloren. Mit einer Art Wrestling-Griff brachte er Bahar Özhan dann zu Boden.
Mitspieler, so ist der Schiedsrichter überzeugt, hätten Schlimmeres verhindert. "Ich habe mich beherrscht, ihn nicht mehr angesehen, bin zur Kabine, habe das Spiel abgebrochen. Ich wollte ein Vorbild sein."
Unterstützung bekommen Bahar Özhan und seine Schiedsrichterkollegen nun von der Initiative "Wir. Sind. Viele. Siwi" des Fußballvereins SV Setzen, auf dessen Platz sich der Angriff ereignete.
Nach der Attacke war ein Handyvideo des Angriffs in den sozialen Medien sofort viral gegangen. "Der SV Setzen stand plötzlich im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit und da haben wir gedacht, wir müssen das irgendwie in positive Energie ummünzen", sagt Fabian Beitz aus dem Vorstand des Vereins.
Podiumsdiskussion mit Schiedsrichter Bahar Özhan
Am Samstagabend hatte der SV Setzen in seinem Sportheim zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Es ging um die Gewalt auf den Fußballplätzen und um den Rückhalt für Schiedsrichter. Das kleine Vereinsheim war besetzt bis auf den letzten Platz.
"Du musst die Entscheidung nicht mögen, aber den Menschen respektieren", lautete ein Motto des Treffens. Der Angriff auf Schiedsrichter Bahar Özhan sorgte am Abend für eine Welle der Entrüstung, aber auch der Solidarität mit dem angegriffenen Schiedsrichter.
Schiedsrichter Bahar Özhan (rechts im Bild) mit Pascal „Qualle"
"Die Szenen haben uns alle schockiert, aber wir wollen das Thema aufrecht erhalten - wir wollen die Arbeit der Schiedsrichter in den Mittelpunkt stellen und sie ehren", so ein Sprecher der Initiative. Schiedsrichter wie Bahar Özhan machen den Jugend- und Amateursport erst möglich.
Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Per Videobotschaft von Bundesliga-Schiedsrichter Daniel Siebert wurde Bahar Özhan auf den DFB-Campus nach Frankfurt eingeladen.
Nach dem ersten Schock habe Bahar Özhan das Geschehen inzwischen gut verarbeitet, sagt er. Und natürlich will er weitermachen und jungen Menschen ihren Sport ermöglichen. Doch die Entschuldigung des Angreifers nach der Verhandlung vor dem Kreissportgericht kann er noch nicht annehmen.
Sendung: WDR.de, Schiedsrichter äußert sich nach Wrestling-Attacke, 24.10.2026, 11:30 Uhr
Erstveröffentlichung am 24.10.2026