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Dass ein Sieg über Bayer 04 Leverkusen den 1. FC Köln an diesem Sonntag glatt in die obere Tabellenhälfte befördert hätte, zeigt, wie eng die Liga noch immer zusammenliegt. Weil die Tabelle gemeinhin nicht lügt, hätte man den Kölnern anschließend kaum mehr attestieren müssen, ein Abstiegskandidat zu sein. Nach dem 1:2 lautet der Befund jedoch anders: Mit nur zwei Siegen aus neun Spielen stecken die Kölner zur zweiten Länderspielpause des Jahres in der gefährlichen Zone fest.
Die Lage ist ernst, und die Niederlage mit dem Fehlen von Glück und dem letzten Hauch Überzeugung zu erklären, beschreibt das Kölner Problem nur zum Teil. Die Vorstellung, man verfüge über die richtigen Spieler, hege beste Absichten und stehe jeweils unmittelbar vor dem Durchbruch, liefert exakt den Stoff, aus dem sportliche Krisen entstehen. Auch gegen Leverkusen blieb für die Zuschauer unklar, wofür die Mannschaft eigentlich stehen will. Niemand verlangt von einem Klub im zweiten Jahr nach dem Aufstieg, einem Gegner wie Bayer 04 ein Spiel über 90 Minuten aufzuzwingen. Dennoch hätte man gern erkannt, welcher Plan da gerade scheitert.
Vereinzelt versuchten die Kölner zu pressen. Daraus allerdings eine grundsätzliche Strategie abzuleiten, ginge zu weit. Weder agiert die Mannschaft als verlässliches Pressingteam. Noch kontrolliert sie das Geschehen aus der Tiefe. Auch am Sonntag beschränkte sie sich überwiegend darauf, Said El Mala einzusetzen – oder darauf zu hoffen, dass der Nationalspieler sich selbst in Szene setzt.
Dass diese einsame Klasse gegen Leverkusen allein nicht genügt, überrascht kaum. Marius Bülter reibt sich seit Wochen auf; der Angreifer kämpft, blockt und rennt, ohne dabei jedoch torgefährlich zu werden. Linton Maina schien die Entdeckung der Saison zu werden. Abgesehen von Fleiß, Einsatz und Sprintqualität ist er jedoch nach wie vor weit davon entfernt, ein verlässlicher Abschlussspieler zu sein – auch am Sonntag ließ er beste Chancen aus.
Bleibt Mikey Moore. Der junge Engländer wird in der Kölner Offensive mehr und mehr zum Rätsel. Gegen Leverkusen spielte er erneut ohne Tempo, Entschlossenheit und Schärfe. Die feinen Ansätze am Ball des 19-Jährigen aus den ersten Wochen sind großer Ernüchterung gewichen. Noch immer wartet Moore auf seinen ersten Treffer, und in den sieben Partien seit seiner Vorlage beim 1:4 in Stuttgart ist keine weitere dazugekommen.
Den „Wagner raus“-Rufen nach dem 0:0 gegen Schalke 04 folgten ein 5:0 im Pokal über überforderte Berliner, ein 1:1 bei Union Berlin und nun das 1:2 gegen Leverkusen. Die Stimmung im Umfeld braucht also nicht mehr in Negative zu kippen. Das ist längst geschehen. Der nächste weitgehend hilflose Offensivauftritt taugte am Sonntag kaum dazu, die Lage zu beruhigen.
Den Kölnern steht damit eine ungemütliche Länderspielpause bevor. Danach müssen sie dringend Ergebnisse liefern – und zu einem verlässlichen Stil finden. Das bedeutet zwar kein abschließendes Urteil über den bisherigen Weg, lässt aber wenig Spielraum für Experimente. Zumal der nächste Gegner FC Bayern München heißt.