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Beim neuen U15 Weltcup-Festival in Aserbaidschan können sich kleine Fußball-Nationen mit den ganz großen messen. Fifa-Experte Bernhard Lippert erklärt im Gespräch mit der tz, was das Turnier so besonders macht.
Baku – 189 von 211 Mitgliedsverbänden und fast 1000 Spiele! Mit dem Fifa U 15 World Cup Festival in Aserbaidschan betritt der Fußball-Weltverband Neuland. Vom 24. bis 30. Oktober messen sich in Baku die Stars von morgen.
„Das Weltcup-Festival war die beste Idee jemals“, schwärmt Bernhard Lippert im Gespräch mit der tz. Der Deutsche arbeitet als Technischer Experte in der von Trainerlegende Arsène Wenger geleiteten Fifa-Nachwuchsentwicklung.
„Ich empfinde tiefste Dankbarkeit, dass wir es schaffen, die Solomon-Islands gegen Brasilien spielen zu lassen. Und das in diesem jungen Alter“, sagt Lippert. „Dieses Turnier hat ein Alleinstellungsmerkmal. So etwas gab es noch nie.“
Doch bei der Mini-WM steht nicht der Titel im Vordergrund. Lippert soll für die Fifa vor Ort erste Erkenntnisse sammeln – und dabei auch das Verhalten der Trainer beobachten. Setzen sie auf die Entwicklung ihrer größten Talente oder zählt für sie nur der Erfolg?
„Wir möchten die Teams schon wettbewerbsfähiger machen, aber nicht um jeden Preis. Die Entwicklung der einzelnen Spieler steht absolut im Vordergrund“, betont Lippert, der von 2008 bis 2020 für den aserbaidschanischen Verband tätig war.
Deshalb wird auch acht gegen acht gespielt. Eine Halbzeit dauert 20 Minuten. Lippert: „Wir wollen die Mannschaften damit zu mehr Ballkontakten, Umschaltmomenten und Tormöglichkeiten provozieren.“
Die Fifa erhofft sich zudem einen nachhaltigen Effekt: Kleinere Nationen sollen früher mit dem Scouting beginnen, Nachwuchs-Nationalmannschaften aufbauen und ihre größten Talente zeitig an das Fußballer-Leben gewöhnen. „Wir bieten den Menschen mit diesem Turnier eine Grundlage zur Veränderung“, so Lippert. Die Begeisterung sei riesig: „Wenn man beispielsweise Kinder in Lesotho fragen würde, ob sie an diesem Weltcup-Festival teilnehmen möchten, würde es keines geben, das Nein sagt.“
Kommerzielle Interessen sollen bei der Premiere außen vor bleiben. „Das Weltcup-Festival ist aber keine Veranstaltung für Berater“, stellt Lippert klar. Auch Scouts sollen keinen Zugang zu den Spielen erhalten. Stattdessen stehen Spaß, persönliche Entwicklung und das Miteinander im Mittelpunkt.
2027 soll ein entsprechendes Turnier für Mädchen folgen. Ab 2028 sieht der Plan Wettbewerbe für beide Geschlechter vor. Dann vielleicht auch mit Deutschland als Teilnehmer.
Für das diesjährige Großereignis wurden in Baku innerhalb von nur drei Monaten 20 Sportplätze errichtet. Auf jedem Spielfeld können bis zu zehn Partien pro Tag stattfinden.
Für Lippert ist die Rückkehr nach Aserbaidschan auch persönlich emotional. „Aserbaidschan ist meine zweite Heimat geworden“, erzählt der einstige Co-Trainer von Berti Vogts, der dort zahlreiche Freunde hat. „Mir ist am Mittwoch das Herz aufgegangen, als ich gelandet bin.“
Ein Satz, der zeigt: Diese Mini-WM ist auch für Lippert weit mehr als nur ein Fußballturnier.