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Nach Cristiano Ronaldos Abgang aus dem Trainingslager ist das Urteil da. Es fällt überraschend mild aus, doch die eigentliche Frage bleibt offen.
Lissabon – Es ist eine Strafe, die man fast überlesen könnte. Der portugiesische Fußballverband hat im Fall Cristiano Ronaldo entschieden, und das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick wie eine Randnotiz. Doch die Sache ist damit nicht erledigt. Dahinter steckt ein Streit, der die Nationalmannschaft seit Wochen beschäftigt und dessen Ende offen ist.
Der Auslöser liegt gut drei Wochen zurück. Ronaldo blieb beim Nations-League-Spiel in Norwegen (2:1) ohne Einsatz und reiste danach überstürzt aus dem Trainingslager ab, noch vor der Partie in Dänemark. Trainer Jorge Jesus hatte angekündigt, den Rekordnationalspieler erneut nur auf die Bank zu setzen. Genau daran entzündete sich der Streit.
Nun steht das Urteil fest. Der Disziplinarrat des Verbands hat die Anklage in vollem Umfang bestätigt, Ronaldo muss 255 Euro zahlen und ist 30 Tage gesperrt. Die Richter sahen einen vorsätzlichen Verstoß gegen Artikel 160 der Disziplinarordnung. Ein Großteil der Sperre ist ohnehin schon abgesessen, denn sie läuft seit dem Tag nach Ronaldos vorläufiger Abreise am 30. September.
Dass die Strafe so klein ausfällt, hat auch mit dem Regelwerk zu tun. Sperren von bis zu sechs Monaten wären möglich gewesen, verhängt wurde die Minimalsanktion. Das Geld dürfte den Superstar kaum treffen. Bei Al-Nassr soll Ronaldo rund vier Millionen Euro pro Woche verdienen, knapp 400 Euro pro Minute.
Am Freitag hatte Ronaldo in einer formellen Erklärung die zugrunde liegenden Fakten vollständig eingeräumt. Der Verband wertete dieses Geständnis und die bislang saubere Disziplinarakte als strafmildernd. Den Richterspruch nannte er „angemessen und ausreichend“. Zudem entschuldigte sich Ronaldo schriftlich bei seinen Mitspielern, die Fans bat er um Verzeihung.
Die sportliche Frage bleibt der eigentliche Knackpunkt. Einen Rücktritt hat Ronaldo zuletzt ausgeschlossen, seine Zukunft in der Selecao scheint er aber an eine Ablösung von Jesus zu knüpfen. Der Trainer habe sein Wort gebrochen, klagte er. Jesus selbst sagte nach dem 2:1 gegen Norwegen am 4. Oktober über eine Ronaldo-Rückkehr: „Ich weiß nicht, was passieren wird, für mich ist alles offen.“
Der Verband will seinen Superstar unbedingt zurück. FPF-Präsident Pedro Proenca hatte schon vor einer Woche gesagt: „Der Verband, der Trainer, alle Teamkollegen sind sich einig: Jeder will Cristiano zurück.“ Trotz des ganzen Wirbels hat Portugal vier Spiele gewonnen und sich vorzeitig fürs Viertelfinale der Nations League qualifiziert. Am 14. November trifft Portugal auf Dänemark, drei Tage später steht die Partie in Wales an. Ob Ronaldo dann wieder im Kader steht, hängt an der Frage, ob er und Jesus zueinander finden. (ck)