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Nach fünf Jahren Pause hat in München wieder ein Fußball-Derby zwischen dem TSV 1860 und dem FC Bayern stattgefunden. Die „Löwen“ empfingen die Amateure der Bayern am Sonntag zum brisanten Stadtduell in der Regionalliga. Die Polizei war mit zunächst 300 Beamtinnen und Beamten im Großeinsatz, forderte dann noch Verstärkung an und kontrollierte mit USK-Einheiten und Reiterstaffel auch den getrennten Anmarsch der beiden Fanlager rund um das Grünwalder Stadion. Dabei machten sich die Fußballanhänger mit Lautstärke und Pyrotechnik auf den Straßen so bemerkbar, dass man von aufgeheizter Stimmung sprechen kann.
Das war so erwartet worden. Damian Kania, Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums, war am Stadion beim Einsatz dabei. Die Polizei setzt stets auf eine strikte Anmarsch-Choreografie mit separaten Wegen für die Blauen und die Roten. Diesmal galt das ganz besonders. Denn über die historische Rivalität der beiden Münchner Vereine hinaus hatte die Begegnung am Sonntag aktuelle Brisanz.
Am 17. Mai hatten Löwen-Fans mit einem riesigen Schmäh-Banner („FC Bauern Hurensöhne“) die Meisterfeier des großen Rivalen auf dem Marienplatz torpediert. Noch vor dem kleinen Derby schlug der Rekordmeister zurück. Am Mittwochabend wurde bekannt, dass die FC Bayern München AG Strafantrag wegen Beleidigung gegen Unbekannt gestellt hat. Bei einem tatverdächtigen 1860-Fan war die Polizei zur Hausdurchsuchung angerückt.
Nach einem Eilbeschluss des Münchner Amtsgerichts standen vier Kripobeamte vor einigen Tagen vor der Tür des 1860-Fans. Sie durchsuchten dessen Wohnung und beschlagnahmten nach Angaben eines Anwalts Computer sowie weitere elektronische Geräte.
Die Polizei hatte das kleine Derby im Vorfeld als „High-Risk“-Spiel eingestuft und sich entsprechend vorbereitet. Wie sich die Fans beider Lager nach der langen Derby-Pause auf die Begegnung vorbereiteten, ließ sich in den vergangenen Wochen im Münchner Straßenbild beobachten.
Mit Aufklebern, Farbkübeln und Spraydosen markierten Anhänger beider Lager ihre vermeintlichen Territorien in Blau und Rot und – ungewollt – zahlreichen Mischfarben dazwischen. Vor einer Woche hatten vier vermummte Bayern-Anhänger, 17 bis 21 Jahre alt, eine Brücke großflächig beschmiert, waren dabei beobachtet worden und getürmt. Die Polizei fahndete mit einer Drohne nach ihnen. Auch hier kam es zu einer Hausdurchsuchung.
Nach Corona sei eine Fan-Generation herangewachsen, die jenseits der etablierten Ultra-Gruppierungen „Action“ suche, sagte schon im vergangenen Jahr ein Szene-Insider im Gespräch mit der SZ. Und diese Suche nach dem Kick befördert Rivalität, Reviergehabe – und manchmal auch Gewalt. Immer wieder berichtet die Polizei von Übergriffen auf Fans durch Fans der anderen Seite.
„Hass, Hass, Hass“ skandierten am Sonntag Löwen-Fans bei ihrem Aufmarsch, der schon am Vormittag in Giesing begann. „Ein bisschen Pyrotechnik ist leider auch schon mit dabei gewesen“, beschrieb Polizeisprecher Damian Kania den Anblick. Der schwarz gekleidete, große Löwen-Fanblock, der laut klatschend und noch lauter trommelnd und mit Pyrotechnik-Begleitung durch Giesings Straßen zog, gab ein eher bedrohliches Bild ab.
Als dann plötzlich zwei große Gruppen von Bayern-Anhängern nahe dem Stadion auftauchten, sich zu Fan-Märschen formierten und „die Grundstimmung aggressiv war, mussten wir noch mal Kräfte nachfordern“, berichtet Kania. Insgesamt seien dann 400 Polizisten im Einsatz gewesen – auch um die zwei Bayern-Gruppen zusammenzuführen und ins Stadion zu begleiten, fern der Sechziger-Fans. Verwirrung entstand vor dem Stadion, als sich herausstellte, dass etwa hundert von auswärts angereiste Anhänger der „Roten“ gar keine Tickets hatten. Sie durften natürlich nicht ins Grünwalder Stadion, harrten aber während des gesamten Spiels vor den Toren aus.
Nach Spielende gab die Polizei bekannt, dass es zu einem Zwischenfall gekommen war: Kurz vor Anpfiff wurden aus der Gruppe der Sechzger-Fans Böller auf Polizisten geworfen. Sechs Beamte wurden mit Knalltraumata leicht verletzt. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben vom Montag vier Fans festgenommen – je zwei aus jedem Lager. Angezeigt wurden Delikte wie Beleidigung, Hausfriedensbruch und Vermummung.
Auch ein Hitlergruß soll gezeigt worden sein. Für das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“ drohen bis zu drei Jahre Gefängnis oder Geldstrafen. Zwei Fans erhielten Platzverweise, allerdings bereits außerhalb des Stadions. Sie wurden für die Dauer des Spiels in Sicherheitsgewahrsam genommen.
Münchner Regionalliga-Derby
:Beim Schlusspfiff sind die Sechzig-Fans verstummtIn einem rasanten Duell verliert der TSV 1860 mit 2:4 gegen den FC Bayern II. Dessen Trainer Dante sieht in der zweiten Halbzeit die rote Karte.
Im ausverkauften Grünwalder Stadion durften die Fans das Derby in sicherem Abstand voneinander sehen. In der zweiten Halbzeit musste die Partie vor 15 000 Zuschauern für einige Minuten unterbrochen werden, als die Bayern-Fans massiv Pyrotechnik zündeten und Leuchtraketen in die Luft schossen. „We are Munich’s Dynamite“ war dazu auf einem Banner zu lesen. Die Polizei hielt sich im Stadion zunächst zurück. Kriminalpolizei und sogenannte „szenekundige Beamte“ werden jedoch in den kommenden Tagen Videoaufzeichnungen auswerten.
Am Ende gewann der FC Bayern das Stadtderby im Grünwalder Stadion mit 4:2. Letztmals waren die zwei Münchner Teams im Mai 2021 aufeinandergetroffen – damals noch in der dritten Fußball-Liga. Und nach dem Spiel vom Sonntag? „Da blieb es friedlich“, bilanzierte Polizeisprecher Kania am Montag. Nach dem Ende des Hochrisikospiels zerstreuten sich die beiden Fanlager schnell. Ein mögliches Nachspiel für den einen oder anderen Pyro-Zündler ist freilich nicht ausgeschlossen.