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TSV 1860 München: Die Löwen gewinnen ein erwartbar ekliges Spiel
Erfolgreiche Halbzeit-Ansprache: 1860-Trainer Alper Kayabunar.
Erfolgreiche Halbzeit-Ansprache: 1860-Trainer Alper Kayabunar.Heike Feiner/HMB-Media/Imago

Der Verbandsfunktionär, der den Spielplan der Regionalliga Bayern beaufsichtigt, muss es schon im Sommer gewusst haben. Man wird zwar wahrscheinlich nie erfahren, ob er einen Blick in eine Glaskugel geworfen, Karten gelegt oder sich über einen Satz Kaffee gebeugt hat – irgendwie wird er aber vorhergesehen haben, wie die Saison des TSV 1860 München verlaufen würde. Dass die Löwen, berauscht von ihrem Neuanfang ohne Investor, erst einen ziemlich passablen Saisonstart hinlegen dürften. Dass sie sich dann aber in ein paar Unentschieden verstricken, Punkte liegen lassen und auch im Herbst noch nicht souverän auftreten sollten.

Im Sinne der Dramaturgie, so wird der Funktionär gedacht haben, wäre es an dieser Stelle natürlich ganz ausgezeichnet, wenn Sechzig Mitte Oktober gegen den FC Bayern II den Kürzeren ziehen würde. Soll ja nicht dröge werden in Giesing. Und dann, wenn das Derby verloren ist, könnte es natürlich nur einen Schauplatz geben, um dem Drehbuch eine noch perfidere Note zu verleihen und die Handlung auf die Spitze zu treiben: Eichstätt.

Wahrscheinlich war es also von langer Hand geplant, dass es die Löwen am Sonntagnachmittag, eine Woche nach dem 2:4 gegen Bayern, in die Bischofsstadt inmitten des Naturparks Altmühltal verschlug: Kleinstadt-Charme, Kopfsteinpflaster, katholisch geprägt. Das mag beschaulich klingen, gesittet, redlich. Weil die örtliche Fußballmannschaft aber so ziemlich für das Gegenteil bekannt ist und mit ihrer Widerborstigkeit exakt für das steht, was Sechzig zuletzt abgegangen ist, fügte sich das Spiel derart gut in den Ablaufplan. Der enge Platz und die Spielweise des VfB Eichstätt sind in der Regionalliga berüchtigt. Hätte es nach der Bruchlandung gegen Bayern einen geeigneteren Ort gegeben, um die Frage nach der Münchner Sicherheitskompetenz zu erörtern?

„Wir wussten, dass es extrem eklig wird“, sagt Mittelfeldspieler Eberwein

Tatsächlich ließen die Entwicklungen der vergangenen Wochen, vor allem der Verlust der defensiven Hoheit, das Eichstätt-Spiel zu einer Art Lackmustest für die Löwen werden. Und diesen Test, so hart er auch war, sollten sie bestehen: Sechzig gewann 2:0 und kam damit erstmals seit Monatsbeginn ohne Gegentor davon.

„Wir wussten, dass es extrem eklig wird“, sagte Mittelfeldspieler Michael Eberwein nach der Partie, „es kommt nicht von ungefähr, dass Eichstätt die stärkste Heimmannschaft war. Es ist hier gefühlt ein komplett anderes Spiel.“ Die Eindrücke aber, die die Löwen zunächst hinterließen, glichen dann doch erst einmal denen aus den vergangenen Wochen.

Dass die Mannschaft Spiel für Spiel Torchance um Torchance vertut, mag das offensichtlichste Defizit der bisherigen Saison sein. Zuletzt hatte sie es aber auch nicht mehr verstanden, ihr eigenes Tor zu sichern. Sie hatte ihre defensive Souveränität eingebüßt und konnte sich schon gegen den FV Illertissen (1:1) und die SpVgg Bayreuth (2:1) glücklich schätzen, nur mit jeweils einem Gegentor davongekommen zu sein.

Spätestens das Derby legte dann ziemlich schonungslos offen, „dass wir an bestimmten Sachen noch arbeiten müssen“. So formulierte es Trainer Alper Kayabunar vor dem Eichstätt-Spiel und forderte, dass seine Elf wieder „aggressiver verteidigen“ und sich auf „viele Zweikämpfe auf dem engen Platz“ einstellen müsse. Eine Warnung, für die Kayabunar weder Karten noch Kaffeesatz gebraucht haben dürfte. Umso erstaunlicher war es dann aber, wie oft die Löwenfans in der ersten Hälfte den Atem anhalten mussten – schließlich wirkte Sechzig nicht nur in den Szenen wacklig, in denen Torhüter Vitus Eicher in größter Not gegen Lucas Schraufstetter rettete (22., 28.).

Nach der Halbzeitpause ändert sich im Eichstätter Dauerregen die Dynamik

Weil auch Cristian Leone (12.) und Florian Niederlechner (18.) auf der anderen Seite des Spielfelds gute Möglichkeiten vergaben, schien das Spiel ein Abzug der Vorwochen zu werden. Doch nach der Halbzeitpause änderte sich die Dynamik. Dass es im Eichstätter Dauerregen keinen Schönheitspreis zu gewinnen geben würde, lag zwar auf der Hand – das physische Hauruck-Spiel, zu dem die Gastgeber die Löwen nötigten, nahm der Favorit nun aber an. Er habe seinem Team in der Kabine klargemacht, dass es „vor allem kämpferisch mehr bringen“ müsse, verriet Kayabunar später.

Und weil seine Spieler die Worte beherzigten und fortan tatsächlich aggressiver verteidigten, gerieten sie in der Defensive kaum noch einmal in Verlegenheit. Im Gegenteil: Sie zwangen das Spiel mit einer Energieleistung auf ihre Seite. Nach einer Ecke von Dennis Dressel, die der Wind Richtung Tor trug, lenkte Eichstätts Bastian Bösl den Ball zur Löwenführung ins eigene Netz (49.). Später war es dann der eingewechselte Arian Ortivero Calderon, der einen Konter mit dem finalen 2:0 abschloss (90.+3). So durfte Sechzig nach einem komplizierten Spiel doch noch einen Haken hinter Eichstätt machen.

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