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Dreifacher Grund zur Freude beim FC Bayern
Videoclip • 01:34 Min • Ab 12
Vor Bayerns Härtetests gegen Dortmund und Atletico Madrid erklärt Interimscoach Aaron Danks mit einem kuriosen Vergleich die Unterschiede zu Vincent Kompany. In der Bundesliga betritt er Neuland.
Es ist nicht so, dass Aaron Danks den Auftritt auf der großen Bühne nicht kennt.
Schon bei spektakulären 4:5 der Bayern im Champions-League-Halbfinale bei Paris St. Germain vor einem halben Jahr stand der Co-Trainer als Alleinverantwortlicher an der Seitenlinie.
Der gravierende Unterschied zur aktuellen Situation beim FCB: Damals war Vincent Kompany für die Partie gesperrt, übernahm aber davor und danach alle Maßnahmen inklusive der Pressetermine und hielt von der Tribüne des Prinzenparks über seinen Kumpel Rodyse Munienge („Mr. Aura“) permanent Kontakt zu Danks.
Jetzt aber herrscht komplette Funkstille – auch vor dem Bundesliga-Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (ab 18.30 Uhr im ran-Liveticker) und dem Champions-League-Kracher nächsten Dienstag bei Atletico Madrid.
Heute, 19:00 Uhr • American Football
180 Min
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"Wir nehmen das wirklich ernst und ich habe strikte Instruktionen von Max und Christoph, solche Gespräche zu unterlassen", erklärte Danks am Freitag: "Wir wollen, dass sich Vinnie erholt und vollständig gesund ist, wenn er zurückkommt. Wir lassen ihn komplett in Ruhe."
Danks und die weiteren Assistenten Rene Maric, Floribert Ngalula, Daniel Fradley sowie Torwarttrainer Michael Rechner sind also auf sich alleine gestellt, wenn es nach dem Debüt beim SC Freiburg (3:1) und der Pflichtaufgabe im Pokal gegen Magdeburg (6:1) erstmals richtig ernst wird.
Daher will Danks auf Experimente verzichten und auf die unter Kompany gewohnten Abläufe und Matchpläne im Spiel setzen, um der Mannschaft Sicherheit zu geben. "Wir werden nichts neu erfinden oder neue Ideen reinbringen", erklärte er schon vor seinem Comeback als Interimscoach gegen Freiburg.
Am Tag vor dem Härtetest gegen den Verfolger BVB gab Danks aber zu, dass er für die vermutlich noch einige Zeit dauernde Phase ohne den Chef auch nicht als "Kompany-Clon" agieren könne und wolle.
"Vince hat uns ganz klar gesagt, dass er nicht wollte, dass seine Assistenztrainer Mini-Vinnies sind und alle ständig genau dasselbe machen. Wir sind also alle unterschiedlich, aber wir ergänzen uns gegenseitig", meinte der Engländer.
Zur plakativen Erläuterung griff Danks daher auf einen kuriosen Vergleich aus der Tierwelt zurück. "Das Zebra und der Strauß leben gemeinsam in der Savanne und haben eine wechselseitige Beziehung: Das Zebra hat ein wirklich gutes Gehör und einen sehr guten Geruchssinn, aber sein Sehvermögen ist nicht so toll. Wenn es also etwas riecht oder hört, läuft es los - und der Strauß folgt", berichtete der „Hobby-Zoologe".
So sei auch andersherum so: "Der Strauß hat sehr große Augen und ein unglaublich gutes Sehvermögen. Wenn er also etwas sieht und losrennt, folgt das Zebra. Wir müssen also Zebras und Strauße sein und können nicht alle dieselbe Meinung haben, wir können nicht alle denselben Blick auf die Dinge haben. Wir müssen die Dinge ein Stück weit unterschiedlich betrachten."
Was das für die tägliche Arbeit bei den Bayern-Profis bedeute? "In jeder Einheit arbeitet einer von uns am Offensivspiel, ein anderer an der Defensive, einer mit den Mittelfeldspielern, einer mit den Stürmern, was auch immer gerade ansteht. So haben wir unterschiedliche Perspektiven", führte Danks aus. Das gelte auch für Kompany mit seiner Erfahrung als Ex-Profi und Cheftrainer.
Doch der Belgier ist nun eben vollständig außen vor, und das vermutlich noch längere Zeit. Frühestens nach der Länderspielpause am 20. November beim Heimspiel gegen Köln könnte Kompany zurückkehren. Doch da er seine Hirnhautreizung komplett auskurieren muss, damit er nicht wieder wie vor einer Woche plötzlich zusammenbricht, kann es auch noch länger dauern.
Einen vergleichbaren Fall findet man in der Bundesliga-Geschichte nicht. Coaches, die aus gesundheitlichen Gründen pausieren mussten, legten dann auch immer ihr Amt nieder. Etwa Ralf Rangnick 2011 bei Schalke wegen Burnout oder Huub Stevens 2016 bei Hoffenheim wegen akuter Herzprobleme.
Auch für den FC Bayern ist eine so lange Interimsphase völlig neu. Der damals 72-jährige Jupp Heynckes schwächelte zwar ab und an gesundheitlich, als er 2017/18 für Carlo Ancelotti bis Saisonende einsprang. Doch sein Co-Trainer, der kürzlich verstorbene Peter Herrmann, musste nur einmal, beim 2:1 gegen Schalke 04 am 22. Spieltag, für den damals an einer Grippe erkrankten Routinier einspringen.
Der bekannteste Fall im internationalen Spitzenfußball ist der des 2014 verstorbenen Barca-Chefcoaches Tito Villanova, der wegen Ohrspeicheldrüsenkrebs in der Saison 2012/13 insgesamt 26 Pflichtspiele fehlte. Trotzdem holte der FC Barcelona mit 100 Punkten überlegen die spanische Meisterschaft (scheiterte aber im Champions-League-Halbfinale am von Heynckes trainierten späteren Sieger Bayern München).
Da man bei beim deutschen Rekordmeister allerdings fest von einer vergleichsweise zeitnahen Genesung Kompanys ausgeht, war die Verpflichtung eines erfahrenen Übergangs-Cheftrainers kein Thema – zumal es auf dem Markt auch keine auf der Hand liegende Kandidaten wie früher Heynckes oder Ottmar Hitzfeld gibt.
Vielmehr hat man volles Vertrauen in Danks, wie Eberl auf ran-Nachfrage am Freitag bekräftigte. "Keiner von uns hat erwartet, was passiert ist. Da kann man sich nicht vorbereiten", sagte er:
"Wir haben einen Trainerstab, der in einer unglaublichen Art und Weise zusammenarbeitet. Es gibt viele Menschen, die Vinnie zugearbeitet haben. Für diese Jungs ist es nichts Neues. Wir sind superdankbar, dass wir Aaron und das Team haben und nahtlos übergehen konnten."
Zumal der 43 Jahre alte Danks als Assistent extrem erfahren ist und nach Stationen im englischen Verband ab 2021 im Profi-Fußball unter anderem bei Aston Villa unter Steven Gerrard sowie Unai Emery, beim FC Middlesbrough unter Michael Carrick und schon in Anderlecht unter Kompany tätig war.
Bei Aston Villa bestritt er nach der Entlassung von Gerrard vor fast genau vier Jahren auch seine beiden Partien als Interimscoach: Ein 4:0 über Brentford und ein 0:4 bei Newcastle.
Bei den Spielern des FCB ist der ansonsten vorrangig für Standards zuständige "Danksy" sehr beliebt, unter anderem als Hüter des schon legendären Teammaskottchens, dem Porzellan-Kakadu.
Aktuell ist er aber laut eigenen Aussagen total fokussiert auf seine neue Aufgabe, weshalb er momentan auch keinen Deutschunterricht nimmt („Beim Zuhören und Lesen bin ich schon ganz gut“). "Es ist einfach Arbeit und es geht darum, die Spieler einsatzbereit zu machen", sagte Danks am Freitag:
"Wahrscheinlich blicke ich irgendwann auf diese großen Momente zurück. Unser Fokus ist aber auch, dass wir Vincent schnell zurückbekommen. Wir vermissen ihn und brauchen ihn. Bis dahin übernehmen wir die Verantwortung."