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Die Stimmung auf den Rängen beim 1. FC Köln wird rauer. Beim torlosen Remis gegen den FC Schalke 04 bekam Trainer René Wagner den Frust einiger Anhänger deutlich zu hören. Schon nach der Auswechslung von Mikey Moore in der 68. Minute schallten „Wagner raus”-Rufe durchs Stadion. Nach dem Abpfiff legten die Fans nach: Zu einem Pfeifkonzert kamen erneut und noch lautere Rufe gegen den Coach.
„Die Erwartungshaltung hier im Stadion ist riesig. Es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen. Bei solchen Vereinen möchte man als Trainer arbeiten. Nichtsdestotrotz gehört es dazu, dass wir zu Hause versuchen, so ein Spiel zu gewinnen. Das haben wir getan”, sagte Wagner zum Fan-Frust und sah insgesamt „ein gerechtes 0:0”, betonte aber zugleich: „Am Ende fühlt sich der Punkt vielleicht zu wenig an.”
Derweil beschäftigte auch die Spieler die Situation rund um die Trainer-Kritik. „Ich kann das nicht verstehen. Es ist emotional, da kommt so etwas zustande. Aber da müssen wir drüberstehen, müssen bei uns bleiben und das ausblenden”, sagte Luca Waldschmidt. „Die Fans dürfen sauer sein, aber das hat mit dem Trainer hier nichts zu tun“, pflichtete Offensivkollege Said El-Mala bei, der mit einem Schubser einen schweren Zusammenprall der Schalker Soufiane El-Faouzi und Robin Gosens mitverursacht hatte.
Dass sich Spieler in dieser Art vor ihren Trainer stellen müssen, ist auf Schalke aktuell undenkbar. Unter den Eindrücken der Aufstiegssaison kommt niemand in Gelsenkirchen auf die Idee, Miron Muslic in Zweifel zu ziehen. Mit dem Aufstieg hat sich der 44-Jährige auf Schalke einen Kredit erworben, von dem sein Kölner Trainerkollege Wagner nur träumen kann – und das, obwohl die Geißböcke mit zwei Punkten mehr auf Rang elf fünf Plätze vor Schalke rangieren.
Am Saisonende wäre der FC mit einer solchen Platzierung wohl komplett im Soll, angesichts der spielerischen Armut interessiert das aber mindestens einem lautstarken Teil der Kölner Fans herzlich wenig. Auch in dieser Hinsicht zeigen sich Muslics Privilegien auf Schalke, schließlich geizen auch die Schalker derzeit mit Durchschlagskraft und Torgefahr. Aus der Ruhe bringt das den Verein und sein Umfeld allerdings nicht, obwohl die sportliche Situation keinen Anlass zu gefährlicher Zufriedenheit gibt.
Allein mit moderateren Ansprüchen eines Aufsteigers ist Muslics komfortable Situation nicht zu erklären, sondern ein Resultat guter und sachlicher Arbeit über Monate. Mit dem noch bis 2028 gebundenen Österreicher hat Schalke auf der Trainerposition endlich jene Kontinuität, die am Dom gerade wieder bedenklich bröckelt. mit dpa