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3:2-Sieg nach echtem Nervenkrimi: Wie sich Werder Bremen gegen den FSV Mainz 05 trotz einiger Schwachstellen durchsetzte – die Taktik-Analyse!
Mainz – Der SV Werder Bremen ohne Nervenkitzel? Unvorstellbar in dieser Saison! Gegen den FSV Mainz 05 erwischt Werder zwar einen Sahnestart. Nach einer halben Stunde fanden die Mainzer jedoch die Schwachstellen im Bremer System. Warum die Grün-Weißen am Ende dennoch 3:2 triumphierten, analysiert unser Kolumnist Tobias Escher in der Taktik-Analyse.
Daniel Thiounes Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Nachdem Werder Bremen zuletzt dreimal in Folge einen 0:2-Rückstand aufholen musste, wünschte sich der Bremer Trainer nichts sehnlicher als einen frühen Führungstreffer. Gesagt, getan! Gegen Mainz 05 lag Werder bereits nach sieben Minuten in Führung, nach 25 Minuten folgte das zweite Tor. Einen ruhigen Nachmittag verlebte Thioune dennoch nicht. Sein zweiter Wunsch ging nämlich nicht in Erfüllung: Auch gegen Mainz blieb Werder nicht ohne Gegentor. So mussten die Bremer bis zum Abpfiff zittern. Am Ende brachten sie den 3:2-Erfolg über die Ziellinie, auch weil Thioune in der zweiten Halbzeit die richtigen Wechsel vornahm.
Vielleicht lieferte bereits die Startformation das erste Omen, dass dieses Werder-Spiel anders verläuft als die vorherigen. Erstmals seit dem zweiten Spieltag nahm Thioune eine Änderung in der Startelf vor: Mitchell Weiser begann anstelle von Eren Dinkci. Weiser und Chuki besetzten abwechselnd den rechten Flügel, der jeweils andere agierte als Zehner hinter Mittelstürmer Niclas Füllkrug.
Mit der leicht veränderten 4-2-3-1-Startformation fand Werder Bremen schnell in die Partie. Der Mainzer Coach Urs Fischer ließ seine Elf im für ihn typischen 5-3-2 verteidigen. Thiounes Mannschaft fand die richtigen Lösungen: Im Aufbau achteten die Bremer darauf, gegen den Mainzer Zwei-Mann-Sturm eine Überzahl zu kreieren. Meist bildete Linksverteidiger Olivier Deman einen Dreier-Aufbau mit Amos Pieper und Marco Friedl. Ab und an ließ sich auch Sechser Youri Regeer fallen. In diesen Momenten rückte Deman ins zentrale Mittelfeld vor.
Dank dieser Überzahl im Aufbau konnten sich die Bremer in der ersten halben Stunde ein klares Übergewicht herausspielen. Ihr Ballbesitzwert lag bei über 65 Prozent. Immer wieder kamen sie über die Flügel gefährlich vor das gegnerische Tor. Die Grün-Weißen öffneten immer wieder Lücken auf dem Flügel, indem sie mit mehreren Spielern das Zentrum besetzten. Deman, Ludovit Reis, Chuki und Weiser besetzten den Halbraum. Die Mainzer Außenspieler rückten weit ein, um ihren jeweiligen Gegenspieler zu verfolgen. Das öffnete wiederum Platz auf den Flügeln: Auf rechts zeigte Arthur eine starke Leistung, auf links bot sich Marco Grüll an. Sie holten die beiden Elfmeter heraus, dank derer Werder Bremen nach 25 Minuten 2:0 führte.
Die erste halbe Stunde ging klar an den SV Werder Bremen. Danach zog Fischers Team die richtigen Schlüsse aus der schwachen Anfangsphase. Der FSV Mainz 05 startete das Pressing fortan aus einer 3-4-3-Formation. Dazu unterstützte Zehner Nadien Amiri die beiden Stürmer. Werder verlor gegen das aggressive Pressing der Mainzer mehr Bälle. Zugleich intensivierten die Hausherren ihr eigenes Spiel über die Flügel. Sie nutzten ähnliche taktische Mittel wie Werder: Stürmer Sheraldo Becker rückte zusammen mit den Achtern nach außen. Werders Außenverteidiger sahen sich nun mit mehr Gegenspielern konfrontiert. Besonders Bremens linke Seite kam nun häufig unter Druck. Deman ließ sich leicht aus seiner Position herausziehen, sodass Caci häufig freistand. Der Mainzer Rechtsverteidiger erzielte den ersten Mainzer Treffer (33.) und leitete den zweiten ein (63.).
Daniel Thioune versuchte bereits in der Pause gegenzusteuern. Er wechselte Deman aus und brachte dafür Mick Schmetgens. Der Juniorennationalspieler ging auf die rechte Verteidigerposition. Dadurch wechselte Arthur auf die linke Seite. Zwar bekam Arthur seine Seite defensiv etwas besser in den Griff. Dafür hatte Schmetgens auf rechts große Mühe, den ausweichenden Becker zu verteidigen.
Nach 59 Minuten stellte Thioune das Spielsystem um. Mit Oskar Wojcik (für Weiser) kam ein dritter Innenverteidiger. Werder verteidigte fortan in einer 5-4-1-Formation. Zwar schoss Werder kurz darauf nach einem Konter über Arthurs linke Seite das 3:1 (61.). Der Mainzer Belagerungszustand hielt jedoch weiter an: Lee köpfte das 2:3. Auch danach kam Mainz zu zahllosen Flanken, immer wieder kam Stürmer Philipp Tietz im Strafraum zum Kopfball. Werder Bremen hatte auch in der neu formierten Fünferkette große Mühe, die insgesamt 36 Mainzer Hereingaben zu klären.
Während Thiounes erste Wechsel eher verpufften, hatten seine späteren Veränderungen einen positiveren Einfluss auf das Spielgeschehen. Vor allem die Einwechslung von Eren Dinkci (72., für Chuki) belebte das Bremer Spiel: Die Werderaner hatten nun wieder mehr Tempo im Umschaltmoment. Sie konnten ihre unter Druck geratene Abwehr besser entlasten. Zugleich funktionierte die Zuteilung im 5-4-1-System fortan besser: Dinkci kam zumeist über links, während Grüll die rechte Seite besetzte.
Die Bremer profitierten auch davon, dass die Mainzer Wechsel nicht aufgingen. Fischer hatte gute Gründe, bis zur 75. Minute überhaupt nicht zu wechseln: Seine Mannschaft dominierte die Partie. Die eingewechselten Spieler konnten das bisher gezeigte Niveau nicht halten. Auch die späte Umstellung auf ein offensives 4-3-3-System schadete den Mainzern mehr, als sie ihnen half. Nachdem die Hausherren zwischenzeitlich Chance um Chance vergeben hatten, trudelte die Partie in den Schlussminuten eher aus.
Thioune dürfte sich einen anderen Spielverlauf gewünscht haben. Zwischenzeitlich schwamm Werder Bremens Defensive arg gegen einen Gegner, der offensiv außer Flanken wenig anbot. Am Ende stehen trotzdem drei Punkte – ohne dass Werder abermals einem Rückstand hinterherjagen musste. Das sind die Bremer Anhänger in dieser Saison gar nicht mehr gewohnt. Manchmal gehen Wünsche eben doch in Erfüllung.