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Normales Foul oder Straftat: Die Justiz ermittelt zum Tod von Jesús de Miguel (CD Teneriffa)
Der Zusammenprall: Andorras Torhüter Jesús Owono (schwarzes Trikot) räumt Teneriffas Angreifer Jesús de Miguel ab.

Wer im Fußball nicht mehr weiter weiß, fragt Jorge Valdano. Der ehemalige argentinische Stürmer, 71 Jahre alt, ist ein Fußballphilosoph. Heute ein trauriger. „Fußball ist das genaue Gegenteil des Todes“, schreibt er nach dem Tod von Jesús de Miguel. „Der Tod lässt keine Revanche zu und bietet auch nicht den Trost einer nächsten Saison. Fußball ist Leben: ein emotionaler Höhepunkt, der den Alltag durchbricht, und in seiner Eigenschaft als Spiel ein Zufluchtsort, der uns vor der Wirklichkeit in Schutz nimmt.“

Doch vor dieser Wirklichkeit gibt es keinen Schutz: Nach dem Zusammenprall mit dem Torhüter des FC Andorra, Jesús Owono, in einem spanischen Zweitligaspiel am Montag ist der Stürmer des CD Teneriffa Jesús de Miguel am Dienstagmorgen auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Santa Cruz (Teneriffa) gestorben. „Vielleicht veranlasst uns unsere Unfähigkeit, den Zufall zu erklären, dazu, nach Schuldigen zu suchen. Es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass ein Unglück dieser Größenordnung keinen Verantwortlichen hat“, schreibt Valdano. „Lasst uns keine Schuldigen suchen. Bei so viel Leid reicht ein Opfer.“

Lasst uns keine Schuldigen suchen. Bei so viel Leid reicht ein Opfer.

Jorge Valdano, argentinische Fußballlegende, zum Tod von Jesús de Miguel

Doch die Wege der Justiz sind andere. Die Frage, die sie zu beantworten hat, ist: „Wann ist ein Schlag im Sport kein Unfall mehr, sondern wird zu einer Straftat?“ So fasst die Strafrechtsanwältin María Barbancho die Herausforderung zusammen.

Mordkommission hat Ermittlungen aufgenommen

Auf Teneriffa hat sich die Mordkommission der Nationalpolizei des Falles angenommen, was noch dramatischer klingt, als es ohnehin schon ist. Zu jedem außergewöhnlichen Todesfall muss die Justiz Ermittlungen aufnehmen, erklärt der Obere Gerichtshof der Kanarischen Inseln, und die Mordkommission ist in diesem Fall das Werkzeug der Justiz.

„Genau das ist die Aufgabe des Rechts“, schreibt die Anwältin Barbancho in ihrem Artikel für El Mundo, der besten Reflexion in der spanischen Presse über den Fall de Miguel. „Weder Trost noch Skandal. Eine sachliche Analyse gravierender Tatsachen, durchgeführt mit der Strenge und Genauigkeit, die das Opfer verdient, und mit dem Respekt, den das Verfahren auch dem Beschuldigten gewährt. Beides zugleich. Das ist es, was Jesús de Miguel, der 30 Jahre alt war und nicht vom Spiel zurückkehrte, zu Recht erwarten darf.“

Unterschiedliche Betrachtungsweisen des Falls

Barbancho lässt sich, anders als Juristenkollegen, nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten, wie etwa der Anwalt Víctor Ávila, der auf seiner Website schreibt: „Meiner Meinung nach lassen die Bilder den Schluss zu, dass die Aktion (des Torwarts, Anmerkung der Redaktion) über einen gewöhnlichen Spielzug hinausging.“ So argumentierte auch sein Kollege Emilio Cortés in einem Radiointerview: Für ihn gehe das Verhalten des Torhüters „offensichtlich weit, weit, weit über das hinaus, was unter dem Begriff des zulässigen Risikos oder der gesellschaftlichen Angemessenheit verstanden werden kann“.

Im Gegensatz dazu hält es der leitende Oberstaatsanwalt von Santa Cruz de Tenerife, José Luis Sánchez-Jáuregui, für „sehr schwierig“, dass ein Strafverfahren gegen Owono eingeleitet wird. Er interpretiert die bisherige Rechtsprechung des spanischen Obersten Gerichtshofes so, dass „Verletzungen im Bereich des Sports nicht strafbar“ seien.

So eindeutig ist aber alles nicht, weder in die eine Richtung noch in die andere.

Sechs Jahre Gefängnis nach Tritt in den Nacken

Der Oberste Gerichtshof befasste sich im vergangenen Jahr mit einem Fall übler Gewalttätigkeit auf dem Fußballrasen, allerdings nicht während des Spiels, sondern während einer Spielunterbrechung: Ein zuvor vom Platz gestellter Spieler einer Veteranenliga rannte zurück aufs Feld und trat einem anderen mit Anlauf in den Nacken. Sein Opfer ist seitdem Tetraplegiker, der schwersten Form der Querschnittslähmung. Der Täter kam mit sechs Jahren Gefängnis davon.

Große Anteilnahme: Fans legen in Santa Cruz de Tenerife Blumen, kränze und Schals für den verstorbenen Jesús de Miguel ab. Quelle: Getty Images

Im Urteil über diesen Fall berührte Spaniens höchstes Gericht auch die Gefahren eines gewöhnlichen Spiels. Die Spieler wüssten von ihrem Verletzungsrisiko – „die Rechtsordnung erlaubt ein Maß an Körperkontakt, das in einem anderen Kontext inakzeptabel wäre“, schreibt die Anwältin Barbancho. Aber dies schließe nicht das Risiko ein, körperlich von einem anderen angegriffen zu werden. Dass ein Spieler den anderen verletzt, sei nur hinnehmbar, wenn es „durch einen zufälligen Spielzug“ geschieht, argumentiert das Gericht. Die Problematik: „Die Absicht lässt sich nicht fotografieren.“

Es wären also vier Möglichkeiten zu unterscheiden: Der Torhüter wollte den Stürmer verletzen; er hat die Möglichkeit der Verletzung einkalkuliert und hingenommen; er hat seinen Gegenspieler mit einer gefährlichen Aktion fahrlässig verletzt, ohne vorher darüber nachzudenken; oder nichts von dem: Es war ein unglücklicher Spielzug mit fatalem Ergebnis. Was davon am Montag geschah, ist nicht so einfach zu ergründen.

„Die Beweisschwierigkeit bedeutet, dass die Ermittlungen fachlich fundiert, gründlich und langwierig sein müssen und nicht durch den üblichen Druck der ersten Stunden nach dem Vorfall beeinflusst werden dürfen“, schreibt Barbancho. „Sie erfordern forensische Mittel, die weit über Zeugenaussagen und Fernsehbilder hinausgehen.“ Die Gerechtigkeit braucht ihre Zeit.

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