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„Für mich geht es jetzt darum, das Beste aus der Situation zu machen. Gerade geht es darum, mein Gesicht zu zeigen und meine Überzeugung: Ich bin noch hier, ich bin nicht weg“, sagte Aleksander Aamodt Kilde. Im Oktober 2024 war das, in Sölden, wenige Tage vor dem Auftakt zu einer Saison, die ohne ihn stattfinden würde. Diese Entscheidung hatte der Norweger damals schweren Herzens getroffen und voller Tapferkeit ertragen, nach mehreren Operationen in den Monaten zuvor: Im Januar 2024 war Kilde damals in Wengen schwer gestürzt, zog sich eine Schulterluxation zu und eine tiefe Schnittwunde mit Nervenschaden am Oberschenkel. Dazu kam in den Monaten darauf eine Gelenkentzündung mitsamt einer Blutvergiftung.
Mit anderen Worten: Aleksander Aamodt Kildes Karriere geriet im Jahr 2024 in Gefahr, er ließ die Saison ausfallen und pausierte insgesamt 22 Monate. Dann geriet sie im Jahr 2025 noch einmal in Gefahr, weil sein Körper immer wieder Überreaktionen auf normale Trainingseinheiten zeigte, Kilde ließ deshalb die Olympischen Spiele im Februar ausfallen. Nun, im Oktober 2026 steht die Fortsetzung der großen Wintersport-Karriere des 34-Jährigen wohl erneut auf dem Spiel: Während eines Trainingslaufs in Chile hat sich Kilde bei einem Sturz die Achillessehne gerissen.
Ski-Alpin-Saison 2026/27
:Von Slalom bis Abfahrt: der Weltcup-Kalender zu allen RennenMehr als 40 Rennen, rund 20 Weltcup-Stationen und eine WM: Die neue Ski-Alpin-Saison startet Ende Oktober in Sölden. Wir geben einen Überblick, wann wo welcher Wettbewerb stattfindet.
Im Skigebiet La Parva hielt sich Kilde zum zweiten Mal in diesem Jahr auf, um die dort günstigen Schneebedingungen zu nutzen. Die Reisestrapazen mögen enorm sein, gerade für die Fahrer in den schnellen Disziplinen Abfahrt und Super-G. Doch weil deren Saison erst in einigen Wochen beginnt, nutzte Kilde (wie auch das österreichische Team) die Gelegenheit für mehr Trainingsläufe in Lateinamerika. Die machten Hoffnung: Vor wenigen Wochen erst zeigte sich Kilde in einem Video auf seinem Instagram-Kanal beim Training voller Vorfreude und in guter Stimmung unter den Kollegen, die er so lange nicht regelmäßig hatte sehen können.
Nun trifft er, so verkündete es der norwegische Skiverband am Donnerstag, auf ein „vertrautes medizinisches Team“. Nach seiner Verletzung reiste Kilde zurück nach Innsbruck, wo er gemeinsam mit seiner Verlobten Mikaela Shiffrin lebt. Die medizinische Betreuung des Patienten Kilde wird dort stattfinden, die Behandlungsmöglichkeiten werde man „gemeinsam ausloten“, so die Information in der offiziellen Mitteilung. Nähere Angaben, etwa zur Ausfallzeit, macht der Verband noch nicht.
Für den alpinen Skisport beginnt die Saison damit schon vor dem Start in Sölden in der kommenden Woche mit einer gewohnten Nachricht: Die Verletzung von Kilde ist erneut eine Erinnerung an die enormen Belastungen gerade in den Speed-Disziplinen, in denen sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen zahlreiche Ausfälle zu beklagen sind. Um Lindsey Vonns Rückkehr etwa gab es zuletzt kurzzeitig Debatten, als sie im Kader des US-Skiteams auftauchte. Ihr stehen nach der schweren Verletzung bei Olympia in Cortina allerdings weitere Reha-Monate bevor, ehe überhaupt wieder ans Skifahren zu denken sein dürfte.
Bei den Männern sollte das Comeback des wiedererstarkten Kilde auch eine Lücke auffüllen. Die Speed-Disziplinen dominierte in den vergangenen zwei Jahren fast ausschließlich das Schweizer Duo aus Marco Odermatt und Franjo von Allmen, die ohne Frage brillante Athleten sind. Allerdings profitierten sie auch davon, dass unter anderem der Norweger als großer Konkurrent wegen Verletzungen ausfiel. In seinen besten Jahren, zwischen 2021 und 2023, dominierte Kilde fast nach Belieben. 21 Siege und 48 Podestplätze hat er errungen. Besonders legendär verlief die Saison 2022/23, als er mit Lake Louise, Beaver Creek, Gröden, Wengen und Kitzbühel fast alle Klassiker der Saison gewinnen konnte.
Es sind diese vielen positiven Erinnerungen aus einer anderen, besseren Phase seiner Laufbahn, die den tapferen Kilde nun erneut antreiben müssen, durch eine weitere Verletzung hindurch. Ihm ist das schon einmal gelungen: „Seine Positivität und sein Glauben während seiner Verletzung und der Reha waren eine besondere Inspiration für mich“, sagte Shiffrin einst über ihren Verlobten, beide seien in den vergangenen Jahren füreinander „ein Fels in der Brandung“ gewesen. Auch diesmal erreichten Kilde umgehend zahlreiche Solidaritätsbekundungen von anderen Skisportlern.
Angesichts der Tragik der Geschichte wirkten manche allerdings auch einfach resigniert. „WTF“, so lautete etwa der kurze Kommentar von Felix Neureuther bei Instagram: was zur Hölle.