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Seit Monaten spielen einige Formel-1-Teams mit einem bizarren Kniff rund um die Regeln der neuen Hybrid-Motoren mit dem Feuer. In Mexiko ist es so weit, das von Mercedes erfundene und von anderen kopierte Austricksen einer Elektro-Regel fordert ein Opfer. Liam Lawson verpatzt das Prozedere, wird komplett vom Qualifying ausgeschlossen und muss im Rennen von ganz hinten starten.
Hier geht es um die in den Artikeln C5.12.6 und C5.12.7 festgehaltenen vorgeschriebenen Reduktionsraten der Elektroleistung. Diese darf nämlich nicht beliebig reduziert werden, während der Fahrer voll am Gas steht. Das ist sinnvoll, vor allem aus Sicherheitsgründen. Die maximale Elektro-Leistung der neuen 2026er-Motoren kann schließlich bis zu 350 kW und damit die Hälfte der Gesamtleistung ausmachen.
Das Reglement verlangt daher, dass bei Vollgas die Elektro-Leistung nur stufenweise zurückgefahren werden darf, nämlich um maximal 100 kW pro Sekunde. Damit soll verhindert werden, dass ein Auto beispielsweise mit 700 kW raus auf einer Geraden beschleunigt, dann plötzlich die Elektro-Leistung kappt und von einer Sekunde auf die andere nur mehr 350 kW aus dem Verbrenner zur Verfügung hat, was den Hinterherfahrenden überraschen könnte.
Im Qualifying störten sich die Teams seit Saisonbeginn daran. Denn Ziellinien liegen stets auf Geraden, damit in Vollgas-Bereichen, und das bedeutet, dass man Elektro-Leistung während der Qualifying-Runde sparen muss, um auch nach dem Überfahren der Ziellinie noch genügend in der Batterie zu haben, um die stufenweise Rücknahme erfüllen zu können.
Die Teams wollen aber die Batterie bis zur Linie komplett leeren und dann sofort abdrehen. Nachdem die FIA ein Schlupfloch mit einem Notfall-Modus zu Saisonbeginn stopfte, kam Mercedes am Silverstone-Wochenende mit einer neuen Idee um die Ecke. Die stufenweise Rücknahme gilt nämlich nicht, wenn der Fahrer aktiv vom Gas geht. Ein vom Gas gehender Fahrer will ja schließlich verzögern - er will gar keine Leistung, weder vom Verbrenner noch von der Batterie.
Mercedes trainierte seinen Fahrern an, auf Strecken, bei denen die Ziellinie noch nah auf die letzte Kurve folgt, rechtzeitig vom Gas zu gehen, ehe die Batterie leer war und die Rücknahme-Regel nicht erfüllen konnte. Das kann man beispielsweise mit einem Audio-Ton für den Fahrer vereinfachen. Ähnliche Audio-Signale gibt es auch, um Fahrer etwa auf Schaltzeitpunkte hinzuweisen.
Das Problem ist offensichtlich. Es ist ja Sinn und Zweck des Tricks, die Batterie bis zur Ziellinie fast komplett zu leeren und sich damit einen Leistungs-Vorteil zu verschaffen. Geht der Fahrer also nicht rechtzeitig vom Gas, ehe die Batterie leer ist, kann das Auto mit der leeren Batterie die stufenweise Rücknahme nicht mehr erfüllen. Das ist ein Verstoß gegen Artikel C5.12.6 des Technischen Reglements. Und jeder Verstoß gegen das Technische Reglement erfordert eine sofortige Disqualifikation.
Die Teams spielten trotzdem mit dem Feuer, weil es einfach zu verlockend ist, die Batterie bis zur Ziellinie voll auszuquetschen und ein bisschen mehr Beschleunigung raus aus der letzten Kurve zu haben. Immer mehr Hersteller kopierten es. Dass es bei irgendjemandem irgendwann schiefgehen musste, davon gingen einige im Fahrerlager schon lange aus. Bei Liam Lawson ist es jetzt so weit.
Alle RBPT-Ford-Autos setzten in Mexiko den Trick im Qualifying kontinuierlich ein. Sie mussten kurz nach der Ziellinie dafür vom Gas. Lawson verpasste das Timing in seinem letzten Q2-Versuch deutlich. Seine Ingenieure sahen das sofort. Im Wissen, dass es auch die FIA-Techniker potenziell bald sehen würden, erstatteten die Racing Bulls umgehend Selbstanzeige.
Die Verteidigung des Teams in der Anhörung zeugte eher von Verzweiflung. Es sei kein Performance-Vorteil gewesen, weil das alles ja erst nach dem Ende einer schnellen Runde geschah, und man habe sich sofort gemeldet. Das hilft nur alles nichts. Ein Auto, welches gegen das Technische Reglement verstößt, ist schlicht nicht zulässig und muss disqualifiziert werden. Lawson muss also das Rennen vom letzten Startplatz aufnehmen.
Ob die Episode den Teams die Spielereien austreibt, darf bezweifelt werden. Es ist eben immer noch ein Performance-Vorteil im Qualifying, wo sogar Tausendstel Positionen entscheiden können. Dass es die Fahrer nicht mögen, ist kein Geheimnis. Kimi Antonelli sprach schon in Silverstone davon, wie "unnatürlich" es sei. Aber diese Beschreibung trifft auf einen Großteil der Energiemanagement-Eigenheiten der 2026er-Motorgeneration so oder so zu.