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Das erste Treffen fand in einem Hotel statt. Benjamin Weber und Michael Ströll waren nach München gefahren, um sich bei Arijon Ibrahimovic zu erkundigen, ob er einem möglichen neuen Arbeitsplatz positiv gegenüberstehe. Beim FC Bayern hatte er in der anstehenden Bundesliga-Saison die Aussicht auf zu wenige Einsatzminuten. Zumindest zu wenige nach seinem eigenen Verständnis. Also schien ein Ortswechsel eine gute Möglichkeit, das zu ändern. Es dauerte nicht lange und die Einigung war da. Ibrahimovic ließ sich kurz vor Ende des Transferfensters im Sommer noch für 500.000 Euro zum FCA verleihen – samt einer Kaufoption von etwa acht Millionen Euro.
Ströll und Weber hatten ihn damals in München überzeugt. Auch das Gespräch mit Trainer Manuel Baum noch am selben Tag bekräftigte ihn in seiner Entscheidung. „Vom ersten Gespräch an habe ich gemerkt, dass der FCA der richtige Schritt ist“, sagt Ibrahimovic nun. Denn: „Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich wurde sehr gut aufgenommen von der Mannschaft und dem Umfeld.“
Der Offensivspieler wusste, dass es in München schwierig wird. Die Konkurrenz im Angriff ist groß. Wenngleich ihm Spielzeit in Aussicht gestellt wurde, hatte er nicht die Geduld. „Ich möchte so viel wie möglich spielen und nicht auf die Einsatzminuten bei den Bayern warten müssen“, erzählt er im Bauch der Augsburger Arena. Entspannt wirkt der 20-Jährige. Mit sich im Reinen. Weil es auch sportlich für ihn ordentlich läuft.
Beim Pokalerfolg in Großaspach hatte er zum 3:2 getroffen. Es war nicht nur ein wichtiges Tor, sondern auch ein schönes. Ein Schuss aus der Ferne, perfekt im Eck des Tores platziert. „Ich komme immer besser in meinen Rhythmus und kann der Mannschaft helfen. Ich möchte mehr Verantwortung übernehmen“, sagt er. Beim Drittligisten war er eingewechselt worden, wenige Tage später stand in der Bundesliga im Heimspiel gegen den SC Freiburg in der Startelf.
Die Augsburger verloren diese Partie trotz guter Leistung mit 1:2. Damit warten sie seit sechs Partien auf einen Erfolg in der Liga. Schwierige Zeiten, mehr aber auch nicht, betont Ibrahimovic. „Krise würde ich es nicht nennen. Wir müssen weiter zusammenhalten, hart arbeiten und die Fehler abstellen, dann werden wir bald wieder Spiele gewinnen“, sagt der Angreifer. „Das Spielt ist abgehakt. In der Videoanalyse haben wir nochmal gesehen, dass wir eigentlich ein gutes Spiel gemacht haben“, erklärt er.
Trainer Manuel Baum war nach der Partie dennoch sehr ungehalten. „Ich habe den Trainer noch nie so erlebt. Er war zu Recht sauer“, sagt Ibrahimovic. Weil er wie viele andere gemerkt habe, dass an diesem Tag viel mehr möglich gewesen wäre. Der FCA hätte gegen den Tabellendritten gewinnen können. Das hätte die Gesamtsituation beruhigt. So aber wächst der Druck vor dem nächsten Spiel am Samstag (15.30 Uhr) bei RB Leipzig.
Die Gastgeber haben zuletzt überzeugt, aber noch immer Schwankungen in ihren Auftritten. „Ich bin überzeugt, dass wir dort etwas holen können“, sagt denn auch Ibrahimovic. Spielstark seien die Leipziger mit vielen schnellen Einzelkönnern. Die aber hat auch der FCA. Mit Ibrahimovic und Anton Kade auf den offensiven Außenbahnen. Viele Tiefenläufe sind gefragt und viele Sprints. Genau das, was Ibrahimovic gut liegt – vor allem, wenn er perfekte Bälle in den freien Raum bekommt. Von Michael Gregoritsch etwa, dessen Stärke genau dort liegt.
Der 20-Jährige aber weiß genau, dass es auch noch einige Arbeit für ihn gibt. „Vor dem Tor muss ich noch konsequenter und kaltschnäuziger werden. Und die Leichtsinnsfehler abstellen, die ich ab und zu noch drin habe“, sagt er. Bei den Bayern hatte er in der Vorbereitung ab und an spielen dürfen. Dennoch entschied er sich für eine weitere Leihe. Bereits zuvor war er zweimal nach Italien und zuletzt nach Heidenheim verliehen worden. Jetzt eben zum FC Augsburg, der zudem eine Kaufoption besitzt.
Wie es für ihn nach dieser Saison weitergeht? So weit möchte der 20-Jährige noch nicht nach vorne blicken. „Ich fokussiere mich jetzt ganz auf den FCA. Es spielt noch keine Rolle, was danach ist“, sagt er. Rückkehr nach München oder doch Augsburg, es gibt verschiedene Möglichkeiten. Ibrahimovic kann nicht viel mehr tun, als sich mit guten Leistungen zu empfehlen.
Von der Qualität des Augsburger Kaders ist er überzeugt. Es sei einiges möglich in dieser Saison. Aber: „Wir tun gut daran, uns nur auf Leipzig zu fokussieren. Es ist nicht der Moment, so weit in die Zukunft zu schauen und über Saisonziele zu sprechen“, sagt er. Wichtig sei es, weiter mutig aufzutreten. Das sei im Fußball immer entscheidend. Nur wer etwas riskiere, könne auch etwas erreichen. Was auch immer das am Saisonende beim FC Augsburg sein könnte.
So könnten sie spielen: Dahmen – Keitel, Gouweleeuw, Matsima – Fellhauer, Massengo, Rieder, Behrens – Kade, Ibrahimovic – Gregoritsch.