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Serie A: Darf Lazio von der ersten Meisterschaft seit 2000 träumen?

Das Rennen um den Scudetto könnte in dieser Saison besonders spannend werden und unter Umständen einen überraschenden Sieger hervorbringen. Lazio Rom ist mit einer imposanten Bilanz und einer ausgesprochen beeindruckenden Defensivleistung in die Spielzeit 2026/27 gestartet. Nach neun Runden stehen bei den Römern erst sieben Gegentore zu Buche, dazu kommen acht Siege und ein Unentschieden.

Zuletzt besiegte Lazio Juventus sogar in dessen eigenem Stadion verdient mit 3:0. Auch Sassuolo wurde auswärts mit 6:2 regelrecht überrollt. Die Mannschaft hat sich damit an der Spitze der italienischen Liga festgesetzt und lacht von Platz eins. Nun stellt sich ernsthaft die Frage: Können die Biancocelesti tatsächlich um den Scudetto mitspielen und damit erstmals seit dem Jahr 2000 wieder italienischer Meister werden?

Gattusos Trainerkarriere: Licht und Schatten

Mit Gennaro Gattuso steht in Rom zwar kein erfolgloser Trainer an der Seitenlinie, allerdings auch kein ausgewiesener Titelgarant oder Wundercoach. Was man ihm nicht absprechen kann, ist seine mittlerweile immense Erfahrung, die er an seinen zahlreichen bisherigen Stationen sammeln konnte und nun offenbar bei Lazio erfolgreich einbringt. Gattuso trainierte unter anderem den FC Palermo, OFI Kreta, den AC Pisa, den AC Mailand, Napoli, Valencia, Olympique Marseille, Hajduk Split und zuletzt sogar die italienische Nationalmannschaft.

Mit dem SSC Napoli gewann Gattuso 2020 die Coppa Italia und Pisa führte er in die Serie B, konnte sich allerdings bei namhaften Klubs jedoch nicht dauerhaft etablieren. Seine Amtszeit als italienischer Nationaltrainer endete nach dem verpassten WM-Ticket 2026 ebenfalls mit einer herben Enttäuschung. Insgesamt verfügt er zwar über Erfahrung in mehreren europäischen Topligen, der endgültige Nachweis, dauerhaft auf höchstem Niveau erfolgreich sein zu können, steht aber noch aus.

Wie er das neu entfachte Feuer der Römer derzeit am Lodern hält, ist allerdings mehr als beeindruckend. Gattuso könnte sich als Glücksfall für Lazio erweisen, wenn es ihm gelingt, die Mannschaft auf diesem konstant hohen Niveau zu halten und möglicherweise sogar noch weiterzuentwickeln.

Umbruch und Neuausrichtung

Der Umbruch in Lazios Mannschaft ist unter Gattuso bislang hervorragend gelungen, doch nicht alles lief von Beginn an nach Plan. Im August schied Lazio überraschend mit einer 0:2-Niederlage gegen den Zweitligisten Mantova aus der Coppa Italia aus. Gerade angesichts des personellen Umbaus und der ohnehin schwierigen Stimmung im Klub war das ein ernüchternder Start. Schon bald kamen Zweifel auf, ob der ehemalige Milan-Star tatsächlich die richtige Trainerwahl gewesen sei.

Dass die Mannschaft in der Liga anschließend derart souverän auftrat, macht die Entwicklung umso bemerkenswerter. Lazio besticht dabei auch durch seine auffällige Auswärtsstärke: Alle fünf Spiele in der Fremde wurden eindrucksvoll gewonnen.

Eine tragende Säule dieses Erfolgs ist die defensive Stabilität. Lazio ließ in den ersten neun Ligaspielen lediglich sieben Gegentore zu. In den vier europäischen Topligen haben nur wenige Mannschaften noch weniger Treffer kassiert. Zudem hat das Team die verteilte Verantwortung zu einer seiner Stärken gemacht: Zwölf verschiedene Spieler haben nach neun Spieltagen bereits getroffen und teilen sich die Gesamtausbeute von 22 Toren. Das verringert die Abhängigkeit von einem einzelnen Torjäger, wie es in den Jahren zuvor etwa mit Ciro Immobile der Fall gewesen war.

Die bisherigen Leistungen sind umso höher einzuschätzen, da mit Adam Marušić, Nicolò Rovella und Albert Gudmundsson gleich drei wichtige Leistungsträger verletzungsbedingt ausfallen.

Gattuso hat zudem die Rollen einiger Spieler verändert. Akteure wie Nuno Tavares, Tijjani Noslin und Mattia Zaccagni dürfen unter dem neuen Trainer mehr Verantwortung übernehmen und zahlen das mit entsprechenden Leistungen zurück. Die Entwicklung der einzelnen Spieler zeigt, dass Gattuso bei Lazio ein glückliches Händchen zu haben scheint.

Beeindruckend ist auch die Effizienz der Römer. Sie verwerten ihre Chancen überdurchschnittlich gut, ohne dafür permanent das Spiel dominieren zu müssen. Interessanterweise gehört Lazio bei statistischen Kennzahlen wie Ballbesitz oder Tacklings keineswegs zur Ligaspitze. Nur in der wichtigsten Tabelle stehen die Römer – ex aequo mit Inter Mailand – ganz oben.

Mitverantwortlich für diese erfreuliche Entwicklung ist auch die jüngste Transferperiode. Auf der Zugangsseite standen unter anderem die Verteidiger Alfonso Pedraza, Danilho Doekhi und Josip Šutalo, Mittelfeldspieler Davide Frattesi sowie die Angreifer Andrea Pinamonti und Albert Gudmundsson. Allesamt Spieler, die dem Klub weiterhelfen können.

Historische Double-Saison 2000

Im Jahr 2000 gewann Lazio Rom sowohl die italienische Meisterschaft als auch die Coppa Italia. Ohne die damalige Leistung und den Erfolg vor 26 Jahren schmälern zu wollen, stand Erfolgstrainer Sven-Göran Eriksson allerdings ein Starensemble zur Verfügung, mit dem der heutige Kader wohl kaum mithalten kann.

Die Liste der damaligen Spieler liest sich wie ein Best-of der Neunzigerjahre: Siniša Mihajlović, Roberto Sensini, Alessandro Nesta, Paolo Negro, Diego Simeone, Dejan Stanković, Pavel Nedvěd, Alen Bokšić oder Simone Inzaghi gehörten zu jener Mannschaft, die am Ende mit nur einem Punkt Vorsprung auf Juventus Meister wurde.

Vielleicht braucht es diese großen Namen aber gar nicht, um große Erfolge zu feiern. Vielleicht entscheiden am Ende das Kollektiv, der Hunger, die Geschlossenheit, die Euphorie und eine Prise Abgezocktheit. All diese Komponenten scheinen bei den Weiß-Himmelblauen vorhanden zu sein.

Es stellt sich deshalb die Frage: Darf Lazio tatsächlich vom ersten Scudetto seit 2000 träumen?

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