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Kapitaler Fehler in Augsburg, dann verletzt: Manuel Neuer erlebt eine schwache Phase. Doch bedeutet das wirklich, dass Jonas Urbig das Bayern-Tor dauerhaft übernehmen sollte?
In den vergangenen Tagen gaben Manuel Neuer und sein Gesundheitszustand vor allem Rätsel auf. Der Keeper habe im Fuß Schmerzen gespürt, erklärte Bayern-Trainer Vincent Kompany noch vor einer Woche vor dem Spiel in Stavanger – trotzdem trat Neuer die Reise nach Norwegen an. Die offizielle Begründung: Man wolle die Entwicklung der Blessur beobachten.
Wenige Tage später war klar: Auch in der Bundesliga gegen RB Leipzig konnte der 40-Jährige nicht spielen. Und obwohl Neuer am Montag ins Teamtraining zurückkehrte, ist auch sein Einsatz für das Duell mit dem FC Arsenal am Mittwochabend fraglich.
„Es ist einfach bisschen Flüssigkeit im Fuß gewesen“, hatte Sportvorstand Max Eberl am Samstag verkündet. Doch statt Klarheit herrscht weiter Rätselraten.
Neuers Problem: Der letzte Eindruck, der von ihm blieb, war kein guter. Beim 2:2 beim FC Augsburg sorgte er mit seinem epochalen Fehler dafür, dass FCA-Profi Robin Fellhauer nach 8,4 Sekunden das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte erzielen konnte. Auch beim zweiten Gegentreffer gab der Keeper keine glückliche Figur ab.
Kein Wunder also, dass die Diskussion um seine Zukunft neu entfacht ist. An Neuers Sockel wird bereits gerüttelt und so mancher Beobachter hält Jonas Urbig mittlerweile für die bessere Option im Tor der Bayern. Zu Recht? Fakt ist jedenfalls, dass die „Noch-Nummer-1“ zunehmend im Fokus steht und dort bleibt.
„Manuel ist lange dabei. Du hast immer deine Neider und du hast immer Journalisten, die ihre Schlagzeilen brauchen. Das ist normal, das gehört dazu und das weiß Manuel“, sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus am Montag zu SPORT1. Und weiter: „Manuel weiß aber auch, wie der FC Bayern zu ihm steht.“ Neuer sei weiterhin die Nummer 1 im Kasten der Münchner – vor Jonas Urbig.
Dass ausgerechnet der 23 Jahre alte Ex-Kölner Neuers Stellvertreter ist, ist für den Routinier ein großer Glücksfall. Denn so sehr Urbig sportlich auch auf seine Chance drängt: Dass er seinen Mentor öffentlich attackiert oder gar dessen Ablösung fordert, ist derzeit kaum vorstellbar.
„Zwischen die beiden passt kein Blatt Papier. Urbig hat sich auf und neben dem Platz hervorragend verhalten. Er weiß, was er von Manuel Neuer gelernt hat und sogar noch lernen kann“, erklärte Matthäus. Deswegen sei Neuer „noch ein bisschen voraus“, aber: „Urbig wird sein Nachfolger. Nicht nur beim FC Bayern, sondern auch in der Nationalmannschaft.“
Dass die Münchner Nummer 2 maximale Loyalität mitbringt, konnte man zuletzt am Samstag beobachten, als Urbig erneut zum Loblied auf Neuer ansetzte.
„Was den Manuel schon immer ausgezeichnet hat, ist ja, dass er sich von nichts hat irritieren oder beunruhigen lassen. Sondern er ist immer bei sich geblieben und er bleibt auch immer bei sich und hat immer diese Ruhe in sich“, sagte er auf SPORT1-Nachfrage und fügte an, dass er auch das noch lernen könne. „Manuel ist ein ganz besonderer Charakter.“
So viel Rückendeckung Neuer auch erfährt: Seine größte Gefahr ist womöglich gar nicht der junge Herausforderer, sondern der eigene Körper. Denn was trotz all der Rückendeckung nachdenklich stimmen muss, ist die Tatsache, dass – wie so oft, wenn es um die Gesundheit der Keeper-Legende geht – eine regelrechte „Salami-Taktik“ gefahren wird.
Eberls ausweichende Aussagen zu Neuers Zustand fügen sich in eine lange Reihe ein. Zur Erinnerung: Auch vor der Weltmeisterschaft im Sommer musste die Rückkehr des Torwarts immer wieder verschoben werden. Zwar waren Neuers Beschwerden bekannt, doch wie schwerwiegend sie tatsächlich waren und wann er wieder einsatzfähig sein würde, blieb lange unklar. Konkrete Informationen gab es meist nur scheibchenweise.
Ähnlich irritierend verlief die Kommunikation im Dezember 2024, als sich Neuer im Pokalspiel gegen Leverkusen einen Rippenbruch zuzog. Zunächst war lediglich von einer Prellung die Rede, ehe Tage später die tatsächliche Diagnose bekannt wurde. Die Liste an Situationen, in denen die Bayern und ganz Fußball-Deutschland um Neuer bangten und lange im Dunkeln tappten, ließe sich fortführen.
Es ist vielleicht genau diese Erfahrung mit dem Routinier und seiner Gesundheit, die die Spekulationen und Diskussionen aktuell wieder aufflammen lässt. Denn sollte sich auch diese Verletzungspause länger hinziehen als erwartet, dürfte die Torwart-Debatte beim FC Bayern erneut an Fahrt gewinnen – dann vermutlich nicht zu Unrecht.
So loyal Urbig auch sein mag: Irgendwann könnte der Punkt erreicht sein, an dem nicht mehr die Frage entscheidend ist, ob Neuer noch besser ist als sein potenzieller Nachfolger. Sondern ob sein Körper überhaupt noch dauerhaft mitspielt.