flag
back Zurück
"Wir gehen aufs Ganze": Wie der FIS-Präsident den Nordischen Skisport retten will

Hat der Nordische Skisport nach dem Olympia-Aus der Nordischen Kombination eine Zukunft? Der neue FIS-Präsident Alexander Ospelt will den Sport u.a. mit jährlichen Weltmeisterschaften retten. Das sorgt für Kritik.

Wenn Politiker neu in ein bedeutsames Amt kommen, gehörte die 100-Tage-Frist einmal zum guten politischen und medialen Ton. 100 Tage zur Einarbeitung in neue Themen und zur eigenen Profilentwicklung. Diese Zeit zur Einarbeitung in Ruhe hatte Alexander Ospelt nicht. Der Liechtensteiner ist seit 11. Juni 2026 neuer Präsident des Welt-Skiverbandes FIS.

Ospelt: "Von Null auf 100"

"Zwei Tage nach meiner Wahl habe ich die Information zur Olympia-Entscheidung der Nordischen Kombination bekommen", blickt der 58-Jährige auf einen turbulenten Anfang seiner Amtszeit zurück: "Ich musste von Null auf 100 zum Experten für die Nordische Kombination werden." Der Rauswurf der traditionsreichen Sportart aus dem Olympia-Programm ab 2030 wird Ospelts Amtszeit maßgeblich bestimmen. Schon jetzt ist klar, dass Ospelt auch daran gemessen wird, ob die NoKo ins Olympia-Programm zurückkehrt.

Alexander Ospelt im Interview

Alexander Ospelt beim Forum Nordicum.

"Stellen alles auf den Prüfstein - auch Alpin"

"Wir gehen aufs Ganze", so das vollmundige Versprechen des Rechtsanwaltes. Kurz vor dem traditionellen Saisonstart des Alpin-Weltcups in Sölden erklärte Ospelt: "Wir stellen alles auf den Prüfstein, auch Alpin". Ospelt ist jetzt 134 Tage im Amt und stellte sich in dieser Woche auf dem Forum Nordicum im tschechischen Nove Mesto erstmals einer Öffentlichkeit internationaler Wintersport-Journalisten. Seine Botschaft: "Wir müssen in allen Bereichen besser werden. Und wir können besser werden."

Kritik an Ex-Präsident Eliasch: "Ein Chaos"

Dabei spart der einstige Chef des Liechtensteiner Skiverbandes nicht an Kritik an Ex-FIS-Präsident Johan Eliasch, gegen den er sich im Juni in einer Kampfabstimmung nur knapp mit 65:64 Stimmen durchsetzte. "Er hat ein Chaos hinterlassen", sagt Ospelt mit Blick auf die Finanzen der FIS. "Da waren viele bilaterale Verträge, die nur per Handschlag gemacht wurden", so Ospelts Kritik an kleinen TV-Verträgen. "Die einstige Führungsspitze hat die Warnungen aus dem IOC einfach ignoriert", sagt Ospelt zum Aus der Nordischen Kombination.

Jährliche WM ab 2032?

Größere Sichtbarkeit, neue Märkte, neue Formate, Zulassen neuer Materialien – so lässt sich die Agenda des neuen FIS-Präsidenten zusammenfassen. Als ein Herzstück seiner Präsidentschaft verteidigt Ospelt dabei die Pläne jährlicher Ski-Weltmeisterschaften. "Wir können damit mehr Wert für unser System generieren", formuliert der Rechtsanwalt und Treuhänder etwas umständlich. Und wird dann im Sportschau-Interview konkreter: "Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, dass Sportler mit einer WM-Medaille deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten."

Seine ursprüngliche Idee, bereits 2028 mit dem Jahres-Rhythmus zu starten, zog Ospelt nach heftigem Gegenwind schnell zurück. An einer Premiere des neuen Formats ab 2032 hält er aber fest: "Es muss doch möglich sein, in einer Saison zwei Höhepunkte zu vereinen. Wir haben einerseits den Weltcup, wo wir den besten Skifahrer der Saison küren. Und dann haben wir die Weltmeisterschaften, wo man zeigen kann, dass man an einem Tag top ist. Das erfordert auch eine andere mentale Verfassung."

Kürzeres WM-Programm - mehr Länder

Ospelt will vor allem kleinere Verbände und Länder einbinden, die nicht aus der traditionellen mitteleuropäischen Wintersport-Blase kommen. Damit würde er ein IOC-Kriterium erfüllen, international sichtbarer zu sein. Zudem soll die WM auf zehn Tage verkürzt werden. Kritik wurde in den vergangenen Wochen vor allem aus Österreich und der Schweiz laut. Dabei wird an der finanziellen und logistischen Realisierung gezweifelt.

"Viele Interessenten für 2032"

Darauf reagiert Ospelt leicht süffisant: "Als die Idee aufkam, hatte ich sofort viele Interessenten aus Österreich, die die WM 2032 wollten. Als ich dann erklärt habe, dass es bei der Idee mehr darum geht, kleineren Ländern eine WM zu ermöglichen, wurde plötzlich Kritik aus Österreich laut." Ospelts Aussagen zufolge lägen bereits einige Interessenbekundungen für die WM 2032 vor. Genaue Namen nannte er nicht.

Rettung der Nordischen Kombination als Ziel

Ob die Nordische Kombination bei der WM 2032 noch dabei ist, ist trotz aller Beteuerungen der FIS nicht sicher. Denn die Zukunft der Nordischen Kombination ist von der Entscheidung des IOC abhängig, ob die Kombinierer nach dem Aus für 2030 ab 2034 wieder ins Olympische Programm zurückkehren. In Deutschland hängt beispielsweise von der IOC-Entscheidung ab, ob Stützpunkte und Sportler weiter aus Bundesmitteln unterstützt werden.

"Sehr persönlicher Brief" an die IOC-Präsidentin

"Wir tun alles, um die Kombination wieder ins Programm zu bekommen", verspricht Ospelt, der deshalb einen "sehr persönlichen Brief" an IOC-Präsidentin Kirsty Coventry geschrieben habe. Aus mehreren Gesprächen mit IOC-Verantwortlichen habe er mitgenommen: "Die Tür ist nicht komplett zu. Wir haben hart für dieses Commitment gearbeitet und haben dieses Commitment jetzt auf dem Tisch. Aber wir müssen besser werden. Die Nordische Kombination muss attraktiver werden."

Neue Formate in der Kombination

Lasse Ottesen, FIS-Renndirektor der Nordischen Kombination, hört diese Botschaft gern. Der Norweger sagt im Sportschau-Interview, dass man zur besseren Sichtbarkeit den größten Weltcup-Kalender in der Geschichte aufgestellt habe. Nicht weniger als elf Weltcuporte stehen in diesem Winter auf dem Programm. Zudem arbeite man an neuen Formaten.

Drei neue Wettkampfformen werden in diesem Winter getestet. Die Idee hinter den neuen Formaten: Kürzere und spektakulärere Wettkämpfe statt langer Tage für Sportler und Zuschauer.

Ottesen: "Gutes Gefühl"

"Ich habe das Gefühl, dass die FIS jetzt zu 100 Prozent hinter uns steht, dass man die Kombination braucht", zieht Ottesen bisher ein positives Fazit der ersten 100 Tage von Ospelt. Dazu gehört auch, dass der Liechtensteiner ganz persönliche Lobbyarbeit beim IOC machen möchte. Ein sichtbarer Unterschied zu Eliasch, dem nachgesagt wurde, dass das Hauptinteresse in wenigen alpinen Leuchtturm-Wettkämpfen gelegen haben soll.

Ospelt will sich breiter aufstellen und wieder eine größere Offenheit in die FIS bringen. Diesen Eindruck vermittelte der neue FIS-Präsident beim Forum Nordicum. Auch, wenn die Amtszeit des neuen Präsidenten nach den ersten 100 Tagen ähnlich turbulent weiter gehen dürfte.

Dieses Thema im Programm: sportschau.de | Ospelt bringt jährliche Ski-WM ins Spiel | 23.10.2026 | 16.45 Uhr

Könnte Ihnen gefallen

Deutsches Ausrufezeichen zum Weltcup-Auftakt! Emma Aicher fährt in Sölden aufs Podium

SPOX.com vor 9 Stunden

Deutscher Ski-Star sorgt für kuriosen TV-Moment

SPORT1 vor 11 Stunden

Ski-Debakel in Sölden: Unsere Beste wird vom ÖSV verstoßen

oe24.at vor 9 Stunden

Jepchirchir positiv getestet

runnersworld.de vor 3 Stunden

Vize-Weltmeister muss zuschauen

extra.svz.de vor 12 Stunden

Turn-WM: US-Amerikanerin Blakely holt Gold im Mehrkampf

de.headtopics.com vor 1 Tag

Ausgerechnet Alleingängerin Gritsch verhinderte Debakel bei den Ski-Damen

Tiroler Tageszeitung Online vor 7 Stunden

Wirbel um Weltcup-Absage: "Das ist ein Wahnsinn"

oe24.at vor 16 Stunden