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Die Premier League wächst weiter, aber sie lebt auf Pump. Einige Klubs wären in wenigen Wochen insolvent, wenn ihre Investoren plötzlich gingen. Für den deutschen Fußball ist das ernüchternd.
Es war die Woche der Zahlen in England. Die Premier League, so berichteten es unabhängige Finanzprüfer, bricht weiter Rekorde. Sie wächst, sie setzt nun fast doppelt so viel um wie die deutschen Bundesligen.
Das war es aber auch schon mit den positiven Neuigkeiten. Die Kehrseite der vielen Pounds und Pences: Viele ihrer Klubs sind hochdefizitär, 94 Prozent der 116 Klubs in den ersten fünf Ligen machen Miese. Mehr als ein Viertel aller Teams könnte nicht länger als 30 Tage überleben, wenn die Eigentümer kein Geld mehr zahlten. Darunter sind auch vier Premier-League-Teams, die die Prüfer nicht namentlich nennen.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Es ist simpel, stärkere Regularien zu fordern, eine Gehaltsobergrenze und Schuldenregeln. Wenn das passiert, platzt die Premier-League-Blase. Darauf warten deutsche Fußball-Manager seit Jahren. Aber die Realität ist: Die Premier League wächst auf Pump weiter, ihre Umsätze, ihre Gehälter und ihre Titelsammlungen. Weil ihr Modell für Investoren interessant ist.
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Wenn es ein Klub erst einmal in die Premier League schafft, winken die großen Scheine. Vor allem durch die TV-Gelder der internationalen Vermarktung. Die Klubs werden so zu globalen Unternehmen, ihre Werte haben sich in den vergangenen zehn Jahren teils verzwanzigfacht. Das sind Renditen, von denen normale Anleger träumen. Das große Geld, es lässt sich noch immer im englischen Fußball verdienen.
Aber nur, wenn alles läuft. Wer es nicht in die Premier League schafft, kämpft in den unteren Ligen ums Überleben. Die Klubs dort investieren zu viel, um hochzukommen. Die Spieler der zweiten englischen Liga sind heute mehr wert als die der Ligen in Portugal oder Belgien.
Nur die Top-5-Ligen aus England, Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich versammeln wertvollere Kicker als Englands zweite Klasse. Mehr als 60 Prozent der Vereine der English Football League (EFL) seien „technisch insolvent“, heißt es im Bericht. Das ist ein Himmelfahrtskommando.
Die Prüfer fordern deshalb einen Rettungsschirm für Klubs, denen kurzfristig die Insolvenz droht. Und eine fairere Verteilung der Gelder. Noch vor dreißig Jahren verdienten Erstligaklubs das Dreifache von Zweitligaklubs. Heute ist es das Achtfache. The winners take it all; der englische Fußball ist zu einem Alles-oder-nichts-Geschäft geworden.
Für den deutschen Fußball ist das ernüchternd. Auch hier gab es in dieser Woche Zahlen, der SC Freiburg vermeldete: Rekordumsatz, hohes Eigenkapital, keine Verbindlichkeiten. Im Europapokalfinale war er trotzdem chancenlos gegen Aston Villa, das allein in den vergangenen vier Jahren über 300 Millionen Euro verlor.
Das steht exemplarisch: Während viele Vereine hierzulande nachhaltig wirtschaften, gewinnen sie international keine Titel mehr. Es bleibt ein ungleiches Spiel, auf das der deutsche Fußball weiter eine Antwort sucht.