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Es gibt nicht viele Titel, auf die der FC Bayern so lange warten musste wie auf den, den Harry Kane dem deutschen Rekordmeister am Montagabend bescherte. Seit Karl-Heinz Rummenigge 1981 hatte kein FCB-Profi mehr den Ballon d'Or gewonnen. Eine 45-jährige Durststrecke! Unerhört für den "Mia san mia"-Klub von der Isar.
Als Rummenigge geehrt wurde, ging der Goldene Ball noch an den besten europäischen Spieler, der in Europa sein Geld verdient. Seitdem hat sich viel verändert. Bekanntlich geht die wohl prestigeträchtigste Einzeltrophäe des Welt-Fußballs inzwischen an den besten Spieler der Welt.
Bayern-Stars schrammten mehrfach hauchdünn an der Auszeichnung vorbei. Alleine in den letzten 15 Jahren hatten Franck Ribéry 2013 und Manuel Neuer 2014 sowie Robert Lewandowski 2020 und 2021 den Goldenen Ball knapp verpasst.
Nicht nur für Ribéry, Neuer und Lewandowski ein herber Verlust, sondern auch für den Verein, dem durch die Nicht-Gewinne ein beträchtliches Maß an Prestige durch die Lappen ging. Jammern auf hohem Niveau? Vielleicht. Ein aus der Luft gegriffenes Problem? Nein.
Die Bundesliga hat in den vergangenen Jahren im Vergleich mit der englischen Premier League und Spaniens La Liga massiv an Anziehungskraft verloren. Superstars tummeln sich lieber in Madrid, Barcelona oder Liverpool als in Berlin, Hamburg und Augsburg.
Dieser Trend ist die logische Konsequenz aus der Finanzstärke in England und Spanien, aber auch eine Folge des Ansehens, das die Vereine durch die Verpflichtung von hochtalentierten Spielern generieren: Junge Fans sehen ihre Idole in einem Real-Madrid-Trikot und wollen selbst für den Verein spielen.
Ein Beispiel ist Lennart Karl, der Anfang des Jahres beim Besuch eines Fan-Klubs des FC Bayern unumwunden zugab, irgendwann für die Königlichen spielen zu wollen. Was damals einen Aufschrei auslöste, ist das Symptom einer langfristigen Entwicklung.
Fans auf dem ganzen Globus verbinden das "Weiße Ballett" und den FC Barcelona mit den besten Spielern der Welt, weil Cristiano Ronaldo und Lionel Messi säckeweise Ballon-d'Or- und Weltfußballer-Auszeichnungen nach Hause schleppten.
Englische Vereine kompensieren das im Werben um neue Stars mit Hilfe von Geld und der Attraktivität der Premier League. Da dem FC Bayern im Ausgleich für die fehlende Strahlkraft der Bundesliga Grenzen gesetzt sind, musste der deutsche Ligaprimus in den letzten Jahren immer wieder Niederlagen auf dem Transfermarkt hinnehmen.
Kane war in den letzten 15 Jahren der einzige echte internationale Superstar, der sich für einen festen Wechsel in die bayerische Landeshauptstadt entschied. Spieler wie Robert Lewandowski oder Michael Olise reiften in München zu großen Namen.
Einerseits ist das Teil der Philosophie an der Säbener Straße. Andererseits hätte man Spieler wie Erling Haaland, Dani Olmo, Florian Wirtz oder zuletzt Anthony Gordon schon gerne gehabt, wurde aber mal durch den FC Barcelona (Olmo, Gordon), mal durch den FC Liverpool (Wirtz) und mal durch Manchester City (Haaland) ausgestochen.
Die Abfuhren für die Münchner waren auch finanziell begründet, aber der Soft Skill "Glamour" spielte mindestens im Fall von Gordon, dessen Verpflichtung schon sicher schien, eine entscheidende Rolle.
"Sobald ich wusste, dass Barca mich will, war es für mich keine Frage, dass ich hierherkommen will", hatte der Engländer bei seiner Vorstellung geschwärmt. Das schlagende Argument war in diesem Fall also nicht wirtschaftlicher Natur, sondern der Eindruck, den Gordon von den Katalanen hatte.
In der innerdeutschen Konkurrenz profitiert der FC Bayern von einer ähnlichen Dynamik. Aber der Anspruch der Münchner geht erklärtermaßen über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus. Insofern kann es dem FCB keineswegs schaden, dass er dank Kanes Ballon d'Or im Bereich Prestige nachlegt.
Dass die Bayern sich diesem Umstand bewusst sind, ließ Co-Trainer Aaron Danks durchblicken. "Ich freue mich wirklich sehr für Bayern München. Ich denke, es ist eine gute Anerkennung für diesen Klub und wofür er steht", erklärte der 43-Jährige vor dem DFB-Pokal-Duell mit dem 1. FC Magdeburg am Mittwoch (ab 20.45 Uhr bei BR24Sport in der Livereportage).