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6. Spieltag der Bundesliga: Elversberg und Augsburg liefern Spektakel, Füllkrug rettet das Bremer Jubiläum
Jubeln nach einem spektakulären Nachmittag: Elversbergs Spieler um den Torschützen zum 4:2,  Frederik Schmahl (links).
Jubeln nach einem spektakulären Nachmittag: Elversbergs Spieler um den Torschützen zum 4:2,  Frederik Schmahl (links).Alex Grimm/Getty Images

Wer an diesem Samstag zufällig in Elversberg vorbeischaute, der erlebte ein weiteres Fußballfest auf dem Dorf. Sieben Tore, Elfmeter, die erst keine waren und ein Schiedsgericht, das es schaffte, sich eine Hauptrolle zu sichern: Es war so ziemlich alles drin in diesem aufreibenden Spiel. Daneben wirkte die Nullnummer Dortmunds bei Union sehr, sehr blass. Und auch Schalke 04 bot seinen Fans wieder mal wenig Erbauliches in einem Heimspiel. Dafür dürfte Hamburgs am Kreuzband operierter Kapitän Nicolai Remberg fast aus seinem Krankenbett gefallen sein – nach einem Last-Minute-Siegtreffer seines HSV (hier geht’s zur aktuellen Tabelle).

Dortmund knabbert in Berlin weiter am Bodö-Trauma

Eigentlich ist Dortmunds jüngste Bilanz gegen Union Berlin ziemlich gut, seit etwas mehr als zwei Jahren (damals unterlag der BVB mit 1:2) gar makellos. Zu Hause gewann die Borussia 6:0 und 3:0, auswärts an der Alten Försterei ebenfalls mit 3:0. Vielleicht hat Niko Kovac seiner im norwegischen Bodö arg gerupften Mannschaft diese Statistik noch mal vor Augen geführt. Vor allem führte er ihr beim Auswärtsspiel gegen Union aber Veränderungen auf fünf Positionen zu: Schlotterbeck, Ryerson, Nmecha, Nwaneri und Guirassy durften wieder von Beginn an ran.

Die gute Nachricht für den BVB: Die Null steht auch weiterhin gegen die Eisernen, defensiv war das – anders noch als beim frustrierenden Champions-League-Ausflug an den Polarkreis – eine ordentliche Leistung. Aber was der BVB offensiv anbot, das dürfte selbst für Kovac, dem Liebhaber defensiver Stabilität, zu wenig gewesen sein. Ein Schuss von Maximilian Beier, knapp rechts am Tor vorbei, war noch das Gefährlichste, das die Dortmunder anboten. Auch Guirassy verfehlte am Ende das Gehäuse. Die Berliner agierten ähnlich ungefährlich. Fazit also: Es war eine Nullnummer, die wahrlich auch keinen Sieger verdient hatte.

Muheims Strahl erfreut den Hamburger SV gegen Stuttgart

Die Hamburger sandten vor dem Anpfiff ein schönes Zeichen in Richtung ihres Kapitäns Nicolai Remberg, das Team wärmte sich in Trikots mit seiner Rückennummer auf. Der 26-Jährige ist nach seinem Kreuzbandriss, wie der Klub vor der Partie mitteilte, erfolgreich in einer Londoner Klinik operiert worden. Remberg dürfte sich das Spiel gegen Stuttgart also vom Krankenbett aus angeschaut haben, und was er sah, wird den 26-Jährigen nicht ermuntert haben. Ein xGoals-Wert von 0,09 seiner Hamburger nach 20 Minuten, der im Lauf der ersten Halbzeit nicht viel besser wurde. Und Stuttgarter Chancen, wie die von Deniz Undav (39.), der mit seinem Schuss aber nur den linken Pfosten traf. Jener Undav übrigens, der zuletzt in der Champions League in Bratislava traf, aber in dieser Saison noch nicht in der Bundesliga.

Hamburgs xGoals-Wert stieg nach der Pause deutlich an, allein schon dank Yussuf Poulsen, der den Ball erst an den Außenpfosten köpfte und ein paar Minuten später an die Latte hämmerte. Aber auch Undav forschte weiter nach seinem ersten Ligatreffer, in Minute 58 zog er stramm ab und zwang HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes zu einer Glanztat. Doch am Ende jubelte nicht Undav, sondern Remberg, der von seinem Krankenbett aufgesprungen sein dürfte – dank Miro Muheim. Der Schweizer schloss einen Hamburger Konter in der 88. Spielminute mit einem wunderbaren Strahl ins rechte Eck ab. Danach mussten seine Kollegen erst mal Krämpfe aus seinen Beinen drücken. Solche Probleme hätte Remberg gerade gerne.

Paderborn will die Party crashen, doch Füllkrug schlägt zurück

Das Weserstadion feierte an diesem Samstag seinen 100. Geburtstag. Zu seinen Ehren gab es eine Choreografie im Stadion, Werder Bremens Spieler liefen mit Sondertrikot ein, vor Wochen schon verzückte ein Legendenspiel gegen Real Madrid die Fans. ABTS-Kampfbahn hieß das neue Stadion im Jahr 1926, samt großer Tribüne, Umkleidekabinen und Restaurant. Längst ist es umgebaut, hat Photovoltaik-Elemente auf dem Dach und an der Fassade. Die Patina ist aber nicht weg. Es erlebte diverse „Wunder von der Weser“, Diegos 62-Meter-Tor – und auch den ersten Bundesliga-Treffer der Geschichte, erzielt am 24. August 1963 allerdings vom Dortmunder Timo Konietzka.

Und das passte zur Neuzeit: Denn auch Paderborn erwies sich zunächst als Partycrasher. In der 18. Minute traf SC-Stürmer Stefano Marino mit einem starken Schuss ins rechte Kreuzeck zum 0:1. Nach einer halben Stunde nutzte Steffen Tigges dann die Schlafmützigkeit von Bremens Abwehr – und schob den Ball zum 0:2 ins lange Eck. Niclas Füllkrug sah dabei gar nicht gut aus, zuvor hatte Bremens Stürmer zwei gute Chancen vergeben. Vor der Pause hatte Werder weitere Chancen, zwei durch Eren Dinkci, doch es blieb beim überraschenden Rückstand.

Doch dann ließ Füllkrug nach einer knappen Stunde doch noch die Sektkorken knallen beim Bremer Anhang – sein fünftes Tor in den vergangenen fünf Ligaspielen. 20 Minuten nach Wiederanpfiff verwandelte Werder einen Handelfmeter zum Ausgleich, souverän ins linke untere Eck. Der Schütze? Füllkrug! Er hätte fast noch den Hattrick geschafft, doch alles wollte auch Füllkrug an diesem für Bremen schwierigen Feiertag nicht gelingen.

Nur die Mainzer schürfen Silber

„Der eine gräbt das Silber, der andere gräbt das Gold“, heißt es im Steiger-Lied, das auf Schalke vor den Spielen erklingt, doch viel Silber und Gold schürfte S04 bislang nicht im heimischen Stadion. Genauer: Kein einziges Tor fiel dort bislang in dieser Saison, beim 0:0 gegen Bayern München (immerhin!) und gegen Elversberg. Das änderte sich in der dritten Partie, allerdings eher zum Missfallen der Schalker. Der Mainzer Phillip Tietz setzte seinen Torreigen fort und traf in der 24. Spielminute zum 0:1 - sein bereits fünftes Saisontor. Mainz hätte schon kurz nach dem Anpfiff in Führung gehen können, doch Loris Karius parierte den Schlenzer von Sheraldo Becker glänzend.

Schalke hatte auch nach einer Stunde noch keine einzige Torchance, und was es nicht besser machte: Edin Dzeko musste mit Kopf-Platzwunde vom Feld. Viel zu spät erinnerten sich die Gastgeber daran, dass ihrer Heimbilanz ein Tor vielleicht ganz guttun würde, doch Alexander Schwolow vereitelte Satoshi Tanakas und Hwang Hee-chans Schusschancen. Danach war Schluss, und der Steiger musste nach getaner Arbeit wieder ohne Silber und Gold nach Hause fahren.

Elversberg verblüfft weiter, diesmal mit Riesenshow gegen Augsburg 

„Das Dorf“ vergeudete keine Zeit in diesem Duell der Mittelfeldteams, es gab ja einiges zu klären: Für wen geht es im Herbst nach oben in der Tabelle – und für wen eher ins ungemütliche Terrain? Gestartet waren beide ordentlich in die Saison, was man speziell über dieses Spiel dann kaum sagen konnte: Da legten die Elversberger los, als gäbe es Mengenrabatt für frühe Tore. Ein Handspiel von Augsburgs Verteidiger Chrislain Matisma führte nach VAR-Entscheid schon in der 4. Minute zu einem Elfer, den SVE-Mann Lukas Petkov im Nachschuss zum 1:0 nutzte. Und ehe Augsburg überhaupt mal die frische Landluft genießen konnte, stand es schon 2:0, weil sie im Saarland eben gerne husch husch machen.

Ballgewinn nach FCA-Ecke, wenige Stationen, dann schloss Lasse Günther freistehend ab (7.). Und das 3:0? Bejubelten die Dorfbewohner noch vor der Pause, als Maximilian Rohr eine Ecke gekonnt per Kopf ins lange Eck verlängerte (28.). Das Kuriose: Augsburg spielte gar nicht mal schlecht, hatte Chancen und verkürzte nach einer grotesk langen VAR-Warteschleife in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum 3:1 (Handelfmeter Fabian Rieder, 45.+9). Ein Trend, der sich fortsetzte in dieser Partie der vielen Wogen, denn nach dem Wechsel erhielt der FCA erneut einen Strafstoß. Geahndet wurde ein hohes Bein von Lukas Pinckert, was Michael Gregoritsch zum 3:2 nutzte (76.). Ordentlich was los, in diesem Dorf – beinahe hätte Augsburg vom weitgehend konfusen Schiri Florian Exner noch einen weiteren Handelfmeter bekommen, ehe SVE-Profi Frederik Schmahl nach Petkov-Vorlage das 4:2 gelang (89.). Und selbst das war es noch nicht, denn Mert Kömürs 4:3 (90.) machte aus diesem Kick endgültig ein frivoles Dorffest. Dass Elversbergs Noel Futkeu sogar noch einen weiteren Elfer verschoss (90.+8), komplettierte den Irrsinn dieses Nachmittags.

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