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Auf dem Weg zur Pressekonferenz hatten Urs Fischer und Miron Muslic noch einen Augenblick Zeit, sich privat zu unterhalten. "Wie ist es in der Bundesliga?", fragte der Trainer von Mainz 05 seinen Kollegen vom FC Schalke 04. "Wir müssen lernen, lernen, lernen", antwortete Muslic, bevor die öffentliche Fragerunde begann.
Der Trainer des Ruhrgebietsklubs wusste nur zu genau, dass er und sein Team mit dem 0:1 (0:1) glimpflich davon gekommen waren. "Das war ein hoch verdienter Sieg von Mainz, der deutlich höher hätte ausfallen können", sagte Muslic dann auch im offiziellen Teil und wollte die Pleite einordnen. "Wir haben ein großes Wappen, aber wir sind immer noch ein Aufsteiger." Viel mehr Zeit bekommen die Schalker für diesen Anpassungsprozess aber nicht.
NRW-Sport 17.10.2026 55 Sek. Verfügbar bis 16.10.2028 WDR Online
Die überaus schwache Partie gegen die Rheinhessen hatte allerdings in vielerlei Hinsicht die Alarmglocken bei den Beteiligten läuten lassen. "Das war unser schlechtestes Spiel bis jetzt. Das muss man mal so offen sagen", sagte Kapitän Kenan Karaman. "Das war unterirdisch und einfach nicht gut genug."
Die Schalker hatten tatsächlich alle Stärken, die sie in so ein Fußballspiel einbringen können, vermissen lassen. Trainer Muslic spricht stetig von Prinzipien, die aber allesamt fehlten: Große Geschlossenheit und Aggressivität, Zweikampfstärke, eng ineinander verzahnte Mannschaftsteile, einfach ein unangenehmer Gegner sein.
Eigentlich hatten die Mainzer genau so agiert, wie es die Schalker eigentlich machen wollten - mit dem Unterschied, dass sie auf vielen Positionen über die qualitativ besseren Spieler verfügen. Das Fischer-Team hatte die Mehrzahl der Zweikämpfe gewonnen (54 Prozent) und deutlich mehr Ballbesitz (56 Prozent). "Mainz war uns in allen Belangen überlegen", urteilte Karaman.
Vor allem hatten die 05er neben dem Treffer von Philipp Tietz vier weitere hundertprozentige Torchancen, bei denen Mainz-Angreifer Sheraldo Becker gleich vier Mal allein vor dem Schalker Tor am erneut bärenstarken Torhüter Loris Karius scheiterte. "Er ist sehr stabil und hält uns im Spiel. Aber natürlich dürfen wir ihn nicht so alleine lassen", sagte Karaman über seinen Torhüter.
Die Defizite der Schalker traten in der bisherigen Saison noch nie so deutlich zum Vorschein wie in dieser Partie. Die mangelnde Schnelligkeit fast aller Spieler im Vergleich zum Gegner ließ sich nicht übersehen. Zudem nahm die Ideenlosigkeit im Spielaufbau fast schon dramatische Züge an. Bei allem läuferischen Einsatz ist der gezielte Umgang mit dem Ball mittlerweile ein nicht mehr zu leugnendes Problem.
Die Folge: Die Schalker haben - auch im dritten Heimspiel - keinen Treffer erzielt. Der erste nennenswerte Torschuss wurde erst in der 75. Minute abgegeben. Das lag auch daran, dass Edin Dzeko, der für den verletzten Moussa Sylla in der Startelf stand, überhaupt nicht ins Spiel fand.
Weshalb Dzeko nur ein Schatten seiner selbst blieb? Weil es seine Kollegen überhaupt nicht schafften, das Spiel in den gegnerischen Strafraum zu tragen und ihn mit Flanken zu bedienen. Und weil die Kollegen sogar versuchten, den 40 Jahre alten Ex-Weltklasse-Angreifer in direkte Laufduelle mit den flinken Mainzer Verteidigern zu schicken - was völlig sinnlos war.
Und so lag die grundsätzliche Frage in der Luft, ob es nicht sinnvoller wäre, Dzeko vor allem als Einwechselspieler zu nutzen, der seine großen Qualitäten erst in der Schlussphase eines Spiels, wenn die Schalker Druck erzeugen müssen, zeigen sollte. Darauf wird Trainer Muslic eine Antwort finden müssen.
Diese Niederlage tat den Schalkern zum einen besonders weh, weil sie ihre Spielweise völlig überraschend vergessen hatten. Zum anderen, weil der eigentlich recht gelungene Saisonstart immer mehr verschwimmt.
"Wir müssen wenigstens Überzeugung auf den Platz bringen. Wenn man zwei Mal hintereinander verliert, dann darf man sich Sorgen machen", sagte Sportdirektor Youri Mulder.
In der nächsten Woche, beim Auswärtsspiel beim 1. FC Köln, stehen die Schalker erstmals unter Druck - und müssen zunächst einmal zu ihrer ureigensten Spielweise zurückfinden.
Unsere Quellen:
Sendung: "Schalke unter Druck", WDR.de, 17.10.2026, 23.50 Uhr