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Zwölf Tore in zehn Pflichtspielen! Werder Bremens Rückholaktion von Niclas Füllkrug ist ein Volltreffer, das ist jetzt schon klar. Sollte ihn auch Bundestrainer Jürgen Klopp in die Nationalmannschaft zurückholen? Die Daten sagen "jein".
Ein Spätberufener war Füllkrug bereits bei seinem Debüt im DFB-Trikot. Kurz vor der der WM 2022 in Katar durfte "Fülle" zum ersten Mal den Adler auf der Brust tragen - mit 29 Jahren. Der Bremer kam am 16. November 2022 im Test gegen den Oman zur Pause rein, sah und traf - und bescherte der deutschen Nationalmannschaft einen 1:0-Sieg.
Füllkrug und die "Nati", das funktionierte, obwohl für die DFB-Elf schon in der WM-Vorrunde das Aus kam. 14 Tore in 24 Länderspielen hat der gebürtige Hannoveraner in seinem Briefkopf stehen.
Nach seinem Weggang aus der Bundesliga 2024 hakte es allerdings bei der Tormaschine Füllkrug, die WM in diesem Jahr fand ohne ihn in den USA statt und die Wenigsten hatten den bulligen Angreifer nach der Übernahme Klopps überhaupt noch auf dem Zettel.
Doch die Bremer Wohlfühl-Oase hat Füllkrug revitalisiert. Er scheint fit wie nie und trifft wie er will. Als bester Bundesliga-Torjäger (neun Treffer in acht Spielen) stellt sich vor der zweiten Kadernominierung Klopps am Donnerstag für die Nations-League-Spiele in Serbien (13. November, 20.45 Uhr) und gegen die Niederlande in Berlin (16. November, 20.45 Uhr, live bei sportschau.de) unweigerlich die Frage: Gehört Füllkrug trotz kloppscher Verjüngungskur wieder in die Nationalmannschaft, und wenn ja, was kann er dem DFB-Team geben?
Die Datenanalyse des Global Soccer Network (GSN) liefert eine eindeutig zweideutige Antwort: Füllkrug würde die Nationalmannschaft unter Klopp nicht automatisch besser machen, dafür aber variabler.
Er ist ein klassischer Mittelstürmer mit ausgeprägter Strafraumorientierung, körperlicher Präsenz, hoher Kopfballqualität und einem guten Gespür für gefährliche Abschlusspositionen, die er aktuell besser als jeder andere deutsche Stürmer nutzt. Gegen tief stehende Gegner kann er so der berühmte "Dosenöffner" sein.
Gleichzeitig besitzt der 33-Jährige die Fähigkeit, als zentrale Anspielstation zu fungieren, gegnerische Innenverteidiger zu beschäftigen und Angriffe über kontrollierte Ablagen fortzusetzen. So könnte Deutschland gegen hoch verteidigende Teams mit ihm als Zielspieler die erste Pressinglinie überspielen und hätte mehr Optionen, um sich zu befreien.
Das "Problem" lauert im Detail. Ein Füllkrug allein macht noch keinen Sommer. Der Werder-Profi ist weder ein besonders explosiver Tiefenläufer noch ein Angreifer, der durch permanente Dribblings und individuelle Tempoverschärfungen gegnerische Defensivlinien überwinden kann. Auch bei komplexen Kombinationen auf engstem Raum hat er Defizite.
Im möglichen deutschen Offensivwirbel von Florian Wirtz und Co. wäre Füllkrug kein ebenbürtiger "Zocker" wie es beispielsweise Kai Havertz ist. Er bringt allerdings die Fähigkeiten mit, aus wenig viel zu machen, was auf internationalem Niveau häufig Spiele entscheidet.
Damit Füllkrugs Skills wirken können, müsste das Spiel ein Stück weit auf ihn zugeschnitten sein. Er benötigt Zuspiele in geeignete Räume, ausreichende Nähe zu kreativen Offensivspielern und dynamische Bewegungen um seine eigene Position herum.
Das ist für Klopp sicherlich keine Option. Der Bundestrainer wird sich eher darüber Gedanken machen müssen, ob er neben dem Momentum des Torgaranten Füllkrugs auch dessen Vorzüge als Taktik-Variable nutzen will. Nicht zuletzt liegt eine besondere Stärke des Bremers darin, dass er den Charakter eines Spiels unmittelbar verändern kann - vor allem, wenn er von der Bank kommt.
Niclas Füllkrug schießt in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen - aber er ist 33. Das ist nicht meine Schuld.Bundestrainer Jürgen Klopp
Klopp hatte sich zuletzt zurückhaltend zu dem Bundesliga-Toptorjäger geäußert. "Niclas Füllkrug schießt in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen - aber er ist 33. Das ist nicht meine Schuld", sagte der Bundestrainer: "Wir haben eine Gegenwart, eine mittelfristige Zukunft und eine langfristige Zukunft. In der Gegenwart kann das natürlich funktionieren, mittelfristig unter Umständen auch, langfristig müssen wir mal sehen."
Und darin liegt wohl Füllkrugs Hauptproblem. Das Gesamtpaket stimmt zweifellos, um das DFB-Team auch aktuell bereichern zu können. Der "Fülle-Faktor" kann aber vor allem bei Turnieren zum Tragen kommen. Klopps Umbruch ist auf das Fernziel EM 2028 in Großbritannien ausgerichtet. Dann wäre Füllkrug allerdings schon 35 Jahre alt.
"Ich glaube, dass Jürgen Klopp da einen ganz anderen Weg gerade eingeschlagen hat, ganz andere Jungs nominiert hat, dass es ihm auch irgendwie um die Zukunft geht", sagte der Bremer zuletzt. Ob er zumindest in der Gegenwart noch einmal zu den Auserwählten gehört, entscheidet sich am Donnerstag.
Dieses Thema im Programm: NDR Info | Sport aktuell | 03.11.2026 | 12:17 Uhr