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"Er killt den Rest der Mannschaft": Bemerkenswerte Attacke auf Manchester Uniteds Kapitän Bruno Fernandes

Beim taumelnden englischen Rekordmeister Manchester United geht es drunter und drüber. Kapitän Bruno Fernandes bläst nach seiner öffentlichen Kritik an der Taktik von Cheftrainer Michael Carrick im Anschluss an die 1:4-Klatsche bei Como 1907 in der Champions League heftiger Gegenwind ins Gesicht.

Fernandes, der nach 67 Minuten ausgewechselt worden war, hatte im Interview nach dem Schlusspfiff moniert: "Es ist die Entscheidung des Trainerteams, nicht Mann gegen Mann zu pressen und dabei eben manchmal Raum im Rücken frei zu lassen beim Versuch, den Ball zu gewinnen. Aber wenn man solchen Mannschaften (wie Como, d. Red.) Platz gibt, dann bekommen sie immer mehr Selbstvertrauen."

Es liege "am Trainer und seinem Stab", das nun zu analysieren, führte der Mittelfeldspieler aus, ließ aber noch durchblicken, dass er sich eine aktivere Spielweise wünschen würde: "Manchmal muss man mutiger sein, wenn man unter Druck steht. Muss das Risiko eingehen, hoch zu pressen und es dem Gegner damit schwer machen", so Fernandes.

Vor allem Jamie Carragher, Ikone bei Uniteds Erzrivale FC Liverpool, pestete deswegen gegen den portugiesischen Nationalspieler. Fernandes' Verhalten sei schlichtweg "eine Schande".

Dann holte er aus: "Gehen wir zurück in die vergangene Saison. Da wurde er zum Spieler des Jahres gewählt. Und das auch, weil Michael Carrick sein Trainer wurde. Ohne ihn hätte er diesen Award nicht gewonnen, denn Michael Carrick hat ihn wieder auf seiner richtigen Position aufgestellt. Dann hat er eine fantastische Saison gespielt, weil er ein talentierter Fußballer ist. Wenn ich mir dann aber sein Verhalten und die Art und Weise, wie er Dinge angeht, anschaue, dann stimmt etwas grundlegend nicht. Heute hat er sich nur so benommen, weil er ausgewechselt wurde und sauer deswegen war."

Das von Fernandes geforderte Pressing sei eben wegen Fernandes "nicht möglich." Denn dieser mache Dinge "für die Zuschauer". Carragher lieferte Beispiele: "Ich habe Spiele kommentiert und Manchester United verfolgt und er rennt überall auf dem Platz herum wie ein Junge auf dem Bolzplatz. Das tut er nur für die Fans. Sie denken, er arbeitet hart. Aber das tut er nicht. Er killt den Rest der Mannschaft."

Carragher betonte, dass Fernandes zwar nicht für eines der besten United-Teams der Geschichte spiele, zog dann aber einen Vergleich zu Klublegende Bryan Robson (69, absolvierte zwischen 1981 und 1994 345 Ligaspiele für die Red Devils). Dieser habe auch nicht das Vergnügen gehabt, eine Weltklassemannschaft um sich zu haben, aber: "Er hat immer für den Klub und die Mannschaft gespielt. Er hat nie einen Trainer vor den Bus geworfen und er hat nie seine Mitspieler vor den Bus geworfen. Er hat immer für Manchester United gekämpft." Fernandes dagegen werfe "ständig seine Arme in die Luft". Sein Interview sei "erbärmliches Verhalten und eines Kapitäns von Manchester United nicht würdig".

Kritik bekam Fernandes von mehreren weiteren Ex-Profis. Joe Cole etwa sprach von einem "Sakrileg" und nannte die Aussagen des 32-Jährigen "schlicht inakzeptabel". Für Kasper Schmeichel "entlarven sie alle Probleme von Manchester United" und für Stephen Warnock ist klar, "dass diese Sache für niemanden gut enden wird".

Der angegriffene United-Coach Michael Carrick sagte auf der Pressekonferenz, konfrontiert mit Fernandes' Eingaben: "In der zweiten Halbzeit haben wir tatsächlich halbes Pressing gespielt und ein Gegentor daraus kassiert. Welches System und welche Taktik du auch immer spielst: Wenn Du nicht rennst, nicht nach vorne und nicht nach hinten läufst - dann wirst du auch nicht gewinnen."

Beim einstigen Spitzenklub ist damit am Mittwochabend ein weiterer Brandherd entstanden. United ist seit sieben Spielen ohne Sieg und belegt in der Tabelle der Premier League mit nur einem Erfolg in dieser Saison den enttäuschenden Tabellenplatz 13. Carrick, der in der vergangenen Spielzeit vom glücklosen Ruben Amorim übernommen hatte, muss daher um seinen Job bangen.

Zu allem Überfluss kritisierte Abwehrspieler Lisandro Martinez vor gut einer Woche die sportliche Führung des Vereins massiv und wurde anschließend zu einer Geldstrafe verdonnert. Um eine solche kommt Fernandes wohl herum. Die BBC berichtet am Donnerstagabend, dass es keine Sanktionen für den Mittelfeldstar gibt und er auch die Kapitänsbinde behalten darf.

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