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Jannik Sinner könnte bei den Australian Open 2027 vor einer ungewöhnlichen Situation stehen. Obwohl der Italiener seit dem Wimbledon-Finale 2026 wegen einer Knieverletzung kein Turnier mehr bestritten hat, soll er in Melbourne als Nummer zwei gesetzt sein. Seine über zwei Spielzeiten gesammelten Weltranglistenpunkte sichern ihm diese Position trotz der langen Pause.
Die erwartete Rückkehr des aktuellen Weltranglistenersten wirft deshalb eine entscheidende Frage auf: Wie viel Bedeutung hat die bisherige Dominanz, wenn die Wettkampfpraxis über Monate fehlt? Für Sinner wird Melbourne nicht nur eine Rückkehr, sondern auch eine Standortbestimmung.
Seine bisherigen Ergebnisse bei den Australian Open liefern gute Argumente für einen erfolgreichen Wiedereinstieg. Jannik gewann das Turnier 2024 und 2025. Im Jahr 2026 erreichte er erneut das Halbfinale, unterlag dort jedoch Novak Djokovic in fünf Sätzen.
Mit 27 Siegen bei nur fünf Niederlagen kommt der Italiener in Melbourne auf eine Erfolgsquote von 84 Prozent. Lediglich in Wimbledon fällt seine Grand-Slam-Bilanz noch besser aus.
Diese Zahlen zeigen, wie konstant Jannik bei diesem Turnier bereits gespielt hat. Sie beantworten jedoch nicht, wie schnell er nach seiner Verletzung wieder zu seiner gewohnten Leistungsfähigkeit zurückfinden kann.
Der ehemalige Tennisprofi Greg Rusedski sieht die lange Unterbrechung weniger kritisch. In seinem Podcast „Off Court with Greg“ verwies er auf Andre Agassi und Roger Federer, die nach längeren Pausen ebenfalls erfolgreich zurückkehrten.
„Wollen Sie mir etwa sagen, dass Sinner vergessen wird, wie man einen Tennisball schlägt?“, fragte Rusedski.
Seine Zuversicht ist allerdings an klare Voraussetzungen geknüpft. „Wenn er fit ist, wenn er hungrig ist und wenn er genug Zeit bekommt, setzt sich Größe immer durch.“
Wie schwierig die Rückkehr nach einer längeren Unterbrechung sein kann, zeigte Carlos Alcaraz bei den US Open 2026. Der Spanier erreichte nach viereinhalb Monaten ohne Turnierteilnahme das Viertelfinale.
Für Sinner könnte deshalb weniger seine grundsätzliche spielerische Qualität als vielmehr die Wiederherstellung seines Wettkampfrhythmus entscheidend werden.
Seine Absagen für Cincinnati, die US Open und Shanghai bedeuten eine erhebliche Unterbrechung. Die hohe Setzung und seine Erfolge in Melbourne verschaffen ihm eine starke Ausgangsposition, ersetzen jedoch keine aktuelle Matchpraxis.
Rusedskis Titelprognose ist angesichts der bisherigen Ergebnisse nachvollziehbar. Ob Sinner sie erfüllen kann, hängt vor allem davon ab, in welchem körperlichen Zustand er nach Melbourne zurückkehrt.