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Elversberg · Die SV Elversberg feiert beim vogelwilden 4:3 gegen den FC Augsburg ihren dritten Sieg in der Fußball-Bundesliga. Was Spieler und Trainer dazu sagen.
Die Elversberger Spektakel-Spezialisten haben es am Samstag beim 4:3-Heimsieg gegen den FC Augsburg auf eine Spitze getrieben, die bislang noch keiner kannte. 109 Minuten Vollgas auf beiden Seiten, vier Elfmeter, fünf Video-Überprüfungen und ein 3:0-Vorsprung, der wie am ersten Spieltag beim 3:2-Sieg gegen Bayer Leverkusen am Ende noch deutlich gewackelt hat. „Ich habe noch nie so ein Spiel erlebt. Das war vogelwild und völlig verrückt“, sagte SVE-Kapitän Lukas Pinckert.
Sein Partner in der Innenverteidigung ist Maximilian Rohr. Der 31-Jährige traf in der 28. Minute zum 3:0 und verursachte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit mit der Hand einen Elfmeter, den Schiedsrichter Florian Exner nach Videoüberprüfung gab und den Fabian Rieder zum 3:1 verwandelte. „Es ging nur hin und her. Bei den ganzen Überprüfungen konnte man sich selbst nach dem Schlusspfiff nicht richtig freuen, da man nicht wusste, ob nicht doch noch was passiert“, sagte Rohr.
Schiedsrichter Exner wartete selbst in der 109. und letzten Minute noch, bis er die entscheidenden Informationen zur letzten Aktion aus dem Kölner Keller auf sein Ohr bekam. Kein erneuter Handelfmeter für Augsburg, und Exner pfiff direkt ab. „Wir sind auch nur Menschen und Sportler und wollen Entscheidungen auf dem Feld treffen. Aber ich glaube, die beiden Handszenen sind auf dem Feld nicht zu entscheiden“, sagte Exner. Dabei handelte es sich neben dem Handspiel von Rohr auch um das Handspiel von Augsburgs Innenverteidiger Chrislain Matsima in der 2. Minute nach einer Elversberger Flanke.
Das Handspiel sah wahrscheinlich niemand der 9307 Zuschauer in der ausverkauften Ursapharm-Arena, und das Spiel ging zunächst weiter. Als bei der nächsten Unterbrechung der kaputte Ball ausgetauscht werden musste, informierte Exner die Kapitäne darüber, dass es eine Video-Überprüfung gibt. Die Folge: Elfmeter. Der Ex-Augsburger und jetzige Rechtsaußen der SVE, Lukas Petkov, schoss in die Mitte, Torhüter Finn Dahmen hielt mit den Füßen, und Petkov verwandelte den Nachschuss zur 1:0-Führung.
Der bulgarische Nationalspieler bereitete in der 89. Minute auch das 4:2 von Frederik Schmahl vor und hielt nach dem Spiel die Trophäe für den Spieler des Spiels in der Hand. Seine ersten Worte gingen in Richtung Schiedsrichter. „Mir tat er ein bisschen leid, weil er versucht, Entscheidungen zu treffen, und dann kommen die Diskussionen. Dann steht er irgendwie so da, als würde er nicht mehr die Entscheidungen treffen. Das ist schade.“
Petkov hatte in seiner Zeit beim FC Augsburg nie wirklich eine Chance bekommen und zeigte es jetzt seinem Ex-Verein. Nach dem Tor lief er zum Jubeln vor die Augsburger Fankurve. Die FCA-Spieler mussten die Elversberger dort wegholen. „Ich konnte nicht anders, da ich ja schon in dieser Richtung unterwegs war“, erklärte Petkov. Der zweite Elversberger, der bei den Fuggerstädtern nie eine wirkliche Chance bekam, war Lasse Günther. Er erzielte in der 7. Minute nach einem Traumkonter über Petkov und Maurice Krattenmacher das 2:0. Und wieder ging es vor die Kurve der Augsburger Fans. „Wir haben uns einfach gefreut, da wir schwere Wochen hinter uns haben. Das ging nicht gegen Augsburg“, sagte Günther.
Maurice Krattenmacher feierte nach drei Jokertoren an den ersten vier Spieltagen wegen der Verletzungen von Cole Campbell und Tom Zimmerschied (beide Bänderverletzungen) sein Startelfdebüt auf der linken Offensivseite. Und der 21-Jährige spielte genauso, wie man spielen muss, um einen Stammplatz zu verteidigen. Wenn er im Spiel nach vorne kein Tor erzielte oder keine Torchance vorbereitete, sprang mindestens ein Eckball heraus. „Ich versuche, einfach alles für die Mannschaft zu geben“, sagte Krattenmacher. Trainer Wagner erklärte: „Ich fand ihn gut, weiß aber genau, wo er sich verbessern kann.“
Auch in der zweiten Halbzeit nahm das Spektakel kein Ende. Nach einem Foulspiel von Pinckert an Hennes Behrens pfiff Exner den zweiten Elfmeter für Augsburg, und Michael Gregoritsch verwandelte zum 3:2 (75.). Die Schlussphase übertraf dann wieder alles. Der eingewechselte Raif Adam erzielte ein Abseitstor für die SVE, Schiri Exner nahm einen bereits gepfiffenen dritten Elfmeter für Augsburg nach Videoüberprüfung zurück, und danach pennten beide Abwehrreihen.
Schmahl traf in seinem zweiten Bundesliga-Spiel mit seinem ersten Tor zum 4:2 (89.). Die Entscheidung? Nein. Nur eine Minute später verkürzte Mert Kömür auf 3:4. Danach schoss SVE-Stürmer Noel Futkeu einen selbst herausgeholten Foulelfmeter an die Latte (108.), Exner gab in der 109. Minute keinen Elfmeter mehr für Augsburg, und das Spiel war aus. „Wir könnten noch viel mutiger Fußball spielen, aber bei dem einen oder anderen sind noch Wackelfüße dabei, die total unnötig sind“, sagte SVE-Trainer Wagner.