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(Motorsport-Total.com) - Mit dem Sieg beim Formel-1-Rennen in Austin hat Kimi Antonelli seinen Teil erfüllt, um sich in den USA vorzeitig zum jüngsten Weltmeister der Geschichte zu krönen - denn das war für den Italiener die Mindestanforderung, um den Sack bereits auf dem Circuit of The Americas zuzumachen.
Kimi Antonelli wird vermutlich in Mexiko der neue Weltmeister Zoom
Allerdings hat seine Konkurrenz gerade das absolute Minimum getan, um die Entscheidung bis nach Mexiko am kommenden Wochenende zu verschieben. Denn im Falle eines Sieges musste Lewis Hamilton mindestens Vierter und George Russell mindestens Achter werden, um rechnerisch noch im Rennen zu bleiben - und genau auf diesen Positionen sind sie auch gelandet.
Das bedeutet aber, dass Antonelli den Sekt in Mexiko schon einmal kaltstellen kann: Rechnerisch reicht ihm dort auf jeden Fall ein neunter Platz, um den WM-Titel endgültig zu sichern.
Der Mercedes-Pilot kommt mit seinem Sieg in Austin auf 365 Punkte. Sollte Russell alle verbleibenden Rennen in dieser Saison gewinnen, käme er theoretisch auf 367 Punkte, Hamilton im gleichen Fall auf 366.
Da Antonelli den direkten Vergleich bei Punktegleichstand aufgrund der höheren Anzahl Siege auf jeden Fall gewinnen würde, reicht ihm bereits ein einziger Punkt in der weiteren Saison, um Hamilton aus der Verlosung zu nehmen. Zwei Punkte bringen ihm den sicheren WM-Titel.
"Ich weiß, dass wir verdammt nah dran sind", lacht Antonelli nach seinem US-Sieg, "aber wir werden versuchen, die Saison auf einem Höhepunkt zu beenden - und hoffentlich können wir den Sack ganz schnell zumachen."
Sorgen muss sich der 20-Jährige eigentlich keine mehr machen, und das zeigt sich auch an seiner Einstellung, wie Motorsportchef Toto Wolff bei ServusTV verrät: "Er ist zu mir vorhin ins Büro gekommen, bevor er sich angezogen hat, hat sich einfach hingeknallt aufs Sofa und hat gesagt, das macht mir jetzt richtigen Spaß."
Locker und leicht flog der Mercedes-Pilot dann auch über die 56 Runden in Austin und feierte mit 13 Sekunden Vorsprung seinen neunten Saisonsieg. "Heute war es wirklich die Fahrt eines Champions, der noch kein Champion ist", lobt Wolff.
"Es war wirklich unglaublich, wie er mit dem ein bisschen schlechteren Reifen vom Start so gut weggekommen ist. Dann hat er von vorne absolut kontrolliert, sowohl auf dem Medium als auch auf dem harten Reifen, und hat keine Fehler gemacht", so der Österreicher, der sich nach dem Rennen per Funk in Antonellis Auto schaltete und vom "nächsten kleinen Schritt" sprach.
Und mit Verweis auf den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden von Mercedes und dreimaligen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda sagt er bei Sky: "Niki hätte den Hut gezogen."
Antonelli selbst bezeichnete das Wochenende als eines seiner bislang besten in der Formel 1. Entscheidend sei nicht nur das Ergebnis gewesen, sondern vor allem die Entwicklung über die drei Tage hinweg. "Und es war heute auch eine großartige, wirklich fantastische Teamleistung, besonders bei der Strategie und dem Vertrauen in die Einstopp-Strategie."
Der Schlüssel zum Sieg lag auch in der Entscheidung, nur einmal zum Reifenwechsel an die Box zu kommen. Dabei war sich Antonelli nicht ganz sicher, ob die Strategie aufgehen würde, als Verstappen an die Box fuhr: "Anfangs war ich etwas besorgt, aber wir konnten den Stint dann verlängern, und auf dem Medium kam die Pace tatsächlich zurück", sagt er. "Wir konnten draußen bleiben, ohne allzu viel Zeit zu verlieren."
Der harte Reifen erwies sich anschließend als ausgesprochen widerstandsfähig. Antonelli hatte zwar keine genaue Vorstellung davon, wie stark er die Reifen schonen musste, konnte aber nach wenigen Runden sein Tempo einschätzen.
"Der harte Reifen fühlte sich ehrlich gesagt sehr robust an, sodass ich ziemlich zuversichtlich war, damit bis zum Ende durchzufahren. Ich wusste nur nicht genau, wie viel Reifenmanagement erforderlich sein würde, aber ja, es war gut und das Auto hat sich heute sehr stark angefühlt", so der Italiener.
Dass Mercedes beim Start auf den Medium-Reifen setzte, war dabei weniger eine strategische Vorliebe als eine Notwendigkeit: "Um ehrlich zu sein, hatten wir nicht viel Wahl", gibt er zu. "Wir hatten keinen neuen Soft-Reifen mehr übrig, also war der neue Medium im Grunde die einzige Option, die wir hatten - abgesehen vom harten Reifen."
Im Nachhinein erwies sich das als Glücksfall. "Ich denke, der beste Reifen heute war der harte, einfach weil er am widerstandsfähigsten war. Das war durchaus überraschend, denn bei den letzten Rennen war der Soft eigentlich immer der beste Reifen. Es war also eine angenehme Überraschung, und glücklicherweise hat es für uns funktioniert."
Besonders bemerkenswert ist, wie wenig sich der junge Italiener von der Aussicht auf seinen ersten WM-Titel aus der Ruhe bringen lässt. Vor dem Wochenende war viel darüber gesprochen worden, ob er bereits in Austin Weltmeister werden könnte. Antonelli versuchte jedoch, diese Diskussionen bewusst auszublenden.
Dabei half ihm sein enges Umfeld. "Ich habe da großes Glück, weil ich eine extrem gute Gruppe von Menschen um mich herum habe. Im Team, aber auch mein Vater, der immer dabei ist, und mein Performance-Coach", erklärt er.
"Ich habe einfach tolle Leute um mich herum, die mir helfen, gelassener zu bleiben und mir nicht allzu viele Sorgen über solche Dinge zu machen. Sie helfen mir, all die Nebengeräusche auszublenden."
Ganz spurlos gingen die Diskussionen nicht an ihm vorbei. "Ich will nicht lügen: Am Donnerstag gab es natürlich extrem viele Gespräche über die Meisterschaft und all das." Dennoch habe er versucht, sich nicht darauf zu konzentrieren, sondern schlicht das bestmögliche Ergebnis einzufahren. "Das heutige Resultat war sehr wichtig für mich und für das gesamte Team."
Für Mexiko will Antonelli an dieser Herangehensweise festhalten. Er möchte sich nicht von der Aussicht auf den Titel leiten lassen, sondern erneut um den Sieg kämpfen. "Ich werde es mit derselben Einstellung angehen: einfach versuchen, so viel Spaß wie möglich zu haben und hoffentlich um einen weiteren Sieg mitzukämpfen", kündigt er an.
"Es wäre am besten, die Saison auf einem Höhepunkt zu beenden, das ist das Ziel. Aber ja, ich werde einfach versuchen, ab jetzt den Rest der Saison in vollen Zügen zu genießen."
Bei Mercedes scheint man sich derweil ebenfalls vorgenommen zu haben, die WM-Entscheidung nicht unnötig zu verkomplizieren. Wolff will Antonelli nicht mit zusätzlichen Erwartungen belasten. Stattdessen soll der 20-Jährige weiter so fahren, wie er es in Austin getan hat: konzentriert, schnell und ohne sich vom Titelrennen verrückt machen zu lassen.
"Es ist nicht komisch, dass ich nicht über die Meisterschaft nachdenke, gar nicht. Aber ich sage, das ist das Allerbeste, was du machen kannst", erklärt Wolff. "Das Ganze nicht überdenken. Er muss in Mexiko durchfahren."
"Und wenn er durchfährt, dann gibt es einen Tequila. Und wenn es in Brasilien ist, dann gibt es was Brasilianisches."