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Am Samstag Geburtstag, am Sonntag Bundesliga-Premiere? Youngster Niko Ilicevic könnte im Heimspiel gegen den HSV erstmals für die Profis von Eintracht Frankfurt auflaufen und damit Geschichte schreiben. Der erste Schritt einer großen Karriere?
Wissen Sie noch, was Sie am Tag nach ihrem 16. Geburtstag getan haben? Die meisten dürften wohl normal in die Schule oder zur Ausbildung gegangen sein. Vielleicht stand die erste Fahrt auf der 125er-Ducati an, auch Ausnüchtern gehörte wohl hier und da zum Standard-Programm. Für Niko Ilicevic, dem aktuell noch 15 Jahre alten Nachwuchstalent von Eintracht Frankfurt, trifft von alledem definitiv nichts zu. Auf Ilicevic wartet ein deutlich spektakuläreres Birthday-Weekend.
Am Samstag darf Ilicevic mit alkoholfreiem Sekt oder einem Wässerchen auf seinen 16. Geburtstag anstoßen, genau einen Tag später wäre er laut der DFB-Regularien dann offiziell spielberechtigt und könnte im Heimspiel der Eintracht gegen den Hamburger SV (17.30 Uhr) Bundesliga-Geschichte schreiben. Sollte Ilicevic zum Einsatz kommen, würde er den Rekord von Youssoufa Moukoko einstellen und wäre dann gemeinsam mit dem Ex-BVB-Wunderkind der jüngste Bundesliga-Profi aller Zeiten. Ob es so kommt, weiß nur Trainer Adi Hütter. Dass Ilicevic das Zeug dazu hätte, steht außer Frage.
Der Offensivspieler, der mit einem begnadeten linken Fuß ausgestattet ist und am liebsten zentral oder auf dem rechten Flügel spielt, gehört seit dieser Saison fest zum Profi-Kader und beeindruckt im Training regelmäßig Mitspieler, Fans und Beobachter. Im Trainingslager im bayrischen Grassau rieben sich Außenstehende immer wieder verwundert die Augen, auf die Ferne und die Schnelle waren Aktionen von Ilicevic oft nicht mit denen vom ähnlich frisierten Ritsu Doan zu unterscheiden. Schnell, trickreich, völlig ohne Angst. So spielt ein Profi.
"Wenn ich Niko hier so sehe, das ist schon außergewöhnlich", betonte auch Ex-Sportvorstand Markus Krösche damals. Weltmeister Mario Götze pflichtete an gleicher Stelle bei, dass ihn sein 19 Jahre jüngerer Mitspieler immer wieder beeindrucke. "In dem Alter diesen Spielwitz zu haben und die Intensität mitgehen zu können, das ist schon sehr gut. Man darf das Alter nicht vergessen. Wo war ich mit 15?"
Worte, die von einem Spieler, der in der U17 und der U18 mit der goldenen Fritz-Walter-Medaille als bester Nachwuchsspieler seines Jahrgangs ausgezeichnet wurde und schon seit frühester Kindheit aus der Masse herausstach, noch einmal mehr wiegen. Götze weiß, wie Supertalente aussehen und agieren. Ilicevic passt in dieses Bild. Jetzt geht es darum, den nächsten Schritt zu gehen. Die spannende Frage: Macht er ihn? Viele sind sich sicher: Er macht ihn.
Offiziell und nach außen, das ist verständlich und richtig, drücken alle Eintracht-Verantwortlichen das Euphorie-Bremspedal komplett durch. Ilicevic ist 15 Jahre jung und hat noch nie ein Pflichtspiel gegen Erwachsene bestritten. Im Training mithalten und in der Jugend brillieren ist das eine, sich im Profifußball und der Bundesliga durchsetzen das andere. "Wir müssen es behutsam machen", unterstrich Krösche deshalb schon mehrmals. Die Liste hochgelobter und dann abgestürzter Talente ist lang.
Hinter vorgehaltener Hand hört man im Umfeld der Eintracht aber immer wieder, dass Ilicevic eben nicht einer von vielen talentierten Jungs im Nachwuchsleistungszentrum ist. Der Neffe von Ex-Bundesliga-Profi Ivo Ilicevic sei schlicht und einfach herausragend, seine Fähigkeiten überwältigend. Hinzukommen ein ruhiges und realistisches Umfeld sowie ein einwandfreier Charakter. Tenor: Wenn der es nicht schafft, wer dann?
Das erste Karriere-Highlight einer möglicherweise langen und erfolgreichen Karriere könnte nun schon am Sonntag erfolgen. In der Frankfurter Startelf wird der dann 16-Jährige zwar eher nicht stehen, eine Einwechslung ist aber – je nach Spielverlauf – definitiv möglich. Mit dann 16 Jahren und einem Tag wäre Ilicevic bei seinem Debüt genauso alt wie Moukoko bei seiner Profi-Premiere vor knapp sechs Jahren.
Für den inzwischen 21-Jährigen ging es trotz der WM-Teilnahme 2022 danach zwar steil bergab, Moukoko steht inzwischen bei Corum FK in der Türkei unter Vertrag. Zumindest in den Geschichtsbüchern dürfte Ilicevic seinem Vorgänger aber sicher gerne nacheifern und damit seinen unglaublichen Aufstieg der vergangenen Jahre krönen.
Mit 13 Jahren debütierte Ilicevic in der Frankfurter U17, mit 14 lief er erstmals für die U19 auf und erzielte verbotenerweise in zwei Testspielen zwei Treffer für das Profi-Team. Mit 15 stieg er in den Profi-Kader von Trainer Adi Hütter auf, mit 16 wird – über kurz oder lang – der erste Bundesliga-Auftritt folgen. Ilicevic gehört die Zukunft bei Eintracht Frankfurt, diese könnte an diesem Wochenende beginnen. Es gab sicher schon langweiligere 16. Geburtstage.