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Die Absage des MotoGP-Rennens auf Phillip Island hat für Aprilia zwei Seiten. Jorge Martin bleibt nach seiner Verletzung im Sprint ein weiterer Punkteverlust erspart. Marco Bezzecchi hingegen kann seine starke Form nicht nutzen, um den Rückstand im Titelkampf zu verkürzen. Entsprechend schwer fällt es Aprilia-Rennchef Massimo Rivola, das ausgefallene Rennen sportlich einzuordnen.
Marc Marquez reist mit 365 Punkten zum nächsten Grand Prix nach Malaysia. Martin folgt mit 355 Zählern, Bezzecchi steht bei 315 Punkten. Die übrigen Fahrer haben nur noch sehr theoretische WM-Chancen. Während Martin am Sonntag ohnehin nicht hätte antreten dürfen, hatte Bezzecchi nach seiner Freitagsbestzeit auf eine weitere Gelegenheit zur Aufholjagd gehofft.
«Ich bin sicher, dass Marco etwas angefressen ist, weil er eine Chance gesehen hat. Ich denke, dass Jorge froh ist», erklärte Rivola auf die Frage, ob die Absage im Titelkampf gut oder schlecht für Aprilia sei. «Mir tut es für die Menschen leid, die seit dem frühen Morgen den ganzen Tag hier verbracht haben. Dieser letzte Auftritt hätte ein besseres Ende verdient.»
Die eingeschränkte Sicht beeinträchtigte den Einsatz des Rettungshubschraubers und verhinderte damit die Durchführung des Rennens. Zuvor waren bereits die Läufe der Moto3 und Moto2 gestrichen worden. Zum Abschied von Phillip Island blieb den Fahrern nur eine gemeinsame Runde hinter dem Safety-Car und ein Gruß an die Fans auf der Start-Ziel-Geraden.
«An das Problem mit dem Hubschrauber hatte ich persönlich nicht gedacht. Das war das Hauptproblem. Ich habe nach der Abschiedsrunde noch nicht mit Marco gesprochen, um zu erfahren, wie die Strecke war. Von außen sah sie angesichts der Geschwindigkeiten und des hohen Durchschnittstempos hier nicht besonders gut aus», schilderte Rivola.
Für den Italiener ging mit der Absage auch eine persönliche Enttäuschung einher. Er hatte seine Familie eigens zum letzten MotoGP-Rennen auf Phillip Island mitgebracht. «Ich bin hier, um Rennen zu bestreiten. Ich habe meiner Familie gesagt: Ihr müsst das letzte Rennen auf Phillip Island sehen, das ist einzigartig. Dafür haben sie die tagelange Hin- und Rückreise auf sich genommen – und dann gab es kein Rennen. Aber so ist es nun einmal», erklärte der Aprilia-Chef.
Trotz der günstigen Auswirkungen für Martin wollte Rivola die Absage deshalb nicht als Erfolg betrachten. «Es ist schade, denn natürlich sind wir hier, um Rennen zu fahren. Phillip Island ist eines der legendärsten Rennen, und wir kommen alle sehr gerne hierher», betonte er. Rein rechnerisch hilft jeder ausgefallene Lauf, in dem Martin nicht starten könnte, dessen Titelchancen. Rivola sprach das offen an, ohne daraus einen Wunsch für die verbleibende Saison zu machen.
«Wenn man auf Jorge schaut, wäre es natürlich besser, wenn wir nicht fahren würden – auch nicht in Sepang, vielleicht erst wieder bei den letzten beiden Rennen. Aber darum geht es uns nicht. Wir müssen uns jetzt auf das konzentrieren, was zu tun ist. Das ist die Hauptaufgabe», stellte Rivola klar.
Bei Martin gibt es unterdessen vorsichtig positive Nachrichten. Der Spanier hatte sich im Sprint beim intensiven Duell mit Marquez in der schnellen Kurve 8 einen Bruch der Speiche zugezogen. Zudem bestand nach den ersten Röntgenaufnahmen der Verdacht auf einen Bruch der Elle nahe dem Handgelenk. Nach aktuellem Stand scheint eine Operation jedoch nicht erforderlich zu sein.
«Null Punkte für Marc, null Punkte für Jorge. Die Meisterschaft ist weiterhin offen. Wir bekommen die Chance, dass sich Jorge erholen kann», erklärte Aprilia-Teammanager Paolo Bonora gegenüber TNT. «Positiv ist, und das ist die wichtigste Nachricht: Es handelt sich nicht um einen verschobenen Bruch. Am Morgen präsentierte sich Jorge in einer sehr positiven Stimmung.»
Martin wird deshalb nicht für eine Operation nach Spanien fliegen, sondern direkt von Australien nach Malaysia reisen. Ziel bleibt eine Rückkehr am kommenden Wochenende in Sepang. Eine gesicherte Zusage für seinen Start gibt es allerdings noch nicht. «Im Moment sieht es nicht so aus, als ob eine Operation notwendig ist. Das ist eine sehr gute Nachricht. Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt», erläuterte Bonora gegenüber MotoGP.com.
Wie konkurrenzfähig Martin auf Phillip Island gewesen war, macht die Verletzung für Aprilia besonders bitter. Vor seinem Sturz hatte er Marquez mehrfach überholt und dessen Angriffe gekontert. «Gestern lieferte er sich einen unglaublichen Kampf, das war schön zu sehen. Er war sehr angriffslustig und zeigte viele Manöver. Er demonstrierte, dass sein Renntempo richtig gut ist. Sein Sturz war aber ziemlich heftig», hielt Bonora fest.
Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Genesung und die Frage, wann Martin wieder fahren kann. «Wir werden die Entwicklung von Tag zu Tag beobachten. Am Morgen war er sehr gut drauf, und das ist richtig positiv für uns», erklärte Bonora. Auf die Frage nach einem Comeback in Sepang antwortete er: «Daran arbeiten wir. Wir sind optimistisch.»