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Fabian Wohlgemuth, Sportvorstand des VfB Stuttgart, erklärt im F.A.Z.-Fragebogen, warum er nicht über seinen Lieblingsspieler sprechen kann. Und warum er nur einen Lieblingstrainer haben darf.
Diesen Fragebogen hat Marcel Proust nie ausgefüllt. Denn er ist eine auf den Fußball zugespitzte Variante eines zu Zeiten des französischen Schriftstellers beliebten Gesellschaftsspiels. Wir spielen es weiter mit Menschen aus dem Fußball, die bereit sind, die Herausforderung an Geist und Charme anzunehmen: diesmal mit Fabian Wohlgemuth.
Der Fußballmanager arbeitet seit 2022 für den VfB Stuttgart, seit Sommer 2024 als Sportvorstand. Davor mit Stationen in Paderborn, Kiel und Wolfsburg. Als Spieler schaffte es Wohlgemuth, der 1979 in Ost-Berlin geboren wurde, in die damals dritthöchste Liga, die Regionalliga, musste seine Karriere dann aber wegen einer Knieverletzung beenden. Er sagte einmal selbst: „Vor mir lag keine Weltkarriere.“
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Was ist für Sie das größte Glück als Fußballer?
Wenn einer das Tor schießt und alle wissen: Das waren wir.
Und was ist für Sie das größte Unglück als Fußballer?
Wenn eine Verletzung das letzte Wort hat.
Woran erkennen Sie einen guten Spieler?
Am Ball sieht man sein Talent. Nach einem Ballverlust seinen Charakter. Heute nennt man das Resilienz. Früher hieß es: hinterher!
Wer ist der beste Spieler, gegen den Sie gespielt haben?
Simon Rolfes, den hätte ich damals deutlich lieber in der eigenen Mannschaft gehabt.
Welcher Spieler ist besser, als die Allgemeinheit glaubt?
Oft der, der seine Mitspieler besser aussehen lässt. Dummerweise sieht man dann zuerst die Mitspieler.
Wer ist der wichtigste Trainer in Ihrer Karriere?
Helmut Koch in der U 19. Gute Trainer prägen einen länger, als sie einen trainieren.
Worüber möchten Sie in der Kabine nicht sprechen?
Über Ausreden. Die haben eine erstaunlich schlechte Punkteausbeute.
Menschen, die Leben retten. Da wird unser Gerede vom Druck im Fußball ziemlich klein.
In einem Fußballspiel: Spielzüge, bei denen unsere Mannschaft schneller denkt, als der Gegner laufen kann.
Was fürchten Sie in einem Spiel?
Dass der VAR meinen Jubel rückwirkend für gegenstandslos erklärt.
Ein Gedanke, der Sie während eines Spiels überrascht hat?
Wie entspannt so ein Spiel sein könnte, wenn es mir egal wäre.
Welche Fußballregeln würden Sie ändern?
Ich würde Nettospielzeit ausprobieren. Wer Zeit schinden möchte, kann das nach dem Abpfiff tun.
Wer führt Ihre Gehaltsverhandlungen?
Ich selbst. Auf einer Seite des Tisches muss ja jemand sitzen, der mich überschätzt.
Was ist der Sinn des Spiels?
Gewinnen. Über den tieferen Sinn reden wir meistens nach Niederlagen.
Das ist in meinem Beruf schon eine preisrelevante Auskunft.
Unserer. Jede andere Antwort würde den Rest dieses Interviews unnötig kompliziert machen.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Das Schulbuch meiner Tochter. Ich habe ihr bei den Hausaufgaben geholfen – und dabei festgestellt, dass man nie auslernt.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mitspieler am meisten?
Damals Verlässlichkeit. Besonders nach meinen Fehlpässen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Freund am meisten?
Ehrlichkeit. Besonders dann, wenn ich eigentlich nur auf Zustimmung aus war.
Zu glauben, dass ein gut begründeter Fehler schon halb richtig ist.
Ihre Helden der Gegenwart?
Menschen, die Haltung zeigen, wenn es sie etwas kostet.
Ihre Heldinnen der Geschichte?
Menschen, die anderen Freiheit verschafft und dafür die eigene riskiert haben.
Was ist der größte Irrtum über das Leben als Fußballprofi?
Dass man sein Hobby zum Beruf macht und es dabei ein Hobby bleibt.
Messi. Wobei Ronaldo selbst aus dieser Antwort vermutlich noch Motivation ziehen würde.
Klopp natürlich. Auch diese Frage hat Störpotential.
Was lieben Sie am meisten am modernen Fußball?
Volle Stadien ohne Laufbahn. Die Begeisterung kommt direkt an. Die „Verbesserungsvorschläge“ auch.
Was verabscheuen Sie am meisten am modernen Fußball?
Die Ungeduld. Alle wollen langfristig am Erfolg arbeiten. Mit sofortiger Wirkung.
Ihre Lieblingsbeschäftigung an einem spiel- und trainingsfreien Tag?
Zeit mit der Familie. Mein Vorstandstitel beeindruckt dort zum Glück niemanden.