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Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt das Topspiel der 2. Liga beim 1. FC Nürnberg und hält dabei wieder mal die Null. SWR Sport erklärt, warum das Pfälzer Bollwerk so schwer zu überwinden ist.
"“Offense wins games, defense wins championships" - so lautet eine Weisheit, die ursprünglich aus dem US-Profisport stammt, aber längst auch in europäischen Sportarten adaptiert wurde. So auch im Fußball. Sinngemäß meint das Zitat, dass für langfristige Erfolge oder gar Titel eine stabile Abwehr die Basis und wichtiger ist, als das kurzfristige schöne Spiel, dass auch immer Gefahr läuft, zur brotlosen Kunst zu werden.
Auf den 1. FC Kaiserslautern übertragen bedeutet das: Die Chancen, in diesem Jahr um den Aufstieg mitzuspielen oder gar die so heiß ersehnte Bundesliga-Rückkehr zu schaffen, stehen so hoch wie lange nicht. Der FCK stellt nach neun Spielen mit erst vier Gegentoren - davon alleine drei beim 0:3 in Magdeburg - die mit Abstand beste Abwehr der 2. Liga. Die zweitbeste Defensive weist Tabellenführer Hertha BSC auf. Der Hauptstadtklub hat mit acht Treffern indes bereits doppelt so viele Tore kassiert wie die Pfälzer. Dass Lautern selbst erst neun Treffer erzielt hat, erscheint nicht dramatisch, so lange hinten die Null steht.
Auch beim bislang ungeschlagenen 1. FC Nürnberg hielten sich die Roten Teufel im Topspiel der 2. Liga schadlos und setzten sich mit 1:0 (0:0) durch. Der FCK kletterte durch den ersten Erfolg beim Club seit 2010 auf den Relegationsrang drei. In der Partie bei den Franken war idealtypisch gut zu sehen, warum es so schwer ist, einen Treffer gegen die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht zu erzielen.
Ein wichtiger Punkt ist, wie die gesamte Kaiserslauterer Mannschaft gegen den Ball arbeitet. Alle Spieler beteiligen sich, jeder Akteur kennt seine Rolle und die damit verbundenen Defensiv-Aufgaben. Und erfüllt diese. "Unsere Innenverteidiger, unsere Sechser, die Jungs, die reinkommen, alle opfern sich auf, blocken alles weg und verhindern ganz viele Situationen schon in der Entstehung", analysierte Keeper Julian Krahl nach dem Spiel in Nürnberg. "Die Wahrheit dahinter ist, dass wir einfach als Team keinen Bock haben, ein Gegentor zu bekommen. Momentan zeichnet uns einfach aus, dass wir sehr, sehr gut und extrem stark verteidigen können."
Ähnlich hatte es kürzlich bereits Abwehrspieler Jan Elvedi formuliert. "Wir verteidigen einfach sehr gut im Verbund. Das beginnt schon vorne im Sturm und im Mittelfeld, die ganze Mannschaft ist voll unterwegs. So verteidigen wir vieles weg und bügeln auch Fehler aus", hatte der 30-jährige Schweizer gesagt.
In Nürnberg betrieben die Roten Teufel ein sehr intensives Mann-gegen-Mann-Pressing - über die komplette Spielzeit. Das Team ist augenscheinlich fit genug, um dieses taktische Stilmittel über 90 Minuten durchzuhalten. Der Club wurde dadurch immer wieder in Zweikämpfe verwickelt, auch im Aufbau und tief in der eigenen Hälfte, woraus Ballgewinne für den FCK resultierten oder die Franken sich gezwungen sahen, auf lange Bälle zu setzen. Andersrum ziehen sich die Pfälzer bei eigenen Ballverlusten blitzschnell zurück und stellen ihre Abwehr-Ordnung wieder her, was es für jeden Gegner schwer macht, Treffer gegen Lautern zu erzielen.
Ein weiterer Faktor ist die Topform einzelner Defensiv-Akteure des 1. FC Kaiserslautern. Krahl ist bislang vielleicht der stärkste Zweitligakeeper der Saison, Elvedi schaffte es vom Abstellgleis erst zurück in die Stammelf und dann zum Leistungsträger. Maxwell Gyamfi spielt aktuell so stark wie noch nie in seiner FCK-Zeit, Jacob Rasmussen liefert ab, Sommer-Neuzugang Alex Murphy hat sich ohne große Anpassungsprobleme direkt als Verstärkung entpuppt. Auch die Schienenspieler Mika Haas und Paul Joly opfern sich in der Abwehrarbeit auf, während Mittelfeldspieler Semih Sahin in seiner zweiten Saison richtig am Betzenberg angekommen ist und auch immer Defensivlöcher stopft. Neben der guten Form der einzelnen Spieler vermeiden diese aktuell leichte Fehler. Die Konzentration über die komplette Spielzeit stimmt.
Auch Teil der Wahrheit ist, dass Kaiserslautern bislang bei brenzligen Situationen vor dem eigenen Tor das nötige Glück hatte. So auch in Nürnberg, etwa als Eric Porstner die Latte des FCK-Kastens oder Rafael Lubach den Ball aus kürzester Distanz nicht richtig traf.
Aber auch das gehört dazu - und so ist die Laune beim FCK nach dem Erfolg beim Club bestens. Trainer Lieberknecht war zufrieden, dass sein Team die "unheimliche hohe Intensität" des Spiels mitgehen konnte. "Das war für uns der Schlüssel zum Erfolg."
Und so soll es weiter gehen - bei den kommenden schweren Aufgaben. Der FCK tritt am kommenden Mittwoch (28. Oktober, 20:45 Uhr, Liveticker und Audiostream.) in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Hannover 96 an. Und am nächsten Wochenende kommt es dann zum absoluten Gipfel in der 2. Liga, wenn die Roten Teufel den Tabellenführer Hertha BSC empfangen (31.10., 13 Uhr). Dann soll das Pfälzer Bollwerk wieder stehen - damit die langfristigen Träume weiterhin blühen können.