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Vater stirbt bei Unfall und rettet 5 Leben: Seine Tochter ist Europameisterin
Kio Abend bei der FAZ von links dabei Doris, Rosina und Gabriel Schneider.
Doris, Rosina und Gabriel Schneider waren aus persönlichen Gründen beim Kio-Abend und bewegten die Herzen. © Enrico Sauda

Beim KiO-Jubiläum in Frankfurt gedachten Rosina Schneider und ihr Bruder Gabriel gemeinsam ihres Vaters Christoph und anderen Organspendern. Gabriel lebt selbst mit einem Spenderorgan.

Für Dirk Bethe geht's um mehr als Medizin. Der Diplompsychologe arbeitet an der Uniklinik Heidelberg mit nierenkranken und transplantierten Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien. Dabei liegt ihm besonders das seelische Wohl seiner jungen Patienten am Herzen. Seit vielen Jahren begleitet er sie auf ihrem Weg mit der Krankheit. Für dieses Engagement erhielt Bethe jetzt den Helmut-Werner-Preis der Kinderhilfe Organtransplantation (KiO).

Kio Abend bei der FAZ von links dabei Burkhard Tönshoff, Christian Höftberger, Antje Gutsche ,  Dirk Bethe (Preisträger), Gero Kalt und Moderator Norbert König
Burkhard Tönshoff (von links), Christian Höftberger, Antje Gutsche, Preisträger Dirk Bethe, Gero Kalt und Moderator Norbert König © Enrico Sauda

Die feierliche Übergabe war aber nur einer der Höhepunkte gleichzeitig eines langen Abends mit vielen Gästen, an dem das 30-jährige Bestehen des Vereins „Sportler für Organtransplantation“, aus dem KiO hervorging, gefeiert wurde. Gekommen waren unter anderem die Handballlegende Heiner Brand, die frühere Turnerin Kim Bui, Mitglied der IOC-Athletenkommission, die Olympiasieger Cornelia Hanisch (Fechten) und Udo Quellmalz (Judo), die Speerwurf-Weltmeisterinnen Steffi Nerius und Katharina Karstens, die Handball-Weltmeister Christian Schwarzer und Kurt Klühspies und Eiskunstlaufass Marina Kielmann sowie Wimbledon-Doppelsiegerin Claudia Kohde-Kilsch. Die „KiO Young Champions“ vertraten unter anderem der zweifache Ironman-Sieger Finn Große-Freese und Rosina Schneider, U20-Europameisterin über 100 Meter Hürden.

Dirk Bethe und sein Team schaffen mit ihrer zweiwöchigen Ferienkur einen Raum, in dem die Erkrankung zeitweise in den Hintergrund treten kann. Die Kinder müssen sich in der Gruppe nicht erklären und können unbeschwerte Momente erleben. Wie die Berichte über die Ferienkur zeigen, schöpfen viele aus diesen zwei Wochen Kraft für die Herausforderungen des übrigen Jahres.

Der Helmut-Werner-Preis wird seit 2005 von KiO ausgeschrieben und ist nach dem früheren Mercedes-Chef benannt, der die Gründung der Kinderhilfe ermöglicht hatte und 2004 an Organversagen starb. Das Preisgeld von 5.000 Euro stiftet die Familie Werner.

Es war aber auch eine Nacht voller Emotionen. Etwa als Anna Barbara Sum, Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Vereins „Junge Helden“, an Anne-Marie erinnerte. Eine junge Frau, die bei einem Verkehrsunfall ihr Leben verlor, aber mit ihren Organen vier Menschenleben rettete. Nach Sums Rede gab es stehende Ovationen, ebenso wie nach dem Beitrag von KiO-Vorstandsmitglied Oliver Kauer-Berk. Er sprach von Christoph, der an den Folgen eines Motorradunfalls starb und dessen Organe fünf Menschen das Leben retteten.

Christoph war der Vater der Hürdenläuferin Rosina Schneider, die 2023 bei den U20-Europameisterschaften in Jerusalem über 100 Meter Hürden siegte. Ihr Bruder Gabriel lebt selbst mit einem Spenderorgan. Gemeinsam mit ihrer Mutter Doris waren die Geschwister nach Frankfurt gekommen, um gemeinsam Christoph zu gedenken.

Auch die Ansprache von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), war von einer persönlichen Erinnerung geprägt. Im Mittelpunkt steht sein Freund Hans Wilhelm Gäb, Mitbegründer der Initiative „Sportler für Organspende“. „Dass ich heute entgegen meiner Gewohnheit sogar eine Krawatte trage, ist dir gewidmet, lieber Hans“, sagte Weikert.

Kio Abend bei der FAZ mit von links Christian Schwarzer und Kurt Klühspies
Christian Schwarzer und Kurt Klühspies. © Enrico Sauda

Verbunden hatten die beiden zunächst ihre Leidenschaft für Tischtennis. Als Weikert 2006 die Laudatio zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Gäb hielt, beschäftigte er sich intensiv mit dessen Engagement. Gäb wusste selbst, was es bedeutete, auf ein Spenderorgan zu warten: Nach fast vier Jahren Wartezeit hatte ihm 1994 eine Lebertransplantation das Leben gerettet. Bei einer KiO-Veranstaltung erlebte Weikert schließlich, wie groß die nicht betroffenen Kinder und ihre Familien sein können. Die Begegnungen hatten eine konkrete Folge: Er besorgte sich einen Organspendeausweis und bat Gäb, dem Verein beitreten zu dürfen.

Zum Jubiläum dankte er den Mitstreitern dafür, Gäbs engagiert weiterzutragen: „Ich bin froh und dankbar, meinen kleinen Teil mitzuhelfen und mit euch das Leben organkranker Menschen ein Stück besser machen zu dürfen.“

Für ihren langjährigen Einsatz wurden Fecht-Olympiasiegerin Cornelia Hanisch, der frühere Handball-Bundestrainer Heiner Brand und Horst Borghs, Gründungsmitglied und langjähriges Vorstandsmitglied, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Durch den Abend führte KiO-Mitglied Norbert König, bekannt als ZDF-Sportjournalist und -Moderator.

Über die Weltspiele der Transplantierten von Kim Buh zu KiO. Die Begegnungen und das Engagement der bisherigen hatten sie beeindruckt. Offizielle Botschafterin sei sie nicht, sie wolle die Arbeit des Vereins bekannter machen. „Es braucht einfach die Unterstützung, es braucht die Sichtbarkeit.“ Wenn sie selbst „einen kleinen Mini-Teil“ dazu beitragen könnte, mache sie das sehr gerne.

Christian Schwarzer betonte, dass über Organspende offen gesprochen werden müsse, damit mehr Menschen eine Überlebenschance bekommen. Er sei selbst Vater und engagiere sich seit Jahren als Botschafter. „Ich denke mal, Sport hat so eine Strahlkraft, um solche Projekte zu unterstützen.“

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