flag
back Zurück
Lukas Hradecky im Interview: über die Eintracht, Meister-Coach Alonso und die Bundesliga

Lukas Hradecky spricht im Interview mit Absolut Fussball über das Fürstentum, Xabi-Alonso-Vibes bei Filipe Luís, Paris Brunner und Eintracht Frankfurt.

München – Mit Eintracht Frankfurt gewann er den DFB-Pokal, mit Bayer Leverkusen das Double: Nun hat es Lukas Hradecky an die Cote d’Azur verschlagen, wo er seine zweite Saison bei der AS Monaco absolviert. Diese ist nun seit vier Ligaspielen in Folge in der Ligue 1 ohne Sieg - doch das ist für Hradecky kein Grund für schlechte Laune.

Lukas Hradecky holt mit Bayer 04 Leverkusen in der Saison 2023/24 die Meisterschale.
Lukas Hradecky holt mit Bayer 04 Leverkusen in der Saison 2023/24 die Meisterschale. © picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Der finnische Torhüter, der im Sommer 2025 von Bayer Leverkusen ins Fürstentum wechselte, genießt das Leben an der Cote d’Azur und hält sportlich an hohen Zielen fest. Dazu verfolgt der 36-Jährige aufmerksam, was bei seinen früheren Klubs passiert. Niklas Trettin von Absolut Fußball hat mit ihm über seine neue Heimat, Monacos Ambitionen und seine Verbindungen nach Leverkusen und Frankfurt gesprochen.

Lukas Hradecky, Sie spielen seit mittlerweile über einem Jahr bei der AS Monaco. Wie gefällt es Ihnen dort? Wie lebt es sich im Fürstentum?

Sehr gut. Allein das Wetter macht vieles leichter. Wenn man im Spätherbst, wie jetzt gerade, noch in Shorts zum Training fahren kann, beschwert man sich sowieso nicht. Das Leben hier gefällt mir richtig gut. Nicht, dass ich die Zeit in Deutschland nicht genossen hätte. Hier gibt es aber noch einmal mehr Möglichkeiten, abzuschalten und das Leben zu genießen. Ich sage es mal so: Die Stadt wird ihrem Ruf definitiv gerecht. 

Absolut Eintracht – der Newsletter ⚽

Der „Absolut Eintracht-Newsletter“ - ein Muss für SGE-Fans
Der „Absolut Eintracht-Newsletter“ - ein Muss für SGE-Fans © Plietsch/Imago

Seien Sie näher an der Eintracht dran als je zuvor! Unser SGE-Newsletter versorgt Sie mit den wichtigsten News, liefert Ihnen Videos, Reportagen und exklusive Interviews direkt und ganz bequem in Ihr Postfach.

Jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren und Teil der SGE-Community werden. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden!

Sind Sie dabei?

Sie haben einst gesagt: „Was will ich mit Champagner? Der schmeckt nicht, kostet viel mehr. Und Bier ist hinter Wasser das beste Getränk der Welt.“ Jetzt wohnen Sie ausgerechnet in Monaco, wo Champagner und Luxus zum Alltag gehören. Wie passt das zusammen?

An meiner Einstellung hat sich nichts geändert. Ich glaube, seit ich hier bin, habe ich nicht ein Glas Champagner getrunken. (lacht) Das ist einfach nicht mein Getränk, dabei bleibe ich. Die Lebensqualität hier nehme ich aber natürlich sehr gerne mit. Da mache ich eine Ausnahme.

Als Alexander Nübel noch in Monaco gespielt hat, hatte er immer wieder Kontakt zu anderen deutschen Sportgrößen wie Nico Hülkenberg oder Alexander Zverev. Ist das bei Ihnen ähnlich? Treffen Sie beispielsweise auch mal Valtteri Bottas?

Bisher noch nicht. Mit Valtteri Bottas gibt es ein paar gemeinsame Bekannte, so häufig ist er aber gar nicht hier. Die Tennisspieler und die deutschen Sportler sind, soweit ich weiß, etwas öfter in Monaco unterwegs. Von der berühmten Stammtischgruppe mit den Jungs und Robert Geiss habe ich gehört. Das scheint ja lustig gewesen zu sein. Leider sind von uns Finnen hier nicht allzu viele vertreten, um etwas Ähnliches zu machen.

Sportliche Ambitionen: Vom PSG-Coup bis zum Meisterschafts-Traum

Kommen wir zum Sportlichen. Sie haben sich vorgenommen, wieder mehr Spiele zu bestreiten und mit Monaco eine bessere Saison zu erleben, weil Sie in der vergangenen Spielzeit des Öfteren mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Wie zufrieden sind Sie bis dato?

Mit mir persönlich sehr zufrieden. Speziell wenn man bedenkt, wie schwierig die letzte Saison für mich war. Als Team aber auch. Wir sind gut gestartet, auch wenn es in den jüngsten Spielen nicht so rund lief. Ich finde, dass unser Trainer Filipe Luís viele sehr gute Dinge eingebracht hat. Bis jetzt haben wir nur zwei Niederlagen kassiert.

Mir gefällt die Entwicklung der Mannschaft. Und mir gefällt, dass ich gesund geblieben bin und endlich wieder regelmäßig spielen kann. Das war für mich wirklich ein ganz wichtiger Punkt.

Mit dem 2:1-Sieg bei Paris Saint-Germain Anfang September hat Monaco schon ein kräftiges Ausrufezeichen gesetzt. Was ist mit dieser Mannschaft in dieser Saison möglich? Ist die Qualifikation für die Champions League das klare Ziel?

Das Wort Konstanz fällt im Fußball immer wieder, egal ob in Deutschland, Frankreich oder anderswo. Genau darum geht es bei uns momentan. Wir können Spiele auf Weltklasse-Niveau abliefern und gegen die besten Mannschaften der Welt gewinnen. Das haben wir gegen Paris gezeigt. Nur müssen wir diese Leistungen regelmäßiger abrufen. Fakt ist nämlich auch, dass Paris in der Tabelle schon wieder ein paar Punkte vor uns liegt.

Ich denke aber schon, dass wir unsere Ziele etwas höher ansetzen können als in der vergangenen Saison. Ob es am Ende um die Meisterschaft oder die Champions-League-Plätze geht, wird sich zeigen. Der Start war gut. Jetzt wird die Stabilität entscheidend sein.

Sie schielen insgeheim sogar auf die Meisterschaft?

 Realistisch ist das sicher nicht. Aber war die Meisterschaft von Bayer Leverkusen vor drei Jahren zu Saisonbeginn realistisch? Für viele wahrscheinlich ebenso wenig. Natürlich kann man die beiden Mannschaften überhaupt nicht miteinander vergleichen. Aber wir haben Paris geschlagen und gezeigt, dass wir auch die Besten bezwingen können. Wir sind alle Sportler. Solange etwas erreichbar ist, wollen wir das Maximum herausholen. Dafür arbeiten wir jeden Tag hart. 

Mit Filipe Luis, den Sie bereits erwähnten, steht in Monaco ein neuer Trainer an der Seitenlinie, der im Sommer auch bei Ihrem Ex-Klub Bayer Leverkusen im Gespräch war. Was ist er für ein Typ?

Bei ihm hatte ich ehrlich gesagt direkt Xabi-Alonso-Vibes. Ich erkenne tatsächlich Ähnlichkeiten zwischen den beiden. Filipe ist ein bodenständiger Typ, arbeitet sehr detailliert und legt großen Wert auf Menschlichkeit. Man sieht, dass er viel mit den jüngeren Spielern spricht, ihnen Dinge beibringt und der Mannschaft sehr nah ist. Er ist einfach ein cooler Typ und hat eine ähnliche Vorstellung davon wie ich, wie Fußball gespielt werden sollte. Ein super Trainer. Ich bin sehr glücklich, dass er hier ist.

 Als Aktiver hat Filipe Luis selbst unter Trainern wie Diego Simeone und José Mourinho gespielt.

Die drei Monate, die er inzwischen bei uns ist, reichen noch nicht aus, um wirklich beurteilen zu können, was Filipe von ihnen mitgenommen hat. Er macht das aber sehr gut und geschickt. Allein die Tatsache, dass er bei großen Vereinen gespielt hat, hilft ihm: Er weiß, wie Fußballer denken. Das ist eine sehr gute Eigenschaft.

Wenn wir über die Qualität im Kader sprechen, die Filipe Luis zur Verfügung steht, müssen wir zwangsläufig auch über Paris Brunner reden. Wie erleben Sie ihn zurzeit? 

Überragend. Wirklich. Man kann den Jungen nur loben. Seit dem Sommer sieht er wie eine Neuverpflichtung aus. Er kam aus dem Urlaub zurück und hatte unglaublich viel Energie, Zug und Kraft. Dann hat er seine Chance genutzt. So leicht kann es im Fußball manchmal sein: Man lässt die Leistungen sprechen. Nicht viel reden, einfach liefern. Gefühlt trifft er mittlerweile in jedem Spiel. Hoffentlich isst er weiterhin das, was auch immer er in seinem Sommerurlaub gegessen hat. (lacht)

Monaco gilt seit Jahren als Talentschmiede. Davon profitiert nicht nur Brunner. 

Das komplette System ist hier ein bisschen anders als in Deutschland. Ein Beispiel: Unsere zweite Mannschaft, mit Spielern im Alter von 19 bis 22 Jahren, nimmt nicht an einem klassischen Ligabetrieb teil.

Sie bestreiten dafür viele Partien in Turnierform gegen die Nachwuchsteams internationaler Topvereine oder Freundschaftsspiele gegen Klubs aus der vierten und fünften französischen Liga. Und das merkt man. Viele Talente, die bei uns im Profi-Training auftauchen, sind teilweise extrem weit. Es ist beeindruckend, welches Niveau sie erreicht haben, bevor sie überhaupt hier ankommen.

 Welchem Ihrer jungen Mitspieler trauen Sie eines Tages den Sprung in die absolute Weltklasse zu?

Anis Soubeir. Der war schon bei uns oben dabei und hat enormes Potenzial. Wenn er gesund bleibt und weiterarbeitet, kann das ein ganz Großer werden.

 Verfolgen Sie die Bundesliga noch intensiv?

Auf jeden Fall, sofern es zeitlich möglich ist. Die Bundesliga-Konferenz schaue ich mir eigentlich immer an. Wenn wir sonntags spielen, verfolgen Philipp Köhn (Monacos Ersatzkeeper; Anm. d. Red.) und ich die Spiele manchmal gemeinsam im Bus oder noch im Trainingszentrum, wenn wir dort sind. Die Bundesliga ist, was das angeht, nach wie vor meine erste Anlaufstelle. Dazu kommen noch die interessanten Spiele der Ligue 1, als Familienvater hat man aber auch nicht mehr unbegrenzt viel Zeit.

Blick in die Bundesliga: Hradecky traut Adi Hütter Eintracht-Wende zu

Ihre Ex-Klubs Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt haben Sie also weiterhin fest im Blick?

Na sicher. Zu beiden Vereinen habe ich eine ganz besondere Verbindung. Seit Adi Hütter wieder in Frankfurt arbeitet, schaut man automatisch noch etwas genauer hin. Und Leverkusen sowieso.

Sie kennen Adi Hütter aus einer gemeinsamen Zeit in Monaco. Kann er die SGE wieder in die Spur bringen?

Ja, ich glaube, das passt sehr gut zusammen. Ich schreibe zwar nicht ständig mit den Leuten dort, habe aber gelegentlich Kontakt zum Torwarttrainer von Frankfurt, Jan Zimmermann. Mit Adi hat es in Frankfurt schon einmal sehr gut funktioniert. Und ich denke, dass man in der aktuellen Situation ein paar Dinge aus der alten Schule gebrauchen kann. Adi ist ein guter Typ, um Disziplin und eine entsprechende Arbeitsmentalität in eine Mannschaft zu bringen. Deshalb kann das eine gute Kombination werden.

Haben Sie auch zu Ihren früheren Leverkusener Mitspielern noch regelmäßig Kontakt?

Klar. Ich habe noch Kontakt zum Torwarttrainer (David Thiel; Anm. d. Red.), zu den Zeugwarten und hin und wieder zu Patrik Schick oder anderen ehemaligen Teamkollegen, die noch in der Kabine sind. In den letzten zwei Jahren hat sich dort einiges verändert. Es gibt viele neue Gesichter, mit denen ich selbst nie zusammengespielt habe. Aber zu den alten Hasen ist der Draht geblieben.

Was Sie bei Bayer in der Saison 2023/24 mit der ungeschlagenen Meisterschaft erreicht haben, ist legendär.

Das war wirklich Wahnsinn. Selbst hier in Frankreich werde ich immer wieder darauf angesprochen. Von Mitspielern, Betreuern, Fans – eigentlich von allen möglichen. Diese ungeschlagene Saison 2023/24 ist vielen in Erinnerung geblieben. Man wird ständig damit konfrontiert: 34 Ligaspiele ohne Niederlage – wie habt ihr das geschafft? Wie war das möglich? Und dann die zehn oder 15 Tore, die wir in der Nachspielzeit erzielt haben. Das kommt schon verdammt häufig zur Sprache.

Und wie lautet Ihre Antwort auf all diese Fragen?

Eine richtige Erklärung dafür habe ich bis heute nicht. Da war sicherlich auch eine Menge Glück im Spiel. Genauso wichtig waren aber unsere Qualität, der Glaube innerhalb der Mannschaft und die Dynamik, die sich entwickelt hatte. Xabi Alonso hat selbst oft scherzhaft gesagt, dass es dafür eigentlich gar keine Antwort gebe.

Ich denke, es war eine Mischung aus vielen Dingen: unserer Spielweise, dem Vertrauen zueinander und unserer körperlichen Verfassung. Selbst wenn wir kurz vor Schluss zurücklagen, sind wir nicht hektisch geworden. Wir haben an unserem Spiel festgehalten. Dieser Glaube, dass wir noch ein Tor erzielen können, war mit der Zeit einfach da.

Denken Sie, dass es irgendwann noch einmal jemand schaffen kann, eine Bundesliga-Saison ungeschlagen zu überstehen?

Ich weiß es nicht. Hoffentlich nicht. Der FC Bayern war in der vergangenen Saison ja überraschend nah dran und hat nur ein Spiel verloren. Da müssen wir uns bei unseren Freunden aus Augsburg bedanken. (lacht) 

Dieses Interview führte Niklas Trettin.

Könnte Ihnen gefallen

HSV-Befreiungsschlag gegen Gladbach? Das sagen die Zahlen

90min vor 8 Stunden

Neuer Stürmer & zwei Abwehr-Talente: Die heißesten Transfergerüchte zu Eintracht Frankfurt

90min vor 6 Stunden

Zwei Bundesliga-Stars für Oranje

Fussball Transfers vor 4 Stunden

Bundesliga-Prognose: Vorhersage & Tipps zum 9. Spieltag 26/27

90min vor 20 Stunden

BVB - SV Elversberg: Bundesliga live im TV und Online-Stream sehen

t-online vor 8 Stunden

Bericht: Hütters Frankfurt an PSG-Talent interessiert

LAOLA1.at vor 6 Stunden

SC Paderborn 07: Gegner Eintracht Frankfurt im Portrait

Westfalen-blatt vor 11 Stunden

Das steckt hinter der "60-Tage-Regel" rund um Salzburgs Kitano

LAOLA1.at vor 6 Stunden

Europa League: Leverkusens Andrich wütet wegen Aktion von Mitspieler

t-online vor 5 Stunden