Zurück
Bei Borussia Mönchengladbach galt er einst als großes Versprechen. Der Durchbruch blieb aus, jahrelang spielte Joy-Lance Mickels im unterklassigen Fußball. Doch jetzt ist der frühere Gladbach-Youngster auf der ganz großen Bühne angekommen. Am Dienstagabend (20. Oktober, 18.45 Uhr) fordert der 32-Jährige mit Sabah FK aus Aserbaidschan in der Champions League Borussia Dortmund heraus.
📌 Joy-Lance Mickels
Bei Borussia Mönchengladbach träumte Mickels einst von der Bundesliga. In der U19 machte er mit vielen Toren auf sich aufmerksam. Auch in einem internen Test gegen die Profis traf er. Später sagte er: „Zu diesem Zeitpunkt war ich fest davon überzeugt, dass ich ein Teil der ersten Mannschaft werden würde.“
Doch daraus wurde nichts. Eine Knieverletzung bremste Mickels im ersten Seniorenjahr heftig aus. Für Gladbach II blieb es insgesamt bei fünf Regionalligaeinsätzen. 2014 wechselte er zu Schalke, wo er zeitweise bei den Profis mittrainierte.
Auch auf Schalke platzte der Traum vom großen Durchbruch. Mickels bekam keinen Pflichtspieleinsatz für die Profis. Später blickte er selbstkritisch zurück: „Ich war nicht so professionell, wie ich es hätte sein müssen.“ Danach folgten Stationen unter anderem in Aachen, Nordhausen, Jena und Maastricht.
2021 ging Mickels dann nach Aserbaidschan zu Sabah FK. Viele in seinem Umfeld sahen den Schritt skeptisch. „Viele meiner Freunde sagten zu mir: Wenn ich nach Aserbaidschan wechsle, kann ich direkt meine Karriere beenden“, erinnerte er sich später. Nach einem zwischenzeitlichen Abstecher nach Saudi-Arabien kehrte er 2024 zu Sabah zurück.
Der Anfang in Baku war schwer. Mickels lebte im Hotel, hatte keine Wohnung und kaum Kontakte. Doch er biss sich durch. Bei Sabah wurde er Stammspieler, Scorer und schließlich Teil einer Mannschaft, die 2026 erstmals aserbaidschanischer Meister wurde. Mickels selbst krönte sich zum Torschützenkönig.
Dann folgte das nächste Fußball-Märchen. Sabah kämpfte sich durch vier Qualifikationsrunden der Champions League. Im entscheidenden Playoff-Rückspiel gegen Hapoel Beer Sheva gewann der Klub mit 5:2 nach Verlängerung. Mickels traf zum zwischenzeitlichen 5:1 und hatte damit erheblichen Anteil am historischen Einzug in die Ligaphase.
Dort begann das Abenteuer mit einer 0:4-Niederlage bei Manchester United. Doch gegen Slavia Prag schlug Sabah zurück. Beim 2:0 am 13. Oktober machte Mickels in der 88. Minute mit einem Schuss aus großer Entfernung alles klar. Sein erstes Tor in der Königsklasse – und der erste Sieg für seinen Klub.
Nun wartet mit Borussia Dortmund der nächste große Name. Im Olympiastadion von Baku will Mickels den Bundesligisten ärgern. Dass Sabah als Außenseiter ins Spiel geht, weiß er selbst. Im Interview mit „Absolut Fussball“ gibt er sich trotzdem kämpferisch: „Alles ist möglich in 90 Minuten.“ Der erste Champions-League-Sieg hat schließlich gezeigt, wozu seine Mannschaft fähig ist.
Auch abseits der Königsklasse nahm seine Karriere eine besondere Wendung. Im März 2026 gab Mickels sein Debüt für Ruanda. Gleichzeitig liefen auch seine Brüder Joy-Slayd und Leroy-Jacques erstmals für die A-Nationalmannschaft auf.
Und ausgerechnet Gladbach lässt Mickels bis heute nicht los. Im Gespräch mit „Absolut Fussball“ machte er deutlich, dass er sich eine Rückkehr durchaus vorstellen kann: „Nach Gladbach würde ich gehen. Selbst wenn es weniger Geld wäre.“ Denn Borussia sei für ihn sein Zuhause. Konkrete Rückkehrpläne sind damit allerdings nicht verbunden.
Für Borussia Mönchengladbach bleibt diese Geschichte bemerkenswert. Aus dem früheren Top-Talent wurde kein Bundesliga-Star am Niederrhein. Doch Mickels fand seinen eigenen Weg. Nach Jahren in der sportlichen Versenkung steht er nun gegen den BVB auf der größten Vereinsbühne des europäischen Fußballs. Ein Umweg, den sich der Gladbacher wohl selbst kaum hätte schöner ausmalen können. Auch spannend: Angst vor einer Wiederholung: Gladbachs große Krise in den 2000ern – und die Parallelen zu heute