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Russland soll noch in dieser Saison an Eishockey-Weltmeisterschaften zurückkehren. Nach dem CAS-Urteil machen Politiker und Sponsoren Druck auf die IIHF.
Die Meldung löste am Freitag Schockwellen in der internationalen Eishockey-Gemeinschaft aus. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne hat entschieden, dass der Internationale Eishockeyverband (IIHF) Russland wieder zu den Weltmeisterschaftsturnieren zulassen muss. Im CAS-Urteil ist festgehalten, dass die von der IIHF angeführten Gründe für die Verbannung Russlands – die Sicherheit der Teilnehmer, Zuschauer und freiwilligen Helfer – nicht ausreichend für einen solchen Entscheid seien.
Nach dem CAS-Entscheid müssten die russischen Teams bereits in dieser Saison wieder zu den jeweiligen Weltmeisterschaften zugelassen werden – als erstes bei der U20-WM der Männer Ende Dezember. Aber auch die U18-WM der Frauen im Januar oder die A-WM der Männer im Mai in Deutschland wären betroffen.
Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) warnt schon vor den Folgen des Urteils. «Ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben. Aber natürlich müssen wir uns mit der Option beschäftigen, dass wir diese WM zurückgeben», sagte DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz. Dabei gehe es vor allem um finanzielle Risiken und kurzfristige Änderungen, die der CAS-Entscheid mit sich bringe. Zudem könne er nicht garantieren, dass die russischen Spieler von der deutschen Regierung tatsächlich auch die benötigten Visa erhalten werden.
Eine klare Linie scheint Finnland zu verfolgen. Aussenministerin Elina Valtonen hat angekündigt: «Solange Russland seinen Angriffskrieg in der Ukraine fortführt, werden russische Athleten in Finnland nicht willkommen sein.» Von Dezember 2027 bis Januar 2028 findet in Tampere und Turku die U20-Weltmeisterschaft der Herren statt, wobei zweitere angekündigt hat, sich als Gastgeber zurückzuziehen, falls Russland tatsächlich zurückkehrt. NHL-Insider berichten zudem, dass die kanadische Regierung nicht vorhat, ein russisches Team für die U20-WM im Dezember dieses Jahres in Edmonton und Red Deer zuzulassen.
Zudem scheint die IIHF auch von Sponsoren Druck zu erhalten. Tipsport ist der grösste Wettanbieter Tschechiens, einer der Hauptsponsoren des Eishockeysports in Tschechien und der Slowakei und auch ein offizieller Partner der IIHF‑Weltmeisterschaften. Und diese Firma hat angekündigt, dass sie ihre Marke bei Spielen mit russischer Beteiligung nicht präsentieren will.
🏒 Česká sázková společnost Tipsport se ostře postavila proti návratu Ruska na mistrovství světa v hokeji 2027. Jako jeden z oficiálních partnerů Mezinárodní hokejové federace IIHF oznámila, že odmítá, aby se její reklama objevovala při případných zápasech ruské reprezentace. https://t.co/Wj9zxXUkVj
— rikardoff (@rikardooff) November 2, 2026
Aus Tschechien könnte für den Weltverband noch mehr Ungemach drohen. Hauptsponsor der Eishockey-WM ist seit Jahren der Autohersteller Skoda. Und dass die tschechische Firma, die im Besitz des deutschen VW-Konzerns ist, nicht davor zurückscheut, politisch Stellung zu nehmen, hat sie schon bewiesen. 2021 drohte Skoda an, den Sponsoring-Vertrag mit der IIHF zu annullieren. Damals wollte der Autohersteller nicht, dass die WM in Minsk ausgetragen wird, nachdem die dortige Regierung die damalige Protestbewegung brutal niederschlug.
Dass die IIHF überhaupt in diese Lage geraten ist, hat sie selbst zu verschulden – sagt zumindest Szymon Szemberg, der früher als Funktionär bei der IIHF und der Champions Hockey League tätig war. «Fünf Jahre lang hätte die IIHF Zeit gehabt, ihre Statuten und Regeln für den Ausschluss Russlands anzupassen. Sie ist verantwortlich für das Chaos», schreibt Szemberg auf Twitter.
🏒 The decision by the Court of Arbitration in Sport (CAS) to allow Russia back to international hockey is an own goal by the International Ice Hockey Federation, IIHF. Instead of, from the very outset, clearly declaring the prime reason to ban Russia from IIHF events, the world governing body gave lame and shallow reasons like “safety and well-being of players, officials, fans, volunteers and all participants.” For reasons that are difficult to understand, the IIHF were hesitant to give the real motives to keep Russia out; the unprovoked aggression of a sovereign nation, daily murder of innocent civilians and the most horrific war crimes on European soil since WWII. And the IIHF could see it coming. In June this year, the IIHF’s own (!) disciplinary board informed the IIHF Council (Board) that the council’s reasons to ban Russia could not be maintained in its current form. To put it simply, safety and well-being of participants is not a good enough reason to ban a nation. It can be reason #5 but not the main reason. It is important to understand how CAS works. The court’s job is to determine whether a federation’s own regulations are reasonable and if the federation follows its own rules. The IIHF has had five years following the Russian aggression to adjust their statutes to reflect the current situation in Ukraine, to be something like this: “The IIHF prohibits participation of nations that indulge in unprovoked wars of aggression, where innocent civilians and sports facilities are targeted and where civilians are murdered indiscriminately. A ban from participating is relevant particularly to nations where the political power and the country’s ice hockey authorities are intertwined and where the war enjoys full support from such authorities.” When reading CAS’ ruling from today, it is obvious that it is the IIHF that bears the responsibility. CAS states clearly that the reasons (safety, etc) as presented by the IIHF were not enough. What is even more embarrassing for the IIHF is that CAS, in the same press release, writes that it had dismissed similar Russian appeals - from the Russian Curling Federation - because of the World Curling Federation citing in their case that “the reintroduction of Russian athletes would present significant challenges to the integrity of the competitions.” So, in hockey, the Russian appeal was upheld. In curling it was dismissed. Difference? How you present your case. There is no question that it is the IIHF Council, with the former president Luc Tardif, that bears responsibility for the IIHF’s inability to properly present its case. And I personally pointed that out to Tardif some three years ago when we spoke at length about the Russian issue at the Champions Hockey League final in Luleå, Sweden. 🥅 The CAS decision does not automatically mean that Russia will take part. Countries like Sweden, Finland and Czechia should notify the IIHF that if Russia plays, we are out. The IIHF World Championship can do without Russia, sportively and commercially. But without the money from Swedish, Finnish and Czech television, there is no event.
— Szymon Szemberg (@Sz1909_Szemberg) October 30, 2026
Es sei sogar so gewesen, dass die eigene Disziplinarkommission das IIHF-Council davor gewarnt habe, dass die Begründung für einen Ausschluss Russlands so nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Trotzdem sei nichts passiert. Man hätte sich ein Vorbild am internationalen Curling-Verband nehmen sollen. Dort hat das CAS den Russland-Ausschluss aufrechterhalten, weil die nationalen Verbände geschlossen mit einem Boykott drohten, falls Russland zurückkehrt. Eine ähnliche Begründung wäre auch im Eishockey möglich gewesen – allerdings verpassten es die meisten Verbände, klar Stellung zu beziehen.
Da CAS-Entscheidungen nicht angefochten werden können, sind die Möglichkeiten für die IIHF nach dem Urteil vom Freitag limitiert.